Neurowissenschaftlerin aus Hamm forscht zu Emotionen

Nadine Gogolla aus Hamm: Vom Galli ans Max-Planck-Institut

Nadine Gogolla erforscht am Max-Planck-Institut das Gehirn.
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Nadine Gogolla erforscht am Max-Planck-Institut das Gehirn.

Mäuse zeigen in ihren Gesichtsausdrücken eindeutige Emotionen – eine Studie mit diesem Ergebnis wurde kürzlich bekannt. Durchgeführt haben die Studie Mitarbeiter von Dr. Nadine Gogolla am Max-Planck-Institut für Neurowissenschaften. Die Leiterin der Forschungsgruppe ist in Hamm aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Hamm – Am Galilei-Gymnasium, an dem sie 1997 ihr Abitur machte, weckte ihre Biologielehrerin Ute Schultze ihre Leidenschaft für die Naturwissenschaft. „Ich hatte eine wahnsinnig engagierte Bio-Lehrerin“, erzählt Gogolla. „Ich erinnere mich noch, dass wir an die Uni Münster zu einem Vortrag einer späteren Nobelpreisträgerin gefahren sind.“ Unter anderem mit Aktionen wie dieser habe Schultze es geschafft, die Faszination ihrer Schüler für das Fach zu wecken.

Neben der Schule machte Gogolla gerne Sport: „Laufen, Schwimmen, Radfahren, das ist mein Ding.“ Auch heute ist sie noch begeisterte Triathletin, angefangen hat sie damit beim TuWa in Bockum-Hövel. „Mein Bruder und ich haben beide dort trainiert“, erinnert sie sich.

Studium der Humanbiologie

Nach dem Abitur zog es Gogolla weg aus Hamm. Zunächst studierte sie Humanbiologie in Marburg. Es folgte ein Studium in Paris, mit Auszeichnung promovierte sie später an der Universität Basel. Danach arbeitete sie fünf Jahre lang in einem Labor der Harvard University.

Grundlagenforschung, um Menschen zu helfen

„Nach dem Abi habe ich mich vor allem für Biologie interessiert“, erzählt sie. „Ich wollte das Leben verstehen, hatte aber auch einen Hang zur Medizin, weil ich Leuten helfen wollte.“ Es stellte sich aber heraus, dass das Leid in der Medizin nicht ihr Ding war. „Deshalb wollte ich dann durch Grundlagenforschung helfen.“ Ein Praktikum in der Psychiatrie bestärkte sie in der Wahl der Neurowissenschaften.

Nadine Gogolla begeisterte sich schon am Galli für Naturwissenschaften.

„Die anderen Fachrichtungen der Medizin sind sehr maschinell – wie die Leber funktioniert, das wissen wir sehr genau, das ist einfach Physik“, erklärt Gogolla. Das Gehirn dagegen werde immer noch nicht verstanden. „Das fand ich am spannendsten.“ Besonders angetan haben es ihr Emotionen und Bewusstsein. „Das sind die Gehirnvorgänge, die wir am wenigsten verstehen.“

Arbeit am Max-Planck-Institut

Seit 2014 ist sie Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Neurowissenschaften in München und beschäftigt sich genau damit. „Allerdings stehe ich als Leiterin nicht mehr selbst im Labor“, erklärt sie. Stattdessen analysiert sie Daten und bespricht sie mit ihren Studierenden, schreibt Gutachten, führt Gespräche mit ihren Mitarbeitern oder lehrt.

Die Gesichtsausdrücke von Mäusen zu untersuchen, sei zunächst gar nicht geplant gewesen. Ein Doktorand sei darüber gestolpert und habe dann drei Jahre lang an der Studie gearbeitet. Für neurowissenschaftliche Verhältnisse sei das „extrem schnell“, erklärt Gogolla.

Forschen, um den Menschen zu verstehen

Mit den Erkenntnissen aus der Studie können die Wissenschaftler nun weiter untersuchen, wie Emotionen im Gehirn entstehen und verarbeitet werden. Das soll dabei helfen, Störungen bei der Verarbeitung von Emotionen – etwa bei einer Angststörung oder Depression – besser zu erforschen.

Aufgrund des Coronavirus‘ arbeitet Gogolla zur Zeit nicht im Institut, sondern im Homeoffice. Vollzeit ist das aber nicht möglich – sie hat zwei kleine Kinder, die beschäftigt werden wollen. An Hamm erinnert sie sich gerne zurück: „Ich bin in Bockum-Hövel aufgewachsen, am Rand zum Münsterland, das hat mir sehr gut gefallen.“ Heute kann sie sich nicht mehr so leicht aussuchen, wo sie leben möchte: „Das ist schwierig in der Wissenschaft, man muss dahin, wo die Arbeit und das Institut sind.“

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