So feiern die Hammer in Zeiten von Corona Geburtstage und Hochzeiten

Emily Pieper ist 16 geworden. Die standesgemäße Party wird zu einer anderen Zeit nachgeholt.
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Emily Pieper ist 16 geworden. Die standesgemäße Party wird zu einer anderen Zeit nachgeholt.

Eigentlich haben es Frühlings-Geburtstagskinder gut. Sie können oft schon im Garten feiern und in manchen Jahren fällt der Ehrentag in die Ferien. Auch Hochzeitspaare mögen diese Zeit. Eigentlich. Wegen des Kontaktverbots fallen Partys nun ins Wasser. Die Hammer feiern trotzdem, nur anders.

Hamm – Der Tisch im Esszimmer der Familie Pieper ist gedeckt, in seiner Mitte stehen zwei frisch gebackene Kuchen. In einem stecken zwei Kerzen, die eine „16“ Formen. An der Decke hängt eine Girlande, die in bunten Buchstaben „Herzlichen Glückwunsch“ sagt. Eigentlich ist alles bereit für die Geburtstagsgäste, nur: Die werden heute nicht kommen.

Für Emily Pieper war es gestern ein besonderer Tag. Denn es war ihr 16. Geburtstag. Eigentlich hätte sie die Familie zum Kaffee eingeladen und später mit ihren Freunden gefeiert. Doch das geht im Moment nicht. „Heute feiern eben nur Mama und ich“, sagt die Schülerin übers Telefon. Am Nachmittag kommt dann noch ihr Vater vorbei. Und auch die Oma schickt ihre Grüße. Allerdings aus sicherer Entfernung durch den Garten. „Das ist eben gerade so“, sagt Emily.

Trotz Corona keine schlechte Laune

Sie will ihren Geburtstag trotzdem genießen und das Beste aus der Situation machen. Auf Geschenke musste das Geburtstagskind nicht verzichten. „Die wurden einfach vorbeigebracht. Manche haben geklingelt und es abgegeben, andere haben etwas in den Briefkasten geschmissen oder sie auf die Terrasse gestellt“, beschreibt Mutter Andrea. Die Freunde gratulieren per Telefonkonferenz. Und wenn das alles vorbei ist, dann soll richtig gefeiert werden.

Eine ähnliche Erfahrung musste auch Familie Niewerth machen. Bei den Hammern standen in diesen Tagen gleich zwei Geburtstage an. „Ich hatte Ende März Geburtstag und mein Mann Anfang April“, sagt Simone Niewerth. Auch hier wurde im ganz kleinen Kreis gefeiert. „Es kamen dann auch Oma und Opa auf den Hof gefahren. Aber nur zur kontaktlosen Geschenkübergabe und ein kurzes Schwätzchen über vier bis fünf Meter“, erzählt sie.

Familienfeier im "kleinen" Kreis

Genauso war es auch mit anderen Verwandten. „Das ist schon sehr seltsam. Wir sind eine sehr große Familie, wenn wir im engsten Kreis feiern sind wir eigentlich schon um die 25 Mann“, sagt sie. Trotzdem hat die Familie sich die Tage nicht verderben lassen. „Wir haben Essen bestellt, Spiele gespielt und das Wetter war ja auch super.“ Trotzdem seien alle froh, wenn das vorbei ist.

Besonderer Geburtstag: An den Geschenken von Simone Niewerth lässt sich erkennen, in welchen Zeiten wir leben.

Auch bei Hochzeiten gilt Kontaktverbot

So ein Geburtstag, der lässt sich in der Regel sehr gut nachfeiern. Schwieriger wird es beim Hochzeitstag, zumindest wenn es der erste ist. So wie bei Naemi und Johannes Butt. Sie haben sich am 1. April im Hammer Standesamt das Ja-Wort gegeben. Allerdings anders als geplant, denn auch hier gelten die Regeln des Kontaktverbots. „Wir waren nur zu dritt. Wir beide und die Standesbeamtin“, beschreibt der 24-Jährige. „Das war schon sehr merkwürdig, irgendwie unwirklich, aber auch sehr persönlich.“ Familie und Freunde durften nicht mitkommen.

Hoffen auf die kirchliche Hochzeit

Die Zeremonie haben sie trotzdem nicht verpasst: „Wir haben alles mit einer Kamera gefilmt und später zuhause mit der Familie angesehen“, erzählt der Bräutigam. Auch gefeiert wurde dann im kleinen Kreis mit den Eltern und Geschwistern, mit denen die beiden derzeit zusammenwohnen.

Die kirchliche Hochzeit hat das Paar zunächst um einen Monat verschoben. „Wir hoffen, dass dann die Auflagen zumindest so weit gelockert werden, dass uns unser Pastor trauen und die Familie dabei sein kann“, sagt er. Auch die Hochzeitsreise wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Genießen könne das Paar die Zeit jetzt trotzdem und nebenbei wird noch der gemeinsame Umzug gestemmt. Auch der natürlich ganz im Zeichen von Corona.

Goldene Hochzeit über das Handy feiern

Die erste Hochzeitsfeier haben Andrea und Manfred Kaczmarek bereits hinter sich. Das Ehepaar aus Uentrop hat am vergangenen Wochenende goldene Hochzeit gefeiert. „Wir haben Essen bestellt und über das Handy per Video mit unseren Kindern und Enkeln gesprochen. Es war ein schöner Tag“, erzählt Andrea Kaczmarek.

Geplant war aber eigentlich etwas ganz anderes. „Eigentlich sollten wir jetzt auf einem Schiff in Richtung Amsterdam und England unterwegs sein“, sagt sie. Die Tour mit der gesamten Familie war bereits gebucht. „Wir haben sie jetzt auf September verschoben. Dann haben wir auch noch etwas, auf das wir uns freuen können."

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