Westfalen als Zentrum der Greifvogelverfolgung

Für Artenvielfalt: Marvin Fehn aus Hamm schützt europaweit Greifvögel

Getötet: Der Hammer Ornithologe Marvin Fehn mit einem vergifteten Mäusebussard in Heinsberg.
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Getötet: Der Hammer Ornithologe Marvin Fehn mit einem vergifteten Mäusebussard in Heinsberg.

Auch ihr scharfer Blick bewahrt sie nicht vor tödlichen Attacken – Greifvögel werden immer wieder getötet. Seit 2005 führt das Komitee gegen den Vogelmord eine Datenbank, in der solche Fälle erfasst werden. Dort arbeitet auch der 25-jährige Marvin Fehn aus Hamm. Er engagiert sich seit Jahren für die Natur und Vogelwelt.


Hamm – „Für Deutschland zählen wir seit 2005 insgesamt 1478 bestätigte Fälle der Greifvogelverfolgung mit 2015 betroffenen Vögeln. In NRW wurden seit 2005 genau 615 bestätigt“, sagt Marvin Fehn. Der 25-jährige Ornithologe hat sich früher im Hammer Naturschutzbund (Nabu) ehrenamtlich für Vögel engagiert. Inzwischen schützt er hauptberuflich Vögel.

In Hamm wurden seit 2005 vier Fälle von Greifvogelverfolgung registriert, im Kreis Warendorf 52. Alexander Heydt, Geschäftsführer des Komitees gegen den Vogelmord, sagt, Westfalen sei ein Zentrum der Greifvogelverfolgung. „Gerade das Münsterland und besonders der Kreis Warendorf sind Hotspots“, sagt Heydt. Er geht davon aus, dass die meisten Taten unentdeckt bleiben und höchstens zehn Prozent der Fälle entdeckt würden.

In Hamm gibt´s viele Greifvögel

Fehn hatte den ersten Kontakt zum international tätigen Komitee gegen den Vogelmord 2013. Gemeinsam mit einem Freund hatte er in Herringen eine Krähenfalle entdeckt und den Fall öffentlich gemacht. Als aktiver Ornithologe, also Vogelkundler, engagierte er sich erst ehrenamtlich für den Verband. Seit Januar ist er dort fest angestellt, als Referent für Natur- und Vogelschutz.

„Hamm ist für eine Großstadt sehr grün“, sagt Fehn. Nach Daten des Komitees gibt es auf Hammer Stadtgebiet eine große Vielfalt von Greifvögeln. So sind beim Verein fünf Brutpaare des Rotmilans im Hammer Stadtgebiet erfasst. Der Schwarzmilan ist mit drei Brutpaaren vertreten, fünf Wanderfalkenpärchen horsten auch in Hamm. Weitere Dauergäste sind Baumfalken, Rohrweihen, Mäusebussarde, Turmfalken und Sperber.

Greifvögel werden oft als Konkurrenz angesehen

Allerdings gebe es auch viele unentdeckte Vögel: Zum einen lassen sich scheue Räuber wie der Sperber nicht einfach aufspüren und zählen, zum anderen ist die Region Durchzugsgebiet für einzelne Greifvögel.

Fehn geht davon aus, dass die Vögel auch in Hamm und Umgebung immer wieder getötet werden. Einige Geflügelhalter und Jäger empfinden die Vögel als Konkurrenz. Bekannt werden Fälle nur selten. Seit 2005 sind in Hamm lediglich vier Fälle belegt, die als Straftaten eingestuft werden – als Wilderei. Der bisher letzte in der Stadt dokumentierte Fall stammt aus dem Jahr 2019: Da war im Hammer Osten ein Rotmilan einem Giftköder zum Opfer gefallen. Der jüngste Einsatz von Fehn in der Region war im März in Lippstadt – dort war ein Mäusebussard in eine Falle geraten.

Hammer Ornithologe setzt sich für Arterhalt ein

Ein Problem sei, dass Greifvögel unsichtbar für die Öffentlichkeit getötet oder gefangen werden können, sagt Fehn. Wenn etwa in einem sichtgeschützten, privaten Garten eine Raubvogelfalle stehe, sei sie kaum zu bemerken. In der Datenbank werden nur Straftaten gegen die Tiere erfasst. Überfahrene Raubvögel kommen nicht in die Statistik des Komitees.

Zum Naturschutz fand Fehn gemeinsam mit zwei Freunden aus Bockum-Hövel. Sie engagierten sich beim Nabu, vor allem der jetzige Vorsitzende Jürgen Hundorf habe sie an das Thema herangeführt. Nach dem Abitur am Gymnasium Hammonense studierte Fehn schließlich Naturschutz und Landschaftsökologie in Osnabrück und Bonn. Für seine Bachelorarbeit über Kiebitze in den Lippeauen im Kreis Soest wurde er vom NRW-Dachverband der Ornithologen 2020 mit einem Preis geehrt.

Mit Hundorf ist Fehn weiterhin in der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Kreis Unna aktiv. Auf deren Internet-Blog haben beide gemeinsam Vogelvorkommen in der Region beobachtet und dokumentiert – sie zeigt, dass es inzwischen viele Greifvögel in Hamm und Umgebung gibt.

Auch der Hammer Hendrik Lutter setzt sich für das Tierwohl ein. Er ist aktives Mitglied im bundesweiten Verein „Rettet das Huhn“. Der Hammer vermittelt zu Tode geweihten Hühnern eine Heimat für ihre restliche Lebenszeit.

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