Tobi Katze schreibt Bestseller: Gastspiel im "Kubus" am 14. November

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Tobi Katze wurde als Tobias Rauh in Hamm geboren.

Hamm - Kabarettist will er nicht sein, Comedian schon gar, wenn schon dann vielleicht Schriftsteller. Mit Worten umgehen kann Tobi Katze auf jeden Fall – und zwar „sowas von“.

Riesigen Erfolg hat er nicht nur mit seinen Bühnenprogrammen, jetzt hat er sich mit seinem zweiten Buch „Morgen ist leider auch noch ein Tag“ auf Platz 4 der Spiegel-Bestsellerliste, Rubrik Taschenbuch, katapultiert. Geboren wurde er 1981 in Hamm – mit „bürgerlichem Namen“ als Tobias Rauh. Als was er sich denn nun selbst sieht? „Als kabarettistischen Geschichtenerzähler und Typ, der den Unterschied zwischen Transformers und Kafka kennt“, sagt Tobi Katze.

Mit dieser Einstellung hat er spätestens seit 2007 anerkannten Erfolg: Da wurde er mit dem Preis des Dortmunder LesArt-Festivals ausgezeichnet für eine Kurzgeschichte, in der er über das Miteinander der Menschen in „seinem“ Stadtviertel geschrieben hatte. Dass er gar kein Kabarettist sein will, wollte die Jury des Bielefelder Kabarettpreises nicht akzeptieren und verlieh ihn 2014 trotzdem an Tobi Katze.

Da war der „Live-Literat“ mit seinem Bühnenprogramm „rocknrollmitbuchstaben“ unterwegs und veröffentlichte das auch in Buchform. Dabei hat Tobias Rauh mit Musik erste Bühnenerfahrungen gesammelt – in einer Schülerband am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, das er 2000 mit dem Abitur verließ. Geschrieben hat er damals aber auch schon und sich an Schreibwettbewerben der Stadtbüchereien beteiligt.

2001 dann zog es ihn nach Dortmund, wo er „sehr lange“, wie er zugibt, Angewandte Literatur- und Kulturwissenschaften studierte. 2009 schloss er das Studium mit einer Arbeit über „Erzählverfahren in Computerspielen“ ab. Am meisten freut ihn daran, dass er seitdem mehr Freizeit hat – beziehungsweise Zeit, um „über das Leben und viele andere schöne Dinge zu schreiben.“ Denn das machte Tobi Katze auch schon während seines Studiums und präsentierte die Ergebnisse auf Bühnen.

Schuld daran hat ein Uni-Dozent, der ihn 2002 zu einem Poetry-Slam in Dortmund „mitschleppte“. „Da habe ich direkt Feuer gefangen für das Format. Literatur auf der Bühne nicht nur vorzutragen, sondern zu performen, also mit Leben und Leidenschaft füllen – das fand ich faszinierend“, begründet er, warum er dabei geblieben ist. Seitdem mache er die Slam- und Lesebühnen des Landes „unsicher“.

Trotzdem: Kabarett sei die falsche Bezeichnung. Denn die würden für ihre Programme immer alles auswendig lernen. Aber das ist nicht sein Ding. Stattdessen liest der 34-Jährige also auf der Bühne vor, was ihn bewegt. Da sieht er sich ein bisschen in der Tradition von Frank Goosen und Jochen Malmsheimer, die für ihn Vorbilder sind. Und dann kamen irgendwann die Depressionen. „Warum sich davon unterkriegen lassen?“, fragte sich Tobi Katze und fing an, darüber den Blog, eine Art Internet-Tagebuch, mit dem Titel „dasgegenteilvontraurig“, zu schreiben. Und zwar gewürzt mit reichlich Humor, der bekanntlich ansteckend ist.

So ließ sich erst das Magazin „Stern“ davon infizieren und engagierte ihn für seinen Online-Blog. Und dann traf es den Rowohlt-Verlag, mit dem das Buch „Morgen ist leider auch noch ein Tag“ entstand. Als Bestseller hat sich Tobi Katzes humorige Depressionsaufbereitung mittlerweile wie eine Epidemie verbreitet. Darin gesteht der 34-Jährige, dass ihn die Depression nicht plötzlich überfallen hat, sie habe sich angeschlichen und unmerklich das Ruder in seinem Leben übernommen.

„Die meiste Zeit schließt er sich in seiner Wohnung ein und spricht lieber mit der schmutzigen Wäsche als mit seinen Freunden. Abends übertönt er die Stille in ihm mit Partys, füllt die Leere, wo Gefühle sein sollten, mit Bier und pflanzt sich ein Dauergrinsen ins Gesicht, um ja nicht den Anschein zu erwecken, etwas wäre nicht in Ordnung“, heißt es im Klappentext zum Buch. Im Oktober hatte Tobi Katze mit dem Bühnenprogramm zum Bestseller Premiere. Seitdem ist er noch mehr gefragt – und hat trotzdem noch Zeit für eine Schreibwerkstatt in seiner Heimatstadt.

Zu einer Poetry-Schreibwerkstatt mit Tobi Katze lädt das Jugendkulturzentrum „Kubus“, Südstraße 28, am Samstag, 14. November, von 15 bis 18 Uhr ein. „Mir fällt nichts ein! Was soll ich nur schreiben? Wie schreibe ich einen Text spannend, fesselnd, zuhörergeeignet?“ Diese Schreibwerkstatt gibt Antworten auf diese Fragen und zeigt den Teilnehmern im Alter ab zwölf Jahren, wie die eigenen Texte bei einer Lesung präsentiert werden können. Anmeldungen per E-Mail an kubus@jugendkultur-hamm.net, unter Telefon 9 73 69 92 oder direkt im Kubus. Die Teilnahme kostet drei Euro.

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