Prozessauftakt zeigt tiefe Abgründe auf

Frau tötet Ehemann mit Messerhieb: "Ich habe ihn geliebt!"

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Die Angeklagte (links) mit ihrer Anwältin Sandra Günther im Gerichtssaal.

Mit einem Geständnis hat vor dem Dortmunder Schwurgericht der Prozess gegen eine Frau begonnen, die am Ostersonntag in Hamm ihren Ehemann durch einen wuchtigen Stich in die Herzgegend getötet hatte.

Hamm/Dortmund - Unter bitterlichem Weinen erklärte die 64-jährige Angeklagte zu Prozessbeginn: "Ich wollte ihn nicht töten. Ich habe ihn geliebt!" Über ihre Dolmetscherin versuchte die aus Usbekistan stammende Spätaussiedlerin, den Prozessbeteiligten das Verhältnis zu ihrem langjährigen Ehemann und die Vorgeschichte der ihr selbst unerklärlichen Bluttat zu erklären. "

Er war eifersüchtig, hat mich immer wieder übelst beschimpft, mich geschubst und geschlagen", beschrieb die Rentnerin das Verhalten ihres Mannes, den sie vor 44 Jahren in Usbekistan geheiratet und mit dem sie vor 30 Jahren nach Hamm ausgesiedelt war.

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Immer wieder heftige Streitigkeiten

Auf behutsame Rückfragen des Gerichts räumte die zweifache Mutter ein, dass der Alkohol in der Ehe eine große Rolle gespielt habe. Beide hätten regelmäßig viel Wodka und Wein getrunken und im Rausch habe es immer wieder heftige und auch gewaltsame Streitigkeiten gegeben. Auch am Tattag wurde getrunken und geschimpft.

"Ich wollte ihn mit dem Küchenmesser nur erschrecken und vielleicht leicht verletzten. Mehr auf keinen Fall", versuchte sich die sichtlich verzweifelte Frau an den entscheidenden Moment in der Küche der gemeinsamen Wohnung zu erinnern.

Wie der wuchtig geführte Stich tief in den Körper eindringen und das Herz tödlich verletzen konnte, kann sie sich selbst offenbar nicht erklären. "Ich vermute, dass mein Vater sich aufgebäumt hat und so quasi in das Messer eingedrungen ist", vermutete der 34-jährige älteste Sohn.

Beeindruckende Worte des Sohns

Der Sohn schilderte mit beeindruckenden Worten eine Kindheit und Jugend, die von dem massiven Alkoholkonsum seiner Eltern geprägt gewesen sei. Schlägereien mit Verletzungen sowie alkoholbedingte Brandschäden in der Wohnung seien an der Tagesordnung gewesen, hätten seinen Bruder schon mit 16 Jahren aus dem Haus getrieben. Er selber habe sich regelmäßig um seine Eltern gekümmert, habe sie aber nie überreden können, eine Therapie zu machen.

Am Tattag hatte seine Mutter ihn telefonisch alarmiert. Bei seinem Eintreffen fand er seinen Vater tot auf dem Boden liegend vor, seine betrunkene Mutter stand unter Schock. "Aber ich halte weiter zu ihr. Es war alles gut mit den Beiden, wenn sie nüchtern waren."

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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