Kosten, Schäden, Bergbau, Geothermie...

Gasleck-Dilemma hinterlässt Fragen: Hier gibt es Antworten

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Einsatz am Bohrloch am Freitag. Das Gas wird kontrolliert auf ein Feld abgeleitet.

Hamm - Aufatmen in Pelkum: Nach dem ungewöhnlichen Gasleck-Drama am Mittwoch sind inzwischen alle Anwohner wieder zuhause. Doch nach dem Dilemma stellen sich viele Fragen. Wir haben ein paar davon ausgesucht und beantwortet.

Auch für die letzten der rund 300 am Mittwoch im Pelkumer Baugebiet „Im Westfeld“ evakuierten Anwohner war am Freitagvormittag der Methan-Spuk vorüber. Knapp zwei Tage nachdem bei Bohrungen für eine Erdwärme-Heizung in großer Menge explosives Methan freigesetzt worden war, strömte das Gas zwar auch da noch aus dem Erdreich, eine Gefahr für die Anlieger wurde aber von den Sicherheitskräften ausgeschlossen. (Hier klicken für unseren großen News-Ticker!)

War der Bergbau ursächlich für die Bildung der Pelkumer Gasblase?

Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Die Kohleflöze in dieser Region lagen nach Auskunft der Bergbauaufsicht Arnsberg in 520 Meter Tiefe. Das Bohrloch an dem Neubau „Im Westfeld“ war lediglich 80 Meter tief. Dass zwischen den alten Bergbaustollen und dem Bohrloch eine Verbindung bestehen könnte, sei nur schwer vorstellbar, werde aber noch analysiert, hieß es gestern. Ebenso sei möglich, dass vor tausenden Jahren organische Materie an der Stelle im Erdreich eingeschlossen wurde und daraus das Gas entstanden sei.

Gasaustritt in Hamm-Pelkum

Was bedeutet der Pelkumer Vorfall für andere Geothermie-Vorhaben in Hamm?

Definitive Antworten wird es erst in einigen Tage geben. Ab Montag werden sich Vertreter der Stadt mit Experten der Deutschen Montan Technologie (DMT) und der Bezirksregierung zusammensetzen und den Pelkumer Fall analysieren. Eine der zentralen Fragen wird sein, ob es nicht doch Möglichkeiten gibt, solche Gasblasen im Vorfeld zu identifizieren. Laufende Genehmigungsverfahren werden bis zum Abschluss dieser Gespräche zunächst ausgesetzt.

Allein in dem Pelkumer Baugebiet gibt es nach Auskunft der Stadtverwaltung mehrere Bauwillige, die Erdwärme nutzen wollen. In der gesamten Stadt gibt es gut 300 solcher Anlagen. Offene Verfahren, sprich solche, in denen bereits eine städtische Genehmigung vorliegt, aber noch keine Bohrung vorgenommen wurde, gibt es nach Auskunft der Stadtverwaltung derzeit keine.

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Wer muss für die Kosten und eventuelle Schadensregulierungen geradestehen? 

Auch hier setzt die Stadt auf die Erkenntnisse, die bei den in der kommenden Woche stattfindenden Gesprächen gewonnen werden sollen. Das Security-Unternehmen beispielsweise, das seit gestern die Gefahrenstelle in Pelkum überwacht, wird zunächst von der Stadt bezahlt. Grundsätzlich handelt es sich aber im Schadensfall um Angelegenheiten, die auf zivilrechtlichem Wege zu lösen sind.

Müssen die Anwohner rund um die Pelkumer Bohrstelle um ihre Objekte fürchten? 

Wohl nicht. Ein Vertreter der Deutschen Montan Technologie erklärte gestern, dass man mittlerweile wisse, dass keine Tagesoberflächenbrüche zu befürchten seien. Es bestehe keine Gefahr, dass Gebäude oder Teile davon zusammenbrechen könnten.

Wurden in der Vergangenheit Geothermie-Vorhaben abgelehnt? 

Ja. Nach Auskunft der Bezirksregierung Arnsberg geschieht dies regelmäßig in Wasserschutzgebieten. Auch komme es vor, dass sich erst im Laufe einer Bohrung – etwa durch Gasaustritt – Probleme einstellten und das Vorhaben letztlich aufzugeben sei. Konsequenz könne dann sein, dass die Bohrstelle komplett mit Zement auszugießen sei. In weniger gravierenden Fällen werde der ausführende Unternehmer dazu verpflichtet, einen Betriebsplan zu erstellen und an der Bohrstelle eine Verschlusseinrichtung – einen so genannten Gas-Preventer – anzubringen. Die Bezirksregierung ist erst ab einer Bohrtiefe von 100 Metern an den Genehmigungsverfahren beteiligt.

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