Der Gasometer verschwindet

Der Zeiger steht bei Null: Bereits im Juni wurde das restliche Erdgas aus dem Speicher abgelassen.

HAMM-SÜDEN ▪ Der zu Jahresbeginn angekündigte Abriss des Gasometers auf dem Stadtwerke-Gelände am Langewanneweg geht in die entscheidende Phase. Ab Dienstag wird das 36 Meter hohe Führungsgerüst der 1953 errichteten Anlage abgetragen. Alle Arbeiten sollen Ende Oktober erledigt sein, berichtet Projektleiter Volker Sekunde.

Hintergrund der Maßnahme ist die geplante Zusammenlegung beider Stadtwerke-Standorte im Hammer Süden am Langewanneweg. Überdies lässt sich der so genannte Niederdruckgasbehälter laut Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich betreiben. In den 1950er und 60er Jahren hat sein Fassungsvermögen von 50 000 Kubikmeter noch für ganz Hamm ausgereicht, bei dem aktuellen Verbrauch allerdings wäre der Riesen-Bottich im Winter schon nach einer Stunde leer, so dass er zuletzt nur in Spitzenzeiten zum Einsatz gekommen war. Doch auch dies sei nicht mehr rentabel: „Wir können angesichts des liberalisierten Marktes heutzutage jederzeit so viel Gas zur Verfügung stellen, wie benötigt wird“, unterstreicht Sekunde.

Außer Betrieb genommen wurde der Gasometer bereits im Juni, und zwar streng nach Vorschrift und unter Aufsicht des Gaswärmeinstituts Essen. Zunächst wurde unter Einsatz von 7 000 Kubikmeter Stickstoff das restliche Gas abgeleitet. Bis gestern flossen dann die rund 19 000 Kubikmeter Wasser ab, die sich zur Abdichtung im Gasometer befanden. Vor der Einleitung ins Kanalnetz musste das Wasser allerdings noch von Schadstoffen befreit werden. Die stammen aus der Zeit bis 1977, als nicht Erdgas, sondern noch aus Kohle gewonnenes Kokereigas hier lagerte.

Auch der Schlamm am Boden des Gasometers muss speziell behandelt werden. Doch zunächst werden das Gerüst und die Glocke mit ihren 50 Metern Durchmesser demontiert.

Sekunde schätzt, dass 900 Tonnen Stahl anfallen. Beim Gerüst werden zunächst mit Hilfe eines Seilbaggers die Querstreben zerschnitten, dann sind die Teleskoppfeiler an der Reihe. Für den Abriss rechnen die Stadtwerke mit Ausgaben in Höhe von 300 000 Euro zuzüglich der Entsorgungskosten. Zuletzt saniert und angestrichen wurde der Gasometer, der als Ersatz für einen kleineren, einst wenige Meter daneben befindlichen Gasbehälter errichtet worden war, vor rund 20 Jahren. Gewartet wurde er in den Wintermonaten täglich.

Im Zuge der Standort-Zusammenlegung wurden bereits die Gasreglerstation, das Dampfkesselhaus, die alte Werkstatt, die nördliche Firmenmauer, das Labor- sowie das Gärtnereigebäude abgerissen. Jetzt ist der Gasometer an der Reihe und schafft Platz für die Erhöhung der Lagerkapazität. Zudem sollen eine neue Werkstatt samt Ausbildungsbereich errichtet werden und ein Bürogebäude. ▪ jm

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