Nach Kanzlergipfel Mitte der Woche

„Geduldsfaden ist ziemlich dünn“: Herter äußert sich zu Lockdown und Impfungen - Details zu Schulöffnungen

Oberbürgermeister Marc Herter im Impfzentrum
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Oberbürgermeister Marc Herter (SPD) schwört die Hammer darauf ein, möglichst wenig Ansteckungsrisiken einzugehen.

Lockdown-Verlängerung, niedrigeres Inzidenzziel 35 sowie Öffnungsperspektiven für Schulen, Kitas und Friseure: Die Bund-Länder-Runde am Mittwochabend hat kaum langfristige Perspektiven gebracht. Geduld ist also weiter auch in Hamm gefragt. Jetzt hat sich Oberbürgermeister Marc Herter zu den Ergebnissen geäußert - und auch zu Schulen gibt es erste klarere Aussagen.

Hamm – Waren sie in den vergangenen Wochen hauptsächlich damit beschäftigt, Impftermine für Angehörige zu organisieren, werden sich Tausende Menschen in Hamm nun die Finger wund wählen, um einen frühestmöglichen Friseurtermin zu ergattern. In Chatgruppen von Schulklassen gingen etliche Fragen dazu ein, wie denn nun konkret die Rückkehr in den Klassenraum organisiert würde. Die Antwort lautete sinngemäß oft: „Das wissen wir auch noch nicht. Weitere Infos folgen.“ (News zum Coronavirus in Hamm)

Corona in Hamm: Herter fordert schnellere Impfungen für Lehrer und Erzieher

„Auch bei mir ist der Geduldsfaden ziemlich dünn“, sagte Oberbürgermeister Marc Herter vor allem mit Blick auf den nur stark begrenzt verfügbaren Impfstoff, durch den ja eigentlich eine schnellere Rückkehr zur Normalität ermöglicht werden sollte. „Ich ermahne mich trotzdem jeden Tag und sage: Gemeinsam kommen wir da durch und sorgen dafür, dass die Pandemie schnell ein Ende hat.“

Nach der Versorgung der Hochbetagten sollen sobald wie möglich Beschäftigte in systemrelevanten Berufen gegen das Coronavirus geimpft werden. „Wir müssen parallel die Systeme impfen, um nach und nach wieder öffnen zu können“, betonte Herter. Neben Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst gehören für ihn Lehrer und Erzieherinnen ebenfalls zur unbedingt vorrangig zu behandelnden Gruppe dazu. Ihre Versorgung mit dem Impfstoff solle vorgezogen werden. „Wenn wir ihnen zumuten, jeden Tag in Regel- oder Wechselunterricht zu gehen, dann halte ich das für unumgänglich.“

Beim Wechselunterricht ab dem 22. Februar für Grundschulkinder und Schüler der Abschlussklassen drängt Herter vor allem darauf, dass zwischen zwei Präsenz-Tagen maximal fünf Tage Distanzunterricht liegen. Und er fordert eine schnelle Rückkehr zum Wechselunterricht für alle Schüler: „Der Punkt ist der, dass wir im Moment nicht garantieren können, dass in der Schule die Kinder soweit auseinander sitzen, dass die 1,5 Meter Kontaktabstand eingehalten werden. Das ist mit Wechselunterricht möglich und deshalb auch das die Lösung für die weiterführenden Schulen.“

Corona in Hamm: Schulen bereiten sich auf Öffnung vor

„Es ist durchaus positiv, dass die Schulen jetzt eine Woche Zeit haben, um alles vorzubereiten. Sie sind inzwischen gut erprobt, Wechselunterricht zu organisieren. Dabei haben sie größtmögliche Flexibilität“, sagte Bildungsdezernentin Dr. Britta Obszerninks.

Das zeitliche Wechselsystem soll trotz der Flexibilität in Hamm für alle Schulen in der Grundstruktur gleich sein. Nach einer Schalte mit den Schulformen-Sprechern gab es dazu die ersten Ergebnisse. „Alle waren sich einig, dass nur tageweise und nicht von Stunde zu Stunde gewechselt werden kann“, so Obszerninks.

Nur so sei die Schülerbeförderung und nötige Reinigung der Räume zwischen den konstant voneinander getrennten Lerngruppen sichergestellt. Alle Schüler sollen zudem gleich viel Unterrichtszeit in der Schule erhalten. Für die jeweils anderen läuft der Distanzunterricht wie bisher weiter. Die Eltern mehrerer Tausend Schüler müssen sich also weiter auf Homeschooling einstellen – zumindest für die kommenden Wochen.

Die nicht nur für den Distanzunterricht weiter dringend benötigten und von der Stadt bestellten digitalen Endgeräte sind nach wie vor noch nicht komplett eingetroffen. Die Lehrer-Geräte seien aktuell in der Auslieferung, erklärte Obszerninks. Bei den Tablets für die Schüler warte man noch auf rund 3.000 Geräte.

Corona in Hamm: Gemeinsame Kraftanstrengung nach Lockdown

Über die akute Pandemie-Bekämpfung und erste Lockerungen hinaus soll es zumindest lokal bald darum gehen, wie es nach Ende der weitreichenden Einschränkungen weitergeht. „Aus dem Lockdown kommt man nicht heraus, indem man einfach die Allgemeinverfügung aufhebt“, sagt Herter dazu. „Es bedarf einer großen, gemeinsamen Kraftanstrengung von Einzelhandel, Vereinen, Verbänden, Sport und Kultur, sich gemeinsam sichtbar wieder auf den Weg zu machen.“

Die Stadt werde alle Beteiligten – zunächst virtuell – zusammenrufen, um einen Weg zu finden, dafür zu sorgen, dass „die Dinge wirtschaftlich und gesellschaftlich wieder in Schwung kommen“. Herter: „Das ist mindestens eine genauso große Aufgabe, wie die Geduld und Disziplin zu bewahren.

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