Stadt schließt Treffpunkt in Hamm

Aus fürs Zuchthaus: Ziehen alle Neonazis jetzt nach Dortmund?

+
Die letzte Demo fand im August statt.

War’s das nun? Der Nazi-Treff am Kentroper Weg ist mit sofortiger Wirkung dicht. Aber wird der von der Stadtverwaltung verfügte Entzug der Nutzungserlaubnis im Zweifel auch vor Gericht Bestand haben? Oder kehrt die ohnehin zum größten Teil nach Dortmund abgewanderte rechte Szene Hamm nun ganz den Rücken?

Hamm – Bemerkenswert überschaubar waren die Reaktionen auf das Vorgehen der Stadtverwaltung am Kentroper Weg. Die Jusos und das antifaschistische Jugendbündnis „haekelclub“ begrüßten in Pressemitteilungen das Vorgehen der Behörden und insbesondere das Resultat, sprich die sofortige Schließung. Das war zu erwarten. Ansonsten schwieg der politische Raum – und auch von der sonst im Internet ziemlich agilen Kleinstpartei „Die Rechte“ gab’s keinen Kommentar zum vorerst letzten Akt im „Zuchthaus“.

Dass die Kontrolle von Bauordnungsamt und Feuerwehr erst jetzt, sieben Jahre nach Eröffnung und einer Reihe von mit Polizeihundertschaften begleiteten Demonstrationen, stattfand, könnte als Indiz für mangelnde Stichhaltigkeit der behördlichen Argumentation interpretiert werden. Die Stadtverwaltung betonte aber bereits am Dienstag, sich ihrer Sache äußerst sicher zu sein.

Lesen Sie auch:

Nazi-Zentrum am Kentroper Weg dicht gemacht

Rechte Gewalt in Hamm kaum noch aktenkundig

"Kein Raum für Nazis": Friedliche Demo in der City

"Ordnungsgelder, die weh tun"

Sollte gegen den Entzug der Nutzungserlaubnis verstoßen werden und dort weitere Veranstaltungen stattfinden, „werden wir dies mit Ordnungsgeldern sanktionieren. Und das wird in Größenordnungen gehen, die wehtun“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg zudem.

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann legte noch einmal nach: „Wir werden alles, was juristisch möglich ist, tun, damit die Rechtsextremisten in Hamm keine Heimat finden.“

Erinnerungen an das Jahr 2012

Ein wenig erinnert dass Geschehen jetzt an das Jahr 2012, als im August die Kameradschaft Hamm verboten und deren damaliges „Nationales Zentrum“ an der Werler Straße aufgelöst wurde. Vorgegangen wurde von den Rechten gegen die Verfügungen des Innenministeriums nicht. Dafür gründete sich wenige Wochen später die Minipartei „Die Rechte“, und auch der Standort Kentroper Weg wurde aufgetan.

Abgewandert nach Dorstfeld

Fast alle der damals zum harten Kern der Kameradschaft Zählenden sind inzwischen nach Dortmund abgewandert und wirken in Dorstfeld auf dem so genannten Nazi-Kiez. In Hamm sind nach Einschätzung des Staatsschutzes von Juli 2019 noch 15 bis 20 Personen der rechten Szene zuzuordnen. Die meisten, die im Zuchthaus anzutreffen waren, kamen also von außerhalb.

Laut linker Foren verfügt die Naziszene in NRW über zehn Immobilien, die für Veranstaltungen genutzt werden. Vielleicht sind es derer in Zukunft nur noch neun...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare