In Bockum-Hövel

„Gefährlich nah dran“ am Unfall: Wie vier Sechsjährige zu wichtigen Zeugen der Polizei wurden

Daumen runter für die Fahrerflucht: Die Grundschüler Luisa (von links), Celina , Romy und Luis beobachteten, wie eine bislang unbekannte Autofahrerin den Poller an der Ecke Uphofstraße/Horster Straße umfuhr und flüchtete, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Das finden die Kinder nicht in Ordnung und handelten.
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Daumen runter für die Fahrerflucht: Die Grundschüler Luisa (von links), Celina , Romy und Luis beobachteten, wie eine bislang unbekannte Autofahrerin den Poller an der Ecke Uphofstraße/Horster Straße umfuhr und flüchtete, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Das finden die Kinder nicht in Ordnung und handelten.

Vier Sechsjährige haben sich in Bockum-Hövel auf aufmerksame Unfallzeugen hervorgetan und es mit ihren selbst gemalten Zeichnungen der Fahrerflucht sogar in den offiziellen Polizeibericht geschafft. Jetzt erklären sie, warum es für sie wichtig war, die vermeintliche Lappalie zu melden.

Bockum-Hövel – Der Unfall hat bei den vier Grundschülern für viel Aufregung gesorgt. Die bislang unbekannte Autofahrerin flüchtete, ohne sich um den Sachschaden zu kümmern. Dabei hat sie nicht mit dem ausgeprägten Unrechtsbewusstsein der vier jungen Zeugen gerechnet. Sie berichten im Nachgang von dem Ereignis.

Romy, Luis, Celina und Luisa waren am vergangenen Dienstag gegen 8.40 Uhr zur Overbergschule unterwegs, wo sie gemeinsam die Drachenklasse besuchen. Dabei beobachteten die Sechsjährigen einen Unfall in der Kurve Uphofstraße/Horster Straße und meldeten ihn.

Poller wieder einbetoniert, aber noch locker

Die Kinder können sich zwar nicht mehr an jedes Detail erinnern, erweisen sich aber als aufmerksame Zeugen. Luis erinnert sich, dass ein kleines, schwarzes Auto die Kurve zu eng nahm und beim Abbiegen mit dem Hinterrad einen Absperrpfosten rammte. „Der Poller war ganz schief“, sagt Luisa. Jetzt ist der Pfosten wieder einbetoniert, steht aber noch locker.

So hat der Grundschüler Luis das von der Unfallstelle geflüchtete Fahrzeug in Erinnerung.

Sie können sich außerdem daran erinnern, dass die Fahrerin kurze, blonde Haare hatte. Die vier Sechsjährigen standen während des Unfalls an der Ampel und warteten auf Grün. „Wir haben uns erschrocken, es ging alles so schnell“, erzählt Celina. Das Auto war schnell ihren Blicken entschwunden. Die Fahrerin beging Fahrerflucht.

„Wir mussten das sagen“

Den vier Freunden war sofort klar, was zu tun ist. „Wir mussten das sagen“, erklärt Romy. „Dann sind wir zu unserer Klassenlehrerin gegangen.“ Diese informierte den Bezirksbeamten der Polizei und schlug den Kindern vor, Skizzen von dem Unfall zu malen. Die Bilder sind nun Teil der Ermittlungsakte.

Alle Vier hatten ein wenig Angst. „Ich konnte nicht so gut schlafen. Ich war ja auch gefährlich nah dran“, meint Luis. Ein Unfallzeuge wird man schließlich nicht alle Tage. Hinzu kommt, dass er mit seinen Klassenkameradinnen fast unmittelbar hinter dem Absperrpfosten stand, als das Auto in den Pfosten prallte. „Wäre der Poller nicht da gewesen, hätte das wirklich gefährlich ausgehen können. Das ist keine süße und lustige Geschichte, sondern eine ernste“, meint Luis’ Mutter, die – wie bei den Nachnamen der Kinder – nicht genannt werden möchte.

Diese Unfallskizze zeichnete die Grundschülerin Celina nach der von ihr beobachten Fahrerflucht.

Immer wieder brenzlige Situationen?

Romys Vater Dirk S., der Polizist ist, stellt fest: „Das ist eine knifflige Ecke, sehr gefährlich“. Denn hier macht die Horster Straße einen Bogen, sodass sie schlecht einsehbar ist. Mehrfach sei es nach seiner Beobachtung schon zu brenzligen Situationen gekommen. Und Rechtsabbieger, wie die Frau, die Unfallflucht beging, müssten bei Gegenverkehr die Kurve sehr scharf nehmen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Hinzu komme, dass die Straße sehr eng sei. Auf einer Seite parkten häufig Autos, sodass man bei Gegenverkehr auch schon mal länger warten müsse. „Da werden einige Autofahrer sehr ungeduldig“, sagt S.

Die Eltern begleiteten die Kinder am Dienstag wie sonst auch bis zur Straßenecke. Als sich der Unfall ereignete, waren sie aber gerade fort. „Wir haben nichts von dem Unfall mitbekommen“, sagt S. Trotzdem mache man sich Sorgen. „Wir wollen ja loslassen und haben Vertrauen in unsere Kinder. Aber wir müssen auch vorsichtig sein“, sagt Luis’ Mutter.

Chancen auf Aufklärung schlecht

Dass Kinder der Polizei Unfälle melden, kennt Romys Vater aus seinem Polizisten-Alltag kaum. Er schätzt die Chancen, dass die Fahrerin gefunden wird, als nicht so wahrscheinlich ein. „Es sei denn, es meldet sich noch jemand, die oder der den Unfall auch beobachtete“, erklärt S.

Die Kinder hoffen, dass die Fahrerin gefasst wird. „Ich möchte, dass ihr Führerschein weg kommt. Oder dass sie eine Geldstrafe bekommt. Oder, dass das Auto kaputt geht“, sagt Luis.

Hinweise zu dem Fall an die Polizei unter Telefon 02381/9160 oder per E-Mail an hinweise.hamm@polizei.nrw.de.

jim/bit

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