Vor 80 Jahren

Ins Gedenken an Pogromnacht werden erstmals Grundschulkinder eingebunden

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Die Stolpersteine in Hamm erinnern an die Opfer des Nazi-Terrors. Mit einer Veranstaltungsreihe wird der Pogromnacht vor 80 Jahren gedacht. 

Hamm - Die Stadt Hamm begeht den 80. Jahrestag der Pogromnacht 1938 mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen. Einen gewichtigen Beitrag leisten dabei die Schulen. Erstmals beschäftigen sich dabei auch Grundschüler mit dem Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung. 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Hamm wie in ganz Deutschland jüdische Bürger von den Nationalsozialisten überfallen, gedemütigt und zum Teil schwer misshandelt; 46 Juden wurden festgenommen. Die Synagoge, jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert. Mindestens 148 jüdische Hammer wurden im „Dritten Reich“ ermordet. 

Stadtarchivarin Ute Knopp stellte jetzt zum Jahrestag die Veranstaltungsreihe vor: Die Stätten jüdischen Lebens und der Verfolgung in Hamm werden im Mittelpunkt von vier Stadtrundgängen stehen. Für eine wissenschaftliche Einordnung sorgt der Münsteraner Historiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer („Verführung und Gewalt“) in einem Vortrag über Antisemitismus. Die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt wird in diesem Jahr von Schülern der Realschule Heessen mitgestaltet.

Erinnerung an Deportation in Vernichtungslager

Überhaupt nehmen Schulaktionen zum 80. Jahrestag der Pogromnacht breiten Raum ein. Am Mittag des 9. November werden Schüler des Beisenkamp-Gymnasiums, des Eduard-Spranger-Berufskollegs, des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, der Friedensschule und des Landschulheims Schloss Heessen in einer gemeinsamen Aktion auf dem Willy-Brandt-Platz an die Deportationen in die Vernichtungslager erinnern. Man habe den Platz vor dem Bahnhof ausgewählt, weil die Fahrt in den Tod mit der Reichsbahn absolviert wurde, sagte Knopp. Außerdem habe sich das Sammellager für die Hammer Juden unweit des Bahnhofs im Bereich des heutigen Technischen Rathauses befunden. 

Viertklässler beteiligen sich

Neben den weiterführenden Schulen sind erstmals auch vier Grundschulen an den Gedenkfeiern beteiligt. An der Carl-Orrf-Schule, der Schule im grünen Winkel, der Theodor-Heuss-Schule und der Von-Vincke-Schule lernen die Viertklässler im Unterricht die Geschichte von Otto Weidt (1883-1947) kennen, der als Berliner Bürstenfabrikant zahlreiche Juden in seinem Betrieb beschäftigte und ihnen so das Leben rettete. Die Ereignisse im „Dritten Reich“ würden in der Darstellung kindgerecht aufbereitet, sagte Lehrerin Edith Jung von der Theodor-Heuss-Schule. Die gemeinsame Aktion der vier Schulen, die auch das Mahnmal in der Innenstadt besuchen, sei neu; das Thema Nationalsozialismus und Pogrom stehe aber auch regulär im Lehrplan.

Nachfolgend die Veranstaltungen:

  •  Freitag, 2. November 19.30 Uhr „Lieder und Geschichten aus dem Schtetl“ mit den Gebrüdern Möxel (Axel Ronig und Thomas Gerullis), Gerd-Bucerius-Saal im Heinrich-von-Kleist-Forum, Platz der Deutschen Einheit 1, Eintritt fünf Euro
  • Mittwoch, 7. November 20 Uhr „Eine historische Lesung“ mit Altoberbürgermeister Jürgen Wieland, Loge „Zum hellen Licht“, Sedanstraße 13
  • Freitag, 9. November 12.30 Uhr Schüler erinnern an deportierte Hammer Juden, Willy-Brandt-Platz 17 Uhr Gedenkveranstaltung der Stadt, des Arbeitskreises „Woche der Brüderlichkeit“ und der Realschule Heessen, Gedenkstätte „Alte Synagoge“, Santa-Monica-Platz 18.30 Uhr Kunst- und Kulturprogramm „Friedenszeichen“ der Vereins zur Förderung des Martin-Luther-Viertels, Martin-Luther-Platz
  • Samstag, 10. November 14.30 bis 16.30 Uhr Stadtrundgang „Jüdische Lebensspuren“ mit Lucia Fahrenholtz, Treffpunkt Gedenkstätte „Alte Synagoge“; Kosten fünf Euro, Tickets im Vorverkauf beim Verkehrsverein, „Insel“ auf dem Willy-Brandt-Platz, Telefon 23400.
  • Sonntag, 11. November 15 Uhr Stadtführung „Entrechtung, Zerstörung, Verfolgung und Mord: die Judenverfolgung ab 1933“ mit Christoph Aßmann, Treffpunkt Gustav-Lübcke-Museum, Neue Bahnhofstraße 9; Kosten drei Euro
  • Dienstag, 13. November 19 Uhr Vortrag „Antisemitismus und Gewalt“ von Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Volkshochschule im Heinrich-von-Kleist-Forum, Eintritt frei
  • Samstag, 17. November 14.30 Uhr Stadtrundgang zur NS-Geschichte mit Hartmut Gliemann, Treffpunkt Rathaus, Theodor-Heuss-Platz 16 – eine Anmeldung zu diesem Termin erfolgt unter Telefon 13805
  • Sonntag, 18. November 11.30 Uhr Stadtführung „Entrechtung, Zerstörung, Verfolgung und Mord: die Judenverfolgung ab 1933“ mit Christoph Aßmann, Treffpunkt Gustav-Lübcke-Museum, Neue Bahnhofstraße 9; Kosten drei Euro
  • Donnerstag, 22. November 10.30 Uhr Gedenkveranstaltung von vier Grundschulen, Gedenkstätte „Alte Synagoge“, anschließend ökumenischer Gottesdienst in St. Agnes, Brüderstraße 45

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