Rollstuhlfahrer

Gefangen in der eigenen Wohnung: Hammer wegen defektem Aufzug seit Wochen eingesperrt

Seit acht Wochen ist es die „Tür des Grauens“ für Ulrich Lippmann: Der Rollstuhlfahrer kommt wegen des oft defekten Aufzugs im Mehrfamilienhaus auf der Geist unter normalen Umständen nicht aus seiner Wohnung raus.
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Seit acht Wochen ist es die „Tür des Grauens“ für Ulrich Lippmann: Der Rollstuhlfahrer kommt wegen des oft defekten Aufzugs im Mehrfamilienhaus auf der Geist unter normalen Umständen nicht aus seiner Wohnung raus.

Wer als Rollstuhlfahrer auf einen Aufzug im Haus angewiesen ist, der hofft eins inständig nicht: Dass der Aufzug kaputt ist: Genau diesen Albtraum erlebt zurzeit Ulrich Lippmann. Und das seit nunmehr acht Wochen.

Geist – Seit über 30 Jahren lebt Lippmann nun schon in einer Dachgeschosswohnung des Mehrfamilienhauses Auf der Geist 5, doch der derzeitge Zustand setzt ihm sehr zu.

Mal eben die Wohnung verlassen und nach draußen an die frische Luft kommen – so einfach ist das nicht möglich für Lippmann. „Als ich kürzlich endlich einen Corona-Impftermin bekam, hat mich die Feuerwehr mit acht Personen abholen und wieder in meine Wohnung bringen müssen“, erzählt der 70-Jährige. Andere Arzttermine verlege er ohnehin schon regelmäßig. „Ich kann doch nicht immer die Feuerwehr bemühen“, sagt Lippmann verzweifelt. Er fühlt sich wie ein Gefangener in den eigenen vier Wänden.

Er habe immer gerne in dem großen Mehrfamilienhaus gewohnt. Doch seit 2018 sei er auf den Rollstuhl angewiesen. Und danach habe sich der einzige Aufzug in dem Haus schon des Öfteren als Achillesferse entpuppt.

Gefangen in der eigenen Wohnung: Aufzug immer wieder defekt

„Der Aufzug hatte über die Jahre immer mal eine Störung“, erinnert sich Lippmann. Zunächst habe er den Verdacht gehabt, die Hausverwaltung unternehme dann nicht genug. Doch inzwischen habe er gemerkt, dass es sehr davon abhänge, wer schließlich als Monteur vor Ort sei. Mal funktioniere der Aufzug anschließend wochenlang problemlos, dann wiederum gebe es schon nach wenigen Tagen erneut irgendwelche Probleme. So sei es bei der letzten Reparatur direkt vor Ostern gewesen. „Unmittelbar vor den Feiertagen wurde der Aufzug gerichtet“, erinnert sich der Rollstuhlfahrer. Doch bereits nach zwei bis drei Tagen sei wieder Stillstand eingetreten.

Die Hausverwaltung stellt nun langfristige Besserung in Aussicht. Die nächste Reparatur werde erheblich umfangreicher und dann hoffentlich dauerhaft für Zufriedenheit sorgen, erklärt Tim Muckenhaupt, Inhaber der Hausverwaltung Muckenhaupt. „Nach Ostern wurde der Aufzug wieder stillgelegt, da die Gefahr eines Nachsackens bestand“, erklärt der Verwalter. Das hätte für die älteren Bewohner, oder gerade eben Menschen im Rollstuhl, eine große Gefahr bedeutet. Um endlich eine langfristige Lösung zu erreichen, habe die Verwaltung mit dem Aufzugunternehmen gesprochen und einen Kostenvoranschlag für eine komplett neue Aufzugsteuerung angefordert. Dieser sei auch schnell eingetroffen.

Gefangen in der eigenen Wohnung: Neue Aufzugsteuerung geplant

Nur einen Tag später hätte der Eigentümer zugestimmt, sodass der Auftrag umgehend rausging. „Das Problem ist nur, dass niemand die passende Steuerung auf Lager hat“, erklärte Muckenhaupt. „Da einige Teile gefertigt werden müssen, teilte die Firma eine Lieferzeit von acht bis 16 Wochen mit.“ Darüber seien die Mieter auf verschiedenen Wegen – per Aushang, Brief, E-Mail und Anrufen – informiert worden, auch über das Ausklammern der Fahrstuhlkosten in den Nebenkosten und die Möglichkeit der Mietminderung.

Nun hofften alle auf eine schnellstmögliche Lieferung und Montage der neuen Steuerung, so Muckenhaupt. Bis dahin will sich Lippmann mit der großen Solidarität der Mietergemeinschaft behelfen.

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