Grüne, SPD und Bürgergemeinschaft Seite an Seite

„Betonwüste“: Geballter Protest gegen Inlogparc-Ausbau

Erweiterung des Inlogparcs
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Für die Bürgergemeinschaft ein Schreckensbild: Sie fürchten, die Erweiterung des Inlogparcs könnte zu so viel versiegelter Fläche und viel Verkehr führen wie der dpd-Standort.

Mit völligem Unverständnis hat die Bürgergemeinschaft (BG) gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft in ihrer Vorstandssitzung auf das „Ja“ des Ruhrparlaments zur Norderweiterung des Inlogparcs reagiert.

Weetfeld – „Wir können uns keine andere Lösung vorstellen als die, den Nordausbau nicht weiter zu verfolgen und die entsprechenden Pläne – den Regionalplan Ruhr und den Hammer Flächennutzungsplan – entsprechend zu ändern“, so die einhellige Meinung des zehnköpfigen Gremiums der BG. Auch dem Vorsitzenden, Ulrich Schölermann, „reicht es jetzt“. Mit dem 24 Hektar großen Südabschnitt müsse es genug sein.

Der doppelt so große Nordabschnitt des Inlogparcs würde die Belastungen der Anwohner durch den Fahrzeugverkehr, die Versiegelung der Landschaft, den Verlust von Naherholungsbereichen und den Lebensräumen für wild lebende Arten zusätzlich vorantreiben, glaubt Schölermann. Der Kiebitz habe in diesem Sommer mit gleich zwei Brutpaaren hier gebrütet, sein Habitat sei das einzige zwischen Hamm und Flerke in dieser Gegend.

„Uns ist klar, dass mit einem Kiebitz-Vorkommen allein kein Industriegebiet verhindert werden kann, aber hier kommt eins zum anderen. Mensch und Natur gehören zusammen. Wir wollen nicht am Rande einer immer größer werdenden Betonwüste leben.“ Die Landwirtschaft beklage den Verlust von Anbauflächen, Ausgleichsflächen und Ersatzlebensräume bei Wohn- und Gewerbegebietsausweisungen wären kaum noch zu finden. Aber hier würden 48 Hektar hochwertiger Ackerboden unnötigerweise versiegelt, erwartet der Vorsitzende hier auch die Proteste der Landwirte.

Streit um Inlogparc: Sorge vor Politikverdrossenheit

Wie Schölermann berichtete, hätten Oberbürgermeister Marc Herter und der Planungsdezernent des Regionalverbands Ruhr ein Schreiben der BG erhalten, in denen um Aufklärung des Abstimmungsverhaltens der drei Hammer Ratsvertreter im Ruhrparlament – Johannes Ferstl, Judith Schwienhorst und Monika Simshäuser – gebeten wurde. Das Gremium der BG hätte sich äußerst verwundert gezeigt, dass Hammer Politiker im Rat ein anderes Abstimmungsverhalten als im Ruhrparlament RVR gezeigt haben. Dadurch verlöre die Politik ihre Glaubwürdigkeit und werde die Politikverdrossenheit gefördert, sagten sie vor allem in Richtung Monika Simshäuser.

Für die BG steht daher fest: kein Nordausbau des Inlogparcs. Das sei auch so im Koalitionsvertrag festgeschrieben, so Schölermann, der auf der Sitzung fragte, ob es hier nicht zu einem Bruch des Koalitionsvertrags gekommen sei. Mögliche Konsequenzen für sein eigenes politisches Handeln ließ der Pelkumer Bezirksvertreter von Bündnis 90/Die Grünen offen.

Letzter Schritt nicht erfolgt

Kurz nach der Kommunalwahl sahen sich die Inlogparc-Gegner schon am Ziel: Die Ampel-Koalition im Hammer Rathaus hatte erklärt, dass sie auf die Norderweiterung verzichten werde. Doch der letzte Schritt, die Herausnahme aus dem Regionalplan und die Streichung aus dem Flächennutzungsplan, erfolgte nicht. Das sowie die Einstufung des Inlogparcs Nord als „Regionaler Kooperationsstandort“ des RVR könnten das Thema, zum Beispiel bei einem Machtwechsel in Hamm, schneller wieder akut werden lassen als es den Gegnern lieb ist. 

Streit um Inlogparc: SPD und Grüne mit klarer Meinung

Klar zum Thema Norderweiterung positioniert haben sich indes auch die SPD und die Hammer Grünen. Mit ihm werde es keine Norderweiterung geben, sagte Bezirksbürgermeister Axel Püttner (SPD). Bürgermeisterin Monika Simshäuser als Mitglied des Regionalrats – dort hatte sie mit „Ja“ bestimmt – verwies darauf, dass das Votum für Hamm nicht bindend sei. Zudem erklärte sei, dass die Herausnahme des KII-Parks in Uentrop aus dem Regionalplan nicht auf politischen Druck geschehen sei. Das Projekt ließe sich technisch nicht umsetzen. Insoforn sei hier kein Vergleich mit dem Weetfelder Inlogparc möglich.

Die Hammer Grünen betonten mehrfach, dass es mit ihnen keine industrielle oder gewerbliche Nutzung der Flächen Inlogparc-Nord geben werde. „Auch wenn der Inlogparc nun als Regionaler Kooperationsstandort im Ruhrparlament beschlossen wurde, hat der RVR keine Handlungsmöglichkeiten, solange die Mehrheit im Rat der Stadt Hamm eine Entwicklung der Fläche ablehnt“, stellte Bürgermeister Karsten Weymann klar. Zudem merkte er an, dass die Festschreibung durch den RVR an dieser Stelle kein kleinteiliges Gewerbe, so wie von der CDU gefordert, möglich mache. Die Fläche im RVR-Bereich müsse, so Weymann, für großes Gewerbe über fünf Hektar freigehalten werden.

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