Geburtenrate steigt seit fünf Jahren

Baby-Boom stellt Hammer Kliniken auf harte Probe

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Hamm - Nach Jahren des Rückgangs ist die Geburtenrate in Hamm zum fünften Mal in Folge gestiegen. Wurden im Jahr 2013 2047 Kinder in Hamm geboren, waren es im vergangenen Jahr 2423. Das ist ein Zuwachs um 18,4 Prozent.

Dieser Trend ist bundesweit zu beobachten. Inzwischen schlagen Hebammenverbände Alarm: Eine gute Betreuung der Gebärenden sei nicht immer gewährleistet. Werdende Mütter müssten abgewiesen und zu anderen Krankenhäuser geschickt werden.

In den beiden Hammer Krankenhäuser mit Geburtshilfestationen – dem Evangelischen Krankenhaus und der St.-Barbara-Klinik – haben die Geburtszahlen Spitzenwerte erreicht. In der St.-Barbara-Klinik erblickten im vergangenen Jahr 839 Kinder das Licht der Welt. Nach Angaben von Prof. Dr. Hermann Wiebringhaus ist das der höchste Wert, seit er in der Klinik arbeitetet. Er ist Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe an der St.-Barbara-Klinik.

Auch die Geburtshilfe am EVK ist voll: 1287 Kinder wurden dort 2015 geboren, im vergangenen Jahr waren es 1549. Rein rechnerisch kamen also etwa 4,2 Kinder pro Tag in den damals noch vier Kreißsälen des Krankenhauses zur Welt. Viele junge Mütter berichten, dass sie den Eindruck hatten, dass in den Kreißsälen sehr viel Betrieb war.

Hebammen verlassen Klinikalltag

Der Baby-Boom geht auch am EVK nicht spurlos vorüber. Im März wurde ein fünfter Kreißsaal  eröffnet. Außerdem will die Klinik mehrere Hebammen einstellen, erklärt eine Klinik-Sprecherin. „Doch das gestaltet sich schwierig“, teilt das Krankenhaus mit. „Obwohl im Umkreis einige Geburtskliniken geschlossen haben, wollen viele Hebammen aufgrund der von der Politik vorgegebenen Arbeitsbedingungen nicht mehr im Klinikalltag arbeiten und suchen sich einen anderen Wirkungskreis“, konstatiert die Sprecherin. Unterstützung bekommt das Hebammen-Team inzwischen von mehreren Hebammen aus Italien.

Bisher keine Frauen abgewiesen

Immerhin: So weit, dass man Gebärende abweist, kam es in den Hammer Kliniken bislang noch nicht. „Wir mussten noch niemanden in ein anderen Haus schicken“, sagt Wiebringhaus von der Barbaraklinik. Sein Haus sei gut aufgestellt und verfüge über genügend Hebammen.

Neben den eigenen angestellten Hebammen haben Beleghebammen im vergangenen Jahr rund 300 Geburten begleitet. Diese Beleghebammen haben die Schwangeren zur Entbindung in das Krankenhaus mitgebracht. Sie nutzten die Infrastruktur des Hauses.

Immer eine Hebamme im Haus

Es sei immer eine Hebamme im Haus – rund um die Uhr, sagt Wiebringhaus. Außerdem ein Arzt, ein Oberarzt und im Hintergrund der Chefarzt. Wiebringhaus: „Wenn es sein muss, kommen unsere Hebammen früher oder gehen später.“ Dass jede Gebärende eine eigene Hebamme bekommt, hält er für illusorisch.

Das Geburtshaus: Eine Alternative zum Kreißsaal?

Das aber wäre wünschenswert, sagt Brunhilde Al-Kabbani. Sie war viele Jahre leitende Hebamme in der St.-Barbara-Klinik und arbeitet selbstständig in der Vor- und Nachsorge. Sie berichtet von stressigen Tagen in der Klinik, wenn mehrere Geburten gleichzeitig anstünden. Technische Mittel wie ein CTG, das die Herztöne des Kindes und die Wehentätigkeit der Mutter misst, würden zu häufig angewendet. Das müsste bei einer Eins-zu-eins-Betreuung nicht sein.

Hammer Kliniken profitieren von Schließungen

Dass im Hammer Umkreis mehrere Geburtskliniken geschlossen haben und davon die beiden Krankenhäuser profitieren, zeigen die bloßen Zahlen: Von den insgesamt 2388 Geburten in den Hammer Krankenhäusern im vergangenen Jahr hatten 1732 Mütter Hamm als Wohnsitz, 656 Mütter kamen aus dem Umkreis.

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