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Freiwillig im teuersten Tarif: Viele Hammer lassen bei Strom und Gas viel Geld liegen

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Von: Jörn Funke

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Wer in Hamm Strom und Gas von den Stadtwerken bezieht, zahlt dafür häufig mehr als notwendig – und zwar freiwillig. Ein Großteil der Kunden verharrt in der teuren Grundversorgung. Bundesweit sind es deutlich weniger. Die Stadtwerke ermutigen Kunden sogar, in preisgünstigere Tarife zu wechseln – bisher mit mäßigem Erfolg.

Hamm – Die Grundversorgung ist die teuerste Art, Energie zu beziehen. Trotzdem ist sie in Hamm die beliebteste. Die Stadtwerke sind mit Abstand der größte Versorger vor Ort. Beim Strom habe das Unternehmen etwa 60 Prozent der Kunden in der Grundversorgung, sagt Sprecherin Cornelia Helm. Beim Gas seien es noch mehr.

Bundesweit gelten andere Zahlen: Die Bundesnetzagentur nennt für 2019 beim Gas nur 17 Prozent der Haushalte in der Grundversorgung, beim Strom sind es 26 Prozent. Die meisten Kunden haben einen Sondertarif beim Grundversorger (49 Prozent beim Gas, 40 Prozent beim Strom) oder einen anderen Anbieter gewählt (34 Prozent).

Stadtwerke: Hammer sind konservativ im Umgang mit Energie

Die Verbraucherzentralen raten seit Jahren, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls Tarif oder Anbieter zu wechseln. Die Grundversorgung sei nur attraktiv, wenn man über einen Anbieterwechsel nachdenke, sagt Angret Westermann von der Hammer Filiale. Und zwar wegen der zweimonatigen Kündigungsfrist. Wer einen Sondertarif wählt, bindet sich für mindestens ein Jahr.

Doch die meisten Grundversorgungskunden sind keine Wechsel-Kandidaten. Sie sind eher ungewöhnlich treu. Stadtwerke-Sprecherin Helm spricht von einem „konservativen Umgang mit Energie“. Viele Kunden hätten es immer beim einmal geschlossenen Vertrag belassen. Das Sparpotenzial bei einem Tarifwechsel sei in vielen Fällen wohl kein Anstoß gewesen, sich Rechnungen und Verträge nochmal anzuschauen.

Kaum Anreize für Hartz-IV-Empfänger, um zu wechseln

Dazu kommen Verbrauchergruppen, die vom Sparpotenzial gar nicht profitieren können. Für Hartz-IV-Empfänger beispielsweise gibt es kaum Anreize, auf einen günstigen Tarif umzustellen. Beim Kommunalen Job-Center (KJC) gelten zwar Obergrenzen für Gas- und Stromrechnungen.

Doch ob die Kunden dabei jeweils den günstigsten Tarif wählen, könne man nicht überprüfen, sagte ein Sprecher. Mit Blick auf die anstehende Tariferhöhung der Stadtwerke wolle man aber alle Kunden anschreiben und dabei auch auf das Sparpotenzial aufmerksam machen.

Wahltarif deutlich günstiger als die Grundversorgung

Auch die Stadtwerke werben schon lange für den Wechsel. Das Unternehmen könne mit den Wahltarifen wegen der längeren Vertraglaufzeiten besser kalkulieren, sagt Helm. Und einen Grund zum Tarifwechsel für die Kunden sieht sie durch die steigenden Energiepreise allemal.

Für einen Musterhaushalt in der Grundversorgung hat das Unternehmen zum 1. Oktober ein Plus von 516 Euro errechnet. Im Fashion-Tarif sind es nur 180 Euro. Der Preisanstieg lässt sich so nicht vermeiden, aber dämpfen – um immerhin 336 Euro.

Service-Center der Stadtwerke seit Wochen ausgelastet

Ob sich das Verhalten der Hammer Kunden ob des neuen Preisniveaus geändert hat, kann die Sprecherin noch nicht sagen. Aber immerhin ist das Service-Center so gut ausgelastet, dass man seit Wochen telefonisch nur schwer durchkommt. Helm rät deshalb, einen Tarifwechsel online auf der Homepage vorzunehmen.

Der Wechsel in einen Wahltarif sei jederzeit möglich. Das gelte auch für Kunden von insolventen Energieversorgern, die in die Notversorgung der Stadtwerke gefallen sind.

Was ist die Grundversorgung?

Der Anbieter mit den meisten Kunden vor Ort sichert die Grundversorgung mit Gas und Strom. In den meisten Städten sind das – wie in Hamm – die örtlichen Stadtwerke. Die Grundversorgung ist dabei ein Basistarif, der allen Kunden offensteht. Zusätzlich bieten die Versorger auch Sonder- oder Wahltarife an; bei den Stadtwerken sind das die Fashion-Tarife. Hier können Kunden ein für sie günstigeres Tarifmodell wählen. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Kunden von insolventen Energieversorgern fallen automatisch in eine Ersatzversorgung. Die entspricht der Grundversorgung und wird in Hamm durch die Stadtwerke geleistet.

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