Serie: Was braucht Pelkum?

Gefährliche Abenteuer: Jugendliche riskieren in Lost Places in Pelkum ihre Gesundheit

In diesem ehemaligen Stellwerk haben sich Leute häuslich eingerichtet - doch in dem Werk gibt es zwei Meter tiefe Schächte, die nicht gesichert sind.
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In diesem ehemaligen Stellwerk haben sich Leute häuslich eingerichtet - doch in dem Werk gibt es zwei Meter tiefe Schächte, die nicht gesichert sind.

Pelkum ist ein sicherer Stadtbezirk, eigentlich. Doch Gefahrenpunkte gibt es trotzdem: In sogenannten Lost Places begeben sich Jugendliche immer wieder in Gefahr. Wie sicher finden Sie Pelkum? Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel)

Pelkum – Sie versprühen den Charme der Vergangenheit und ziehen vor allem junge Menschen magisch an. Auch im Stadtbezirk Pelkum gibt es sie, die sogenannten „Lost Places“. Dabei handelt es sich nicht, wie die wörtliche Übersetzung vermuten lässt, um „verlorene“, sondern um „vergessene“ Orte – Orte, an denen sich Menschen in der Vergangenheit aufgehalten haben. Auch Britta Dopheide und Mark Idem, die beiden Pelkumer Bezirksbeamten der Polizei, kennen solche Plätze. Von ihnen geht teils eine erhebliche Gefahr aus.

StadtbezirkPelkum
Straftaten 2020655
Straftaten je 100.000 Einwohner in Pelkum3374 (Stand 2020)
Straftaten je 100.000 Einwohner in Hamm8603 (Stand 2020)

Lost Places: Jugendliche klettern auf Dach eines Stellwerks

Der wohl bekannteste „Lost Place“ in Hamm, in dem mittlerweile langsam wieder Leben einkehrt, ist die ehemalige Zeche Heinrich Robert. Sie hatte in der Vergangenheit immer wieder Besuch von „Abenteurern“ erhalten, die ihre Eindrücke von der Zechenbrache auch ganz offen kommuniziert haben, zum Beispiel auf YouTube. Doch es gibt auch die kleinen „Lost Places“ wie ehemalige Stellwerke, die vermutlich junge Pelkumer für sich entdeckt haben. Aber genau das ist für die Polizei das Problem. Zwar zeigt Polizeihauptkommissar Idem Verständnis für Jugendliche, die auf der Suche nach Abenteuern sind: „Schließlich waren wir ja mal alle jung.“ Doch an vielen Stellen begeben sie sich, wenn vielleicht auch unwissentlich, in Gefahr. „Dann müssen wir einschreiten.“

So wie am ehemaligen Bahn-Stellwerks Pelkum direkt an der Hamm-Osterfelder-Bahn. Anwohner informierten Idem und Dopheide, dass Jugendliche „auf dem Dach des Stellwerks herumturnen“. Dabei ist das Dach mehrere Meter hoch. Zudem liegt das Stellwerk direkt neben befahrenen Bahngleisen samt Oberleitungen, es besteht die Gefahr eines Stromschlags. Die Polizisten setzten sich unverzüglich habe mit der Deutschen Bahn in Verbindung. Die habe das Stellwerk erstmal gesichert, sagt Idem.

Die Bezirkspolizisten Britta Dopheide und Mark Idem stellen fest, dass eine Lkw-Sperre am Osterbönener Weg nicht funktioniert. Auch diese Kontrolle gehört zu ihren Aufgaben.

Weiteres Stellwerk als Lost Place: Schächte als mögliche Gefahr

Ein anderer „Verlassener Ort“ befindet sich in Höhe der Straße Deutzholz an der ehemaligen Zechenbahntrasse. Auch hier gibt es ein ehemaliges Stellwerk. Einige Besucher haben sich darin häuslich eingerichtet – dabei gibt es in diesem Stellwerk Schächte, zwei Meter tief, nicht gesichert. „Sie stellen eine echte Gefahr dar“, sagt Dopheide. Bislang ist noch kein Mensch in die Schächte gestürzt, nur Müll liegt darin wie überall sonst in dem Stellwerk. Auch hier informierten die Bezirkspolizisten die RAG als Eigentümerin, die das Gelände am Wochenende sicherte.

Natürlich kennen Dopheide und ihr Kollege auch die „legalen“ Treffpunkte von Jugendlichem im Stadtbezirk – wenn nicht gerade Corona ist. Das sagen sie bei einer Tour durch Pelkum. Treffpunkte sind vor allem die Skateranlage im Stadtteilpark Schulze-Pelkum und der Spielplatz Behringstraße.

Kriminalität in Pelkum: Weniger Fälle als in vielen anderen Stadtbezirken

Insgesamt ist Pelkum ein vergleichsweise sicherer Stadtbezirk, wie Dopheide und Idem erklären und auch ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt. Zusammen mit Rhynern weist Pelkum die wenigsten Delikte auf. 2020 waren es 655 und damit 62 weniger als im Jahr zuvor. Allerdings: Pelkum und Rhynern sind von der Einwohnerzahl auch die kleinsten Stadtbezirke in Hamm.

Wie die beiden Bezirksbeamten sagen, gibt es im Stadtbezirk aktuell weder einen sozialen Brennpunkt und noch eine No-go-Area – also Bereiche, in denen die Sicherheit der Bürger nicht mehr garantiert werden kann. Früher habe es, so Dopheide, Probleme und damit auch immer wieder polizeiliche Einsätze in einigen Mehrfamilienhäusern größerer Wohnkomplexe gegeben. Viele Wohnungen stünden mittlerweile aber leer, die Bereiche seien unauffällig, erklärt sie.

Das trifft auch auf den Szenetreff am Stadtteilpark Schulze-Pelkum zu, der etlichen Bürgern ein Dorn im Auge ist. Dopheide: „Wir stehen in einem engen Kontakt mit den Menschen dort.“ Man habe, wie sie sagt, ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen aufbauen können.

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