Fußpflege auf unsicheren Beinen

Keine Kosmetik: Derzeit muss ein medizinischer Grund für eine Fuß-Behandlung vorliegen

Für reichlich Verunsicherung sorgt die aktuelle Corona-Verordnung in der Fußpflege. Denn die Erwähnung der Fußpflege lässt Raum für Interpretationen.

Hamm – In der Corona-Verordnung steht, dass „medizinisch notwendige Behandlungen, zum Beispiel (...) Podologie/Fußpflege“ weiterhin möglich bleiben. Das Problem: Fußpfleger dürfen niemals medizinisch notwendige Behandlungen durchführen. Fußpfleger dürfen – auch ohne Corona-Verordnung – nicht heilend tätig sein. Dafür sind Podologen und Ärzte zuständig. Im Gegensatz zum Fußpfleger, der für Fußästhetik und Fußhygiene zuständig ist, verfügt der Podologe zusätzlich über ein fundiertes medizinisches Fachwissen und darf beispielsweise Diabetikerfüße und eingewachsene Fußnägel behandeln.

„Einige Fußpfleger scheinen durch die Nennung der Fußpflege in der Corona-Verordnung verunsichert zu sein, ob sie nun arbeiten dürfen oder nicht“, sagt eine Fußpflegerin aus Hamm, die anonym bleiben möchte. Sie selbst habe versucht, sich bei den Behörden zu informieren, und erst das Land NRW habe ihr eine sichere Antwort geben können: „Die kosmetische Fußpflege darf nicht öffnen.“

Fußpflege und Podologie im Lockdown: Formulierung in der Corona-Verordnung sorgt für Verunsicherung

Das bestätigt auch die Pressestelle der Stadt Hamm: „Die Regelung gilt dahingehend, dass Podologie- und Fußpflege-Betriebe nur Kundschaft mit ärztlichem Attest beziehungsweise Rezept behandeln dürfen.“ Wenn deshalb ein Fußpflege-Betrieb keine Kundschaft bedienen kann, müsse dieser schließen, sagt Lukas Huster von der Pressestelle der Stadt.

„Fußpfleger dürfen, kurz gesagt, keine Schmerzen lindern“, sagt Beate Eickmann von der Praxis für Podologie B. Eickmann und ergänzt: „Fußpfleger dürfen bei vorliegender Pflegeklasse zwar pflegerisch tätig sein, allerdings nicht bei Risikopatienten.“ Doch auch Podologen sind verunsichert. Viele versuchen sich abzusichern und behandeln deshalb fast ausschließlich Patienten, die ein ärztliches Rezept erhalten haben.

Im Lockdown dürfen nicht alle arbeiten: In der Fußpflege dürfen nur Patienten mit einem ärztlichen Rezept medizinisch behandelt werden. Die kosmetische Fußpflege darf aktuell nicht angeboten werden.

Fußpflege und Podologie im Corona-Lockdown - das sind die Unterschiede

Auch die Mitarbeiter der Praxis für Podologie von Kirsten Kolender behandeln seit Inkrafttreten der Corona-Verordnung und den damit geltenden Regeln und Verboten nur noch Patienten mit einem Rezept vom Arzt. „Wir gehen da lieber auf Nummer sicher, bevor uns was passiert“, sagt die Podologin. Die Unterscheidung zwischen Podologie und Fußpflege sei sehr schwammig. „Nur Podologen sind medizinische Fußpfleger. Fußpfleger sind nur für die Kosmetik der Füße zuständig“, sagt Kolender.

Kosmetische Fußpfleger, die heilend tätig sind, verstoßen gegen das Heilpraktiker-Gesetz. „Das Problem ist, dass das viele Fußpfleger gar nicht wissen. Sie lernen das nicht in den Schulen“, so Kolender. An den Schulen müsse die Unterscheidung zur Podologie deutlich gemacht werden und auch, welche juristischen Konsequenzen bei Nichteinhaltung drohen. Medizinischer Fußpfleger könne sich nahezu jeder nennen.

Podologen haben hingegen eine stattlich anerkannte dreijährige Ausbildung absolviert. Kolender: „Die kosmetische Fußpflege ist wichtig, die Grenzen dürfen dabei aber nicht überschritten werden.“

Fußpflege oder Podologie? Jeder darf sich Fußpfleger nennen

Ähnlich sieht es die Podologin Eickmann. Sie sei dankbar für die kosmetischen Fußpfleger, „denn sie nehmen uns eine Menge Arbeit ab, die wir gar nicht schaffen würden“. Die Mehrheit ihrer Patienten gingen auch zur Fußpflege, einen kosmetisch unbehandelten Fuß sehe sie mittlerweile selten.

Einen professionellen Fußpfleger zu erkennen, sei jedoch nicht so einfach, da sich fast jeder Fußpfleger nennen dürfe. „Kommt ein Fußpfleger für nur 20 Euro ins Haus, dann sollte man sich Gedanken machen“, sagt Eickmann. Hierbei sei anzunehmen, dass für die Arbeit keine Steuern gezahlt würden. Hausbesuche eines staatlich anerkannten Podologen kosten laut Eickmann in der Regel um die 60 Euro.

Den Tattoo-Studios wie auch Geschäfte der Kosmetikbranche gehörten aufgrund der notwendigen Nähe zwischen Kunden und Dienstleister zu den Läden, die in der Corona-Krise im Frühjahr 2020 mit als Letztes wieder öffnen durften. Jeder weitere Lockdown verschärft die wirtschaftliche Situation. Wir sprachen mit Manuel Hoppe und der Kosmetikerin Iana Raclaf über Ängste und Sorgen während der Corona-Zeit.

Rubriklistenbild: © Ronny Hartmann

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