Skateboardinitiative fordert neue Anlage im Hammer Osten

„Gefährlich rutschig“: Skater-Initiative übt scharfe Kritik am Funpark in Werries

 Phil Alester und Oliver Kahl, zeigen, dass die Skateranlage im Funpark in Hamm Werries Am Wellenbad auch nach Tagen ohne Regen noch nass ist.
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Im Funpark gehen die Skater unfreiwillig und im übertragenen Sinne baden: Phil Alester (rechts) und Oliver Kahl, zeigen, dass die Skateranlage im Funpark auch nach Tagen ohne Regen noch nass ist. Der Standort sei auch darüber hinaus ungeeignet.

Die hitzige Diskussion über eine Sanierung der maroden Skateranlage im Funpark geht weiter. Phil Alester von der Skateboardinitiative erklärt, warum sie seiner Meinung nach nicht zu retten ist.

Werries – So haben sich die Jugendlichen das nicht vorgestellt. „Die Politiker entscheiden über unsere Köpfe hinweg“, beklagt Phil Alester nach einem Streit in der Bezirksvertretung Uentrop über die Verwendung von 50.000 Euro aus dem Bezirksbudget. Er ist Initiator und Sprecher der rund 20-köpfigen Skateboardinitiative, die eine neue Anlage am Alten Uentroper Weg konzipiert und beantragt hat. Die Mehrheit von CDU und Grünen hat aber zunächst eine Sanierung der alten Anlage durchgesetzt.

50.000 Euro in eine Sanierung „Am Wellenbad“ zu stecken, halten die jungen Skater für eine „Fehlinvestition“. „Das können sie doch so nicht machen“, sagt der 17-Jährige ungläubig. „Der Standort ist ungeeignet. Die Politiker haben doch keine Ahnung.“ Der WA lässt mit Phil Alester den Sprecher der Jugendlichen zu Wort kommen. Bei einem Treffen im Funpark erklärt Phil, wie er zu seiner Aussage kommt. Bis zu dem Zeitpunkt hatte es nur Treffen mit der SPD gegeben, die seit dem Sommer die Initiative unterstützt.

CDU: Dringend notwendige Instandsetzung im Funpark Werries

Auf ihrer Facebookseite verteidigt die CDU die gemeinsame Entscheidung mit den Grünen, 50.000 Euro und damit die Hälfte des Bezirksbudgets für die Freizeitanlage am Wellenbad zu verwenden. „Dadurch werden zeitnah dringende und notwendige Instandsetzungsarbeiten vorgenommen, damit das Areal noch in diesem Jahr von den Sportlern genutzt werden kann“, heißt es. Angesichts der Äußerungen der Skateboardinitiative verläuft die Diskussion ein weiteres Mal an der Zielgruppe vorbei.

Skateranlage im Funpark „gefährlich“ feucht

Vor dem Treffen mit Phil Alester im Funpark hatte es bereits seit Tagen keinen Tropfen Regen gegeben. Trotzdem steht die mittlere Skater-Rampe in einer Pfütze. Die Folge: Eine Schmutzschicht, vermengt mit Laub, hat sich unter dem Wasser abgesetzt.

„Zu nass, zu rutschig, viel zu gefährlich für Skater“, sagt Phil Alester. Eine Sanierung der Skateranlage würde seiner Meinung nach allenfalls kurzzeitig etwas Abhilfe schaffen. Der Standort bleibe feucht. Daran ändere sich nichts, auch wenn die Bäume, wie angekündigt, gestutzt würden. „Und die wachsen nicht nach“, stellt er ironisch fest. Das Abtrocknen des Platzes dauere auch im Sommer länger. Die Rutschgefahr bleibe.

Funpark in Werries habe keinen geeigneten Rettungsweg

Schwere Verletzungen seien nicht ausgeschlossen. Phil Alester kann zwar auf keinen bisherigen Fall hinweisen, aber sollte mal etwas passieren, „haben die Rettungskräfte Schwierigkeiten, hier hinzukommen. Es gibt keine Zufahrt“, stellt er fest.

Ein Rettungswagen müsste erst einmal über die in der Regel verschlossenen Tore des benachbarten Schützenplatzes. Hoch zur Skaterfläche wird es dann eng.

Funpark in Werries sei oft vermüllt

„Platz sauber halten“ steht als letzter von acht Punkten auf einem Schild zur Benutzung der Skateboardanlage. Wer macht das Laub regelmäßig weg? „Ich komme fast jede Woche einmal und fege“, sagt er. „Es liegen hier eigentlich immer auch Glasscherben.“ Am Tag des Treffens sind keine auf der Fläche zu sehen.

Skater, die zufällig hier sind, aber nicht zur Initiative gehören, bestätigen, dass hier immer Reste zertrümmerter Flaschen herumlägen. Die seien auch im Sand des Beachvolleyballfeldes zu finden, sagt Phil. Weshalb es seinen Angaben nach nicht mehr genutzt werde.

Skaterinitiative befürchtet im Funpark Werries Bestandsschutz

Die Skateanlage weist Schäden auf. Ein Geländer an einer Rampe fehlt. Der Asphalt ist grob und unbrauchbar für Skater. All das ist bekannt. Deshalb kam eine Jugendgruppe vor zwei Jahren bei einem Ortstermin mit dem Jugendcafé zu dem Ergebnis, dass die Anlage saniert werden müsse. Mit Hilfe des Jugendzentrums formulierte sie einen Bürgerantrag. In dem ging es um diverse Mängel im Park und um Wünsche.

Kleinere Maßnahmen wurden umgesetzt. Für die Skateranlage war zunächst kein Geld vorhanden. Eine Sorge der Skateboardinitiative ist, dass mit einer Sanierung die Aussichten auf eine zeitgemäße Anlage am Alten Uentroper Weg schwinden könnte und ein Bestandsschutz für viele Jahre einen Neubau verhindert.

Skateboardinitiative mit Ex-Profi aus Werries

Er habe Kontakt mit dem Jugendcafé & Stadtteilzentrum aufgenommen, sagt Phil. Demnach gebe es die Gruppe von damals nicht mehr. Auf die Idee zu einer neuen Anlage war keiner gekommen. Die Sache mal größer zu denken, hält die Initiative für dringend geboten und lohnenswert. Die vergangenen Jahrzehnte zeigten, dass Skaten eine etablierte Sportart sei, sagt er. Mit den 50.000 Euro aus dem Bezirksbudget könne schon viel mehr als nur die Planung für einen Skate- und Bewegungspark in der Art eines „Lippepark 2.0“ am Alten Uentroper Weg umgesetzt werden.

Durch den ehemaligen Skaterprofi Oliver Kahl und seine Kontakte ist schon viel Vorarbeit geleistet worden. Die Pläne am Rande des Bolzplatzes gegenüber der Maximilianschule offenbaren im Vergleich einen weiteren Mangel im Funpark. „Die Fläche der Skateranlage ist zu klein. Hier sind drei Objekte wild platziert worden. Wenn ich hier eine halbe Stunde gefahren bin, bin ich alle“, sagt Phil. Zum Vergleich: Die Anlage im Lippepark biete dagegen passenden Raum, um etwa in Kurven Schwung zu holen.

Mangelnde soziale Kontrolle im Funpark in Werries

Die genannten Glasscherben verweisen laut Phil auf ein weiteres Problem. So schön, wie der Funpark im Grünen liegt – dass er von außen nicht eingesehen werden kann, macht ihn interessant für junge Menschen und Partys. Von Drogen war auch die Rede. Phil berichtet von Eltern und ihrer Auffassung: „Hier kann man Kinder nicht hinschicken.“ Ihre Vorbehalte und Ängste waren schon in der Vergangenheit Thema.

Ein neuer Skate- und Bewegungspark am Alten Uentroper Weg würde das Problem aus Sicht der Initiative lösen und die soziale Kontrolle zugleich stärken: Die Fläche ist von der Straße einsehbar, durch Spiel- und Bolzplatz frequentiert. Das würden der Bewegungsparcours und auch das in einem anderen Bürgerantrag vorgeschlagene Handball-Outdoorfeld als Multifunktionsspielfläche noch fördern. Hinzu komme, dass in unmittelbarer Nähe eine Bushaltestelle liege und der Park so gut erreichbar wäre.

Skate- und Bewegungspark in Werries

Die Initiative ist der Auffassung, dass „nichts für den Funpark“, aber „alles für den neuen Skate- und Bewegungspark spricht“. Phil Alester: „Wir machen weiter.“ Allein werden sie ihre Ideen aber nicht umsetzen können.

In einem neuen Skate- und Bewegungspark könnten neben den Skatern noch weitere Sportler Platz finden. In einem weiteren Bürgerantrag einer Handballerin geht es um ein Outdoor-Multifunktionsspielfeld. Es wäre das erste seiner Art in Hamm.

Skateranlage im Funpark in Werries gesperrt

Wenige Tage nach dem Termin mit der Skateboardinitiative sperrte Stadtverwaltung einen Teil der Skateranlage ab. Grund ist nicht der allgemein schlechte Zustand, sondern ein Schaden, den Vandalen oder Materialdiebe angerichtet haben. Ein Geländer am Rand der Halfpipe (Miniramp) fehlt. Skater könnten von der Plattform fallen. „Wegen dieses Vandalismus muss die Halfpipe gesperrt werden“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage.

Auch bei Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch ist der Schaden gemeldet worden. Ob der aber allein auf Vandalismus zurückzuführen ist, bezweifelt er. „Die haben das Geländer abmontiert“, sagt er, ohne weiter spekulieren zu wollen, was sie damit anfangen werden. Das Geländer scheint nicht einfach weggeworfen zu sein. Bislang ist es zumindest nicht im Umfeld aufgetaucht.

Gesperrt: Nachdem Unbekannte ein Geländer von der Halfpipe im Funpark gewaltsam entfernt haben, hat die Stadtverwaltung das Sportgerät erst einmal abgesperrt.

Die Teilsperrung der Skateranlage soll kein Dauerzustand sein. Aber bis zur aktuell noch geplanten Sanierung zu warten, dürfte zu lange dauern. Ob sie überhaupt kommt, ist noch unklar. Davon unabhängig wird der Teil im Funpark immer noch genutzt. Er wird auch erst einmal die einzige Möglichkeit in Werries bieten, um auf einer Anlage zu skaten. Daher soll der jüngste Schaden behoben werden.

„Wir haben bereits einen Betrieb beauftragt, sich das anzusehen und ein Angebot zu erstellen“, sagt der Stadtsprecher. Zur Schadenssumme und zur Dauer der Sperrung kann er am Donnerstag noch nichts sagen. Das sei erst möglich, wenn der Auftrag vergeben worden sei.

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