Tradition wird fortgesetzt

Bei Reifen Trabant ist wieder Betrieb - als „Franks Reifenhandel“

Frank Iber vor der Reifen-Trabant-Halle am Westberger Weg
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Handelt mit Reifen: Frank Iber hat in der Halle von Reifen Trabant am Westberger Weg sein Geschäft eröffnet.

Wer dieser Tage über den Westberger Weg fährt, wird sich wundern, dass bei Reifen Trabant auf einmal wieder Betrieb auf dem Hof ist. Moment, Reifen Trabant? Haben die nicht vor zwei Jahren geschlossen? Einmal auf den Hof gefahren, wundert man sich erneut. Begrüßt wird man von Frank. Der gehört seit 1983 quasi zum Inventar, ist ein bekanntes Gesicht.

Hamm-Norden – Frank Iber hat kürzlich in der alten Trabant-Halle sein eigenes Geschäft – natürlich mit Reifen – eröffnet. „Wer meinen Namen – Frank Iber – hört, kann damit meistens nichts anfangen“, lacht der 53-Jährige. Er sei auch mal mit Frank Trabant angesprochen worden oder eben einfach mit Frank. Selbst im Schützenverein Nordenfeldmark 1839, in dem er schon lange Mitglied ist, nennt man ihn aus Spaß „Gummi-Ente“, erzählt er.

Lange genug im Reifengeschäft ist Frank Iber allemal. 1983 hat er seine Lehre bei Reifen Trabant gemacht, damals noch unter Seniorchef Adolf Trabant. Später hat er sich weitergebildet, ist anerkannter Vulkaniseurmeister. Als 2019 Rudi Trabant das Geschäft aufgab, war auch für Frank Iber zunächst Schluss. Er war ohnehin durch eine Krankheit fast zwei Jahre außer Gefecht gesetzt, wie er erzählt. Als er wieder gesund war, die Ernüchterung: „Mit 53 noch einen Job zu bekommen, ist schwer“, sagt er. Dann kam aber die Idee für den Sprung in die Selbstständigkeit.

Als Meister hatte er zumindest eine der wichtigsten Voraussetzung für den eigenen Betrieb. Die Trabant-Halle ist nach wie vor fast komplett ausgestattet. Eine neue Maschine und ein moderner Wagenheber mussten aber sein. Und die alten Stahlregale für die Reifenlagerung werden wohl nach und nach verschwinden. „Die sind noch für die gängigen Reifen von früher – 13, 14 und 15 Zoll – gebaut. „Die neuen 17, 18 oder noch mehr Zoll-Reifen passen da einfach nicht mehr rein“, erzählt Iber. Zudem sei eine große Lagerhaltung heutzutage ohnehin nicht mehr nötig. „Heute bestellt, morgen geliefert – es wird nur noch nach Bedarf eingekauft“, erklärt der Reifenfachmann.

„Mit der Internet-Konkurrenz muss man leben“

Im Laufe der Jahre habe sich einiges mehr verändert. Während man vor 20 Jahren auch bei Trabant zum Beispiel noch Treckerreifen wechseln konnte, ist das bei den modernen, fast schon monströsen Treckern in der Werkstatt am Westberger Weg nicht mehr möglich. „Das machen heute die speziellen Landmaschinenhändler. Da braucht man Maschinen, die sechsstellige Summen kosten“, weiß Iber. Er nimmt aber alle gebräuchlichen Räder und Reifen an. „Vom Schubkarrenrad bis Bus geht alles“, sagt er.

Natürlich bestehe vor allem durch das Internet eine große Konkurrenz. „Auch wenn die Preise dort oft nur geringfügig niedriger sind als im örtlichen Handel“, weiß Iber. Er habe damit aber kein Problem, damit müsse man leben. Wenn Kunden ihre Reifen im Internet kaufen, sie dann aber beim ihm auf die Felgen ziehen ließen, sei das für ihn selbstverständlich. „Jeder kann gern zu mir kommen“, sagt er.

Waren bei Reifen-Trabant früher in den besten Zeiten vier Leute an der Arbeit, arbeitet Frank Iber zurzeit noch allein. Ein weiterer Mitarbeiter kommt aber definitiv noch dazu, sagt er: „Ganz allein ist das alles nicht zu schaffen.“

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