Überraschung am Tag nach dem Mega-Einsatz

Nach Großbrand in Hövel: Polizei hält Brandstiftung für möglich

+
Der Einsatz an der Pieperstraße war für die Hammer Feuerwehrkräfte extrem anstrengend.

[Update 16.45 Uhr] Am Tag nach dem verhängnisvollen Großfeuer in Bockum-Hövel ermittelt die Hammer Polizei wegen Brandstiftung. Offen ist allerdings weiterhin, was da überhaupt brannte.

Hamm - Nach dem Großbrand in einer Halle der Stahlbaufirma Göke in Hövel am Montagnachmittag ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. Die Brandermittler der Hammer Polizei und zwei Brandsachverständige hätten bei der Untersuchung der Brandstelle am Dienstag festgestellt, dass ein technischer Defekt als Ursache auszuschließen sei, heißt es in einer Mitteilung. Was wiederum offenbar die oben geäußerte Theorie rechtfertigt. Trotz Einsturzgefahr des Brandorts hätten die Experten in Begleitung von Statikern und eines Brandmittelspürhunds vor Ort "alles untersuchen" können, erklärte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage. Dort, wo das Feuer ausbrach, sei keinerlei technisches Gerät gewesen.

Geschäftsführer Matthias Göke mag die Brandstiftungstheorie nicht teilen. Fakt sei lediglich, dass nichts gefunden wurde, was das Feuer ausgelöst haben könnte, sagte er auch Nachfrage von WA.de. Göke vermutet, dass die Ermittlungen eingestellt werden, "weil nichts und niemand ermittelt" werden könne. Die Brandstelle sei freigegeben, am Mittwoch werde ein Sachverständigender der Versicherung erwartet.

Was im Magazin tatsächlich brannte, ist nicht bekannt. Der kilometerweit sichtbare tiefdunkle Rauchpilz sei indes sehr sicher vom Styropor auf dem Gebäudedach verursacht worden, erklärt Göke.

Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf rund 700.000 Euro.

Großbrand in Hövel: Bis zu 140 Einsatzkräfte

Bis zu 140 Feuerwehrleute aus dem ganzen Stadtgebiet hatten vom frühen Montagnachmittag bis in den Abend hinein das Feuer im Vorratslager - dem Magazin - der Firma an der Pieperstraße bekämpft; Absperrmaßnahmen auch auf der Römerstraße brachten zudem Verkehrsprobleme bis weit in den Bezirk hinein. Die vielen Einsatzkräfte waren nicht nur wegen des Feuers selbst vor Ort, sondern auch um sich angesichts hohen Temperaturen gegenseitig zu schützen und abzuwechseln. Rund vier Stunden dauerte der eigentliche, kräftezehrende Einsatz, noch bis in die Nacht hinein wurden Sicherungsarbeiten ausgeführt, eine Brandwache blieb vor Ort.

Zum Glück wurde durch das Feuer niemand nennenswert verletzt. 20 Mitarbeiter der betroffenen Stahlbaufirma Göke hatten sich nach dem Erkennen des Feuers gegen 14.50 Uhr rechtzeitig ins Freie begeben können. Ein Feuerwehrmann kam allerdings mit Überlastungserscheinungen zur Sicherheit in ein Krankenhaus.

Der Brandort am Dienstagvormittag. Die betroffene Halle selbst gilt als einsturzgefährdet.

Großbrand in Hövel: Chef stellt sich vor Mitarbeiter

Matthias Göke, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, zollte der Feuerwehr im Gespräch mit WA.de ein dickes Lob. Weil sie so schnell vor Ort war und so effektiv gearbeitet habe, sei ein Übergreifen auf weitere Firmenbereiche zum Glück vermieden worden. Vom Brand verwüstet sei tatsächlich allein das Magazin, andere Örtlichkeiten seien allenfalls stark verraucht worden. Der Schaden sei also "lokal begrenzt".

Göke hatte nach Rücksprache mit seinen Mitarbeitern am Dienstagvormittag versichert, dass im Magazin niemand geraucht habe, geschweige denn fahrlässig oder vorsätzlich mit offenem Feuer umgegangen sei. Gelagert werde dort zwischen Kleinteilen und Gasflaschen so ziemlich alles, was für die Produktion gebraucht werde.

Großbrand in Bockum-Hövel - Feuerwehr stundenlang im Einsatz

Der Brandbereich ist nun ohne Strom und gilt als einsturzgefährdet. Die Arbeit in den anderen Unternehmensbereichen soll laut Göke möglichst zeitnah wieder aufgenommen werden. Weil allerdings erst einmal Reinigungs- und Aufräumarbeiten anstehen, wird das voraussichtlich erst im Lauf der kommenden Woche sein.

Großbrand in Hövel: Fast alle Hammer Einheiten im Einsatz

Die Feuerwehr griff auf Kräfte fast aller Einsatzbereiche der Stadt zurück. Neben der Berufsfeuerwehr waren das auch Freiwillige aus Hövel, Bockum, Norden, Heessen, Mark, Westtünnen und Wiescherhöfen/Weetfeld, dazu der Informations- und Kommunikationszug der Feuerwehr Hamm und die Drohneneinheit der Feuerwehr Werl. Zwar verfügt auch die Hammer Feuerwehr seit November 2019 über mehrere Drohnen; die Einheit befindet sich aber noch im Aufbau und in der Ausbildung. Auch der Polizeihubschrauber "Hummel" stand lange in der Luft.

Erst am Vorabend war die Feuerwehr stark gefordert gewesen. Mehr als 100 Einsätze wurden wegen einer Unwettersituation absolviert.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare