Diskussion um geschlechtergerechte Sprache

Frauenministerin gegen Gender-*** - Wie hält es die Hammer Verwaltung?

An einem Whiteboard steht das Wort „Lehrer“
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Schwierige Suche nach der richtigen Nennung von Geschlechtern: Wie fühlen sich alle gemeint?

Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht empfiehlt der Bundesverwaltung, auf das Gendersternchen zu verzichten. Die Empfehlung wird heiß diskutiert - wie spricht die Hammer Stadtverwaltung die Bevölkerung an?

Hamm – Von Bürger*innen wird in Schreiben der Stadtverwaltung Hamm auf absehbare Zeit nicht die Rede sein. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung in dieser Woche berichtete, hat Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht (SPD) ein Schreiben zur geschlechtergerechten Sprache an die Bundesverwaltung gerichtet: In der offiziellen Kommunikation solle man auf Sonderzeichen als Wortbestandteile verzichten. Gendersternchen (in der Fachsprache Asterisk), Unterstrich und Co. würden in offiziellen Briefen nicht auftauchen.

Auf die Hammer Stadtverwaltung wird die Empfehlung kaum Auswirkungen haben. Asterisk und Unterstrich benutzen die Mitarbeiter im Rathaus nicht. „Wir verwenden aufgrund der besseren Lesbarkeit (und aufgrund einer barrierefreien Lesbarkeit für sehbehinderte Menschen) kein Gendersternchen, sondern entweder sowohl die männliche und die weibliche Form oder eine neutrale Form“, erklärt Stadtsprecher Tom Herberg.

Gendergerechte Sprache? Verwaltung nutzte lange das generische Maskulinum

Dass die weibliche Form in vielen offiziellen Schreiben mit genannt wird, ist in Hamm vergleichsweise neu. Bis vor wenigen Jahren verwendete die Stadtverwaltung ausschließlich das generische Maskulinum: Die männliche Form meint dabei Frauen und Personen anderen Geschlechts mit. Grammatisch ist das richtig – psycholinguistische Studien haben allerdings gezeigt, dass das generische Maskulinum Bilder von Männern im Kopf erzeugt. Daraus wurde vielfach der Schluss gezogen wurde, eine geschlechtergerechte Sprache trage zur Gleichberechtigung bei.

Einen festen Stichtag zum Abschied vom generischen Maskulinum gab es im Hammer Rathaus nicht. „Bei uns war es eher ein fließender Übergang, der überwiegend im vergangenen Jahr angestoßen wurde“, erklärt Herberg. Wer Sonderzeichen nutzt, geht einen Schritt weiter: Durch sie sollen sich explizit auch Menschen gemeint fühlen, die als Geschlecht beispielsweise „divers“ nennen. In Hamm – so berichtete es die Verwaltung im Dezember – hat bisher noch niemand die Möglichkeit genutzt, sein Geschlecht in „divers“ ändern zu lassen.

Lambrecht führt als Argument für den Verzicht auf die Sonderzeichen vor allem die Lesbarkeit an. Sie verweist auf die Auffassung des Deutschen Rechtschreibrates, wonach die Verwendung der Sonderzeichen „derzeit“ rechtswidrig und nicht sichergestellt sei, dass solche Schreibweisen „allgemein verständlich“ seien. Der Deutsche Rechtschreibrat hatte Sonderzeichen für die geschlechtergerechte Sprache im Juni 2021 nicht empfohlen.

Mit Material von kna.

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