Hoffen auf die Biergartensaison

Garten statt Gastro: So ergeht es dem Wirtepaar Kötter in der Corona-Zeit

Gregor und Gabi Kötter sehnen sich danach, endlich wieder Gäste in ihrem Biergarten bewirten zu können.
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Im Garten war einiges zu tun: Gregor und Gabi Kötter sehnen sich danach, endlich wieder Gäste in ihrem Biergarten bewirten zu können.

Seit 1927 steht der Gasthof Kötter für seine Gäste in Hamm offen. Gregor Kötter ist mit dem Familienbetrieb groß geworden, doch an ein Jahr wie in der Corona-Pandemie können sich er und seine Frau Gabi nicht erinnern.

Heessen – „Mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs war es vergangenes Jahr das erste Mal, dass wir am 1. Mai geschlossen hatten“, nennt Gregor Kötter ein Beispiel, das zeigt, dass gerade einiges anders läuft als gewöhnlich. Inzwischen lasse sich das Ehepaar auch nicht von den ständig wechselnden Ankündigungen von Politik und Virologen treiben, sondern beabsichtigte, den Außenbereich an der Kleistraße 60 erst zur Biergartensaison wieder zu öffnen.

Am Beginn der Corona-Pandemie hätten sie der Bundeskanzlerin wirklich Respekt gezollt. „Da hat sie uns vor den Verhältnissen, wie man sie in den Nachrichten etwa aus Italien erfahren hat, sehr gut geschützt“, so der Gastronom. Doch mit der Zeit hätten sie sich gefragt, warum nach dem ersten Lockdown nicht gute Hygienekonzepte eingefordert und kontrolliert worden seien. „Gerade der zweite Lockdown hat uns und die gesamte Branche schwer getroffen“, so Gregor Kötter.

Im November sei bei ihnen klassischerweise die Grünkohlzeit. „Da hat zuerst unser Bauer angerufen und gefragt, was nun sei“, so Gabi Kötter. Dieser habe extra ein eigenes Grünkohlfeld für sie angebaut. „Die sind ja genauso betroffen wie wir“, sagt die Gastwirtin. Auch die Kunden hätten ihre Buchungen immer wieder verschoben oder gefragt, ob ein Außer-Haus-Verkauf bei Grünkohl oder Wildgerichten möglich sei. Das hätten sie aber nicht gemacht, schon aus Unsicherheit, ob sie dann trotz geringer Einnahmen die beantragten Fördermittel hätten zurückzahlen müssen.

Gasthof Kötter in der Corona-Zeit: Sorge um junge Mitarbeiter

„Da wir ja lange am Markt sind und keine Miete oder Pacht bezahlen müssen, können wir die Situation recht entspannt sehen“, erklärt der Gastronom. Doch gerade für die Kollegen, denen es nicht so gehe, speziell auch für junge Existenzgründer, könne die Lage schnell bedrohlich werden. „Auch unsere jungen Mitarbeiter sind ja betroffen“, ergänzt Gabi Kötter. Während andere an Sommertagen im Freibad waren, hätten sie sich fleißig etwas hinzuverdient. Das fehle ihnen nun und sie wüssten nicht, ob sie beim nächsten Saisonstart in die Gastronomie zurückkehrten.

An Arbeit mangele es ihnen aber trotz der aktuellen Schließung derzeit nicht, sagt Gregor Kötter. Sie hätten einige vom Borkenkäfer betroffene Fichten gefällt und entsorgt, den großen Garten hergerichtet und die Scheune leergeräumt. „Wie sagte es ein Nachbar einmal, wir können mittellos, aber nicht arbeitslos werden“, sagt der Wirt lächelnd.

Gasthof Kötter in der Corona-Zeit: Belastung überall spürbar

Ein Aspekt, der in der ganzen Debatte um die Öffnung und Schließung von Innen- und Außengastronomien viel zu kurz komme, sei die Gesundheit der Mitarbeiter, sagt die Gastronomin. Deshalb warteten sie auch auf die Biergarten-Saison, denn da sei ein großzügiger Abstand leichter möglich als in den Innenräumen.

„Man spürt auch überall die Belastung der Menschen, das merken wir ja auch an uns“, sagt Gregor Kötter. Er vermisse die Doppelkopfrunden am Sonntagabend und auch von den Stammgästen, etwa den Mitgliedern der Waldbühne, höre er die Sehnsucht nach einem gemütlichen Miteinander immer wieder. „Mensch, Gregor, ihr habt doch einen Versorgungsauftrag“, habe ein Stammgast einmal augenzwinkernd zu ihm gesagt, so Kötter.

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