Für ein Foto in die Cannabis-Plantage

Hanf-Anbau im großen Stil lockt Schaulustige in den Hammer Süden

Johanna Rüter und Marlene Wulf mit Hanf-Anbau in Süddinker.
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Von einer Cannabis-Plantage kaum zu unterscheiden: Johanna Rüter (links) und die Auszubildende auf dem Hof Rüter, Marlene Wulf, zeigen den Hanf-Anbau auf dem Feld am Caldenhofer Weg in Süddinker.

Es wirkt wie eine große Cannabis-Plantage. Und im Grunde ist sie dies auch. Denn Landwirt Stefan Rüter aus Hamm hat in diesem Sommer auf insgesamt zehn Hektar Hanf angepflanzt. Wie bitte?!

Hamm - „Ja, das ist tatsächlich Hanf“, sagt Rüter. Aber: „Es nicht die Sorte Hanf, die als Rauschmittel genutzt wird“, erklärt er. Hierbei handelt es sich um Nutzhanf. Dessen Fasern werden nach der Ernte für die ökologische Herstellung von Kleidung genutzt. Rüter hat sich in diesem Jahr für diese etwas ungewöhnliche Variante bei der Aussaat einer Zwischenfrucht entschieden. Und dies werde ausdrücklich von der Landwirtschafts-Kammer unterstützt. Dass er damit für große Aufmerksamkeit insbesondere bei jüngeren Menschen sorgen würde, hätte er gar nicht so erwartet.

Die Nutzpflanze ist vom Hanf, das für Cannabis-Produktion angebaut wird, kaum zu unterscheiden. Und die Blüten, die nun langsam aufgehen, entwickeln durchaus auch einen ähnlichen Geruch, wenn auch nicht ganz so intensiv. Und so hat sich besonders die „Cannabis-Plantage“ am Südfeldweg in Rhynern zu einem kleinen Touristenziel entwickelt. Nachbarn beobachten immer wieder, dass Autos dort anhalten, die Personen aussteigen, um Fotos zu schießen oder einfach nur eine Pflanze zu pflücken und mitzunehmen.

Hanf-Anbau in Hamm: Guter Stoff für die Textilindustrie

Mit diesen Pflanzen können sie aber nicht besonders viel anfangen. Denn das Rauschmittel, auf das vielleicht der ein oder andere hofft, ist aus dieser Sorte „rausgezüchtet“ worden. Logisch eigentlich. Denn ansonsten dürfte Rüter das auch gar nicht anbauen. Ohnehin darf er das nur, weil er Landwirt ist. Und seine drei Hanffelder in Rhynern (Südfeldweg) und Süddinker (Caldenhofer Weg nahe seines Schweinestalls) werden von den entsprechenden Stellen genau kontrolliert. Alleine für die Aussaat benötigte er eine Genehmigung der „Bundesopiumstelle“. Und bei den Kontrollen werde genau überprüft, ob nicht versteckt andere Hanf-Sorten unter das Nutzhanf gemischt wurden.

Erfolgreiche Premiere: Marlene Wulf zeigt die gut ausgebildete Blüte einer Hanfpflanze.

Warum hat er diese doch hierzulande eher ungewöhnliche Pflanze als Zwischenfrucht ausgesucht? Und wer ist der Abnehmer? Letzterer hat Rüter überhaupt erst auf die Idee gemacht. Bei einer Belehrung auf Haus Düsse in Bad Sassendorf lernte er Heiko Beckhaus kennen. Der Landwirt älteren Semesters stellte dort sein Projekt vor. Mit dem 2011 gegründeten Unternehmen „Nettle Fibre Company“ will er Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen für die Textilindustrie sowie Heim- und Dekobereiche erstellen. Der Vorteil: Bei der Herstellung der Naturfasern werden keine Pestizide eingesetzt und nur sehr wenig Wasser verbraucht. Die weiteren Produkte wie Schäben (die kleinen holzigen Teilchen), Kurzfasern und sonstige Nebenprodukte können zu weiteren Produkten verarbeitet werden. Der Markttrend zu fairen, ökologischen Produkten erweckt einen Bedarf an feinen Hanffasern. Das Stroh wird mechanisch in einer sogenannten Multipurpose-Anlage aufbereitet.

Hanf-Anbau in Hamm: Bis zum Winter bleibt es so

Diese Anlage steht bei ihm in Mecklenburg-Vorpommern. Beliefert wird er von ausgesuchten Landwirten, darunter nun auch Stefan Rüter aus Süddinker. „Wenn es gut läuft, kommt von jedem der drei Felder jeweils eine Lkw-Ladung des Strohs zusammen“, erklärt Rüter, der dies zunächst nicht zwingend gewinnbringend sieht. „Wenn es plus/minus null ausgeht, ist es zunächst okay“, sagt Rüter, der mit seinem Hof in der Schweinemast, Ferkelaufzucht und im Ackerbau tätig ist. Die Ladung Hanfernte geht übrigens zur Weiterverarbeitung bis nach Mecklenburg-Vorpommern.

Der Hanf in Rhynern und Süddinker bleibt nun bis zum Winter stehen, bis die Pflanze abfriert und die Blätter abfallen. „Dann müssen wir hoffen, dass die Böden nicht zu nass sind, um auf die Felder zu kommen. Das ist ein kleiner Nachteil“, so Rüter.

Hanf-Anbau in Hamm: Gute klimatische Bedingungen

Ansonsten sei der Hanfanbau eigentlich wenig arbeitsintensiv und zudem gut für die Folgefrucht. Wichtig sei es, früh genug einzusäen. „Wir haben jetzt direkt nach der Gerste-Ernte gesät. Sät man später, ist die Gefahr größer, dass sich Unkraut zwischen dem Hanf entwickelt. Und damit wäre die Ernte kaum zu verarbeiten. Derzeit sehe es ganz gut aus, auch wenn mehr Regen nicht schlecht wäre, meint Rüter. Generell seien die klimatischen Bedingungen in Deutschland gut für den Hanfanbau.

Übrigens: Auch wenn etliche, vor allem junge Menschen besonders am Südfeldweg bereits ihr Foto erstellt haben, kann Rüter noch keine größeren Schäden an seinem Feld feststellen. Sehr wohl bleibt es natürlich verboten, das Feld zu betreten. Die Nachbarn am Südfeldweg weisen zudem darauf hin, dass das Anhalten und Parken auf der Straße in diesem Bereich nicht ungefährlich ist, da viele Autofahrer sich nicht an Tempo 50 halten und die Straße nicht besonders breit ist.

Nutzhanf

Seit mehr als 20 Jahren ist es in Deutschland erlaubt, Faserhanf anzubauen. Insgesamt stehen 52 von der EU zertifizierte Hanfsorten für den Nutzanbau zur Verfügung. Diese für die Faser- und Samennutzung angebauten Sorten besitzen im Gegensatz zu jenen, die als Rauschmittel und medizinisch genutzt werden, einen sehr hohen Faseranteil von 30 bis 40 Prozent. Sie enthalten auch nur einen sehr geringen Anteil von Tetrahydrocannabinol (weniger als 0,2 Prozent THC) und sind nicht zur Erzeugung von Haschisch und Marihuana geeignet.

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