Mit dem Förster im Wald: Forstinspektor Patrick Busse ist seit Mai im Amt

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Der 24-jährige Forstinspektor Patrick Busse ist seit Mitte Mai der neue Förster auch für das Hammer Stadtgebiet. Hinzu kommt Bergkamen, insgesamt ist er für rund 1 800 Quadratmeter zuständig.

Hamm - Die Stadt hat endlich wieder einen Förster: Seit Mitte Mai kümmert sich Patrick Busse um die Hammer Wälder. Mit dem Westfälischen Anzeiger ist er durchs Pilsholz gewandert, das nach dem Sturmtief Friederike monatelang gesperrt war, so groß waren die Schäden.

In dem Wald ist viel zu tun, sagt der Forstinspektor. Auf dem Parkplatz am Pilsholz tauscht Patrick Busse erst einmal die sportlichen braunen Halbschuhe gegen ein Paar robuste Wanderstiefel. Er streift die Weste mit dem Wappen des Landesbetriebes Wald und Holz über sein beiges Kurzarmhemd, schnappt sich eine Dose Markierungsspray, die im Kofferraum bereitliegt, seinen Sicherheitshelm, einige Werkzeuge.

Los geht’s in den Wald. Dort hat der neue Förster im Forstbetriebsbezirk Hamm eine Menge zu tun. Der Zwei-Meter-Mann stiefelt mit großen Schritten über den Schotterweg ins Pilsholz. Nach wenigen Metern bleibt er stehen und blickt in die Krone einer mächtigen Eiche. „Totholz“, sagt er und zeigt auf einen dunkel verfärbten Ast, der in luftiger Höhe über dem Weg schwebt. „Der muss raus.“

Nach und nach verschafft Patrick Busse sich in den ersten Wochen seit seinem Dienstantritt Mitte Mai einen Überblick über den Zustand der Wälder in seinem Revier, es umfasst 1.800 Hektar im Hammer und Bergkamener Stadtgebiet. Als Dienstleister kümmert der Förster sich um private und kommunale Baumbestände – und die haben allesamt zu Beginn des Jahres durch Orkan Friederike eine Menge Schäden abbekommen. Entwurzelte Bäume und abgebrochene Äste prägten über Monate hinweg das Bild. Patrick Busses Reviernachbarn haben in den vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass die Wege freigeräumt wurden. Erst seit Mitte April dürfen Bürger die Hammer Waldgebiete wieder betreten.

Nach dem Sturm Friederike geht es immer noch ums Aufräumen in den Wäldern.

Derzeit prasseln viele Eindrücke auf den 24-jährigen Forstinspektor ein. Er spricht mit Waldbesitzern, tauscht sich mit den Kollegen in der Umgebung aus. Das Sturmholz von Orkan Friederike muss nach und nach aus den Wäldern geräumt werden, sagt der gebürtige Ostwestfale – auch und gerade im Pilsholz. Mit ausgestrecktem Arm deutet Patrick Busse auf ein paar Baumstämme, die unweit des Weges liegen. Sie sehen aus, als habe ein Riese Mikado gespielt und vergessen, die Holzstäbe anschließend wieder ordentlich einzusortieren.

Der Förster will nun System in das vermeintliche Chaos bringen. Er hängt ein Maßband ans untere Ende einer gefällten Eiche und zieht es über die Länge des Stammes. „Sieben Meter neunzig“, vermerkt er und setzt dann die Kluppe, einen metallenen Messschieber, exakt auf der Hälfte bei 3,95 Meter an, um den Durchmesser des Holzes zu bestimmen. So bestimmt der Förster die Güteklassen der gefällten Bäume, erstellt eine Holzliste und setzt sich mit einem Fuhrmann in Verbindung, um den Abtransport zu regeln. Er hat gerade erst begonnen, die umgestürzten und gefällten Bäume zu vermessen, und wird damit noch Wochen beschäftigt sein.

Letzte Erhebung vor sechs Jahren

„Die Beseitigung der Sturmschäden wurde zusätzlich zur Durchforstung genutzt. Schlechte und kranke Bäume wurden entfernt, um anderen Bäumen mehr Raum für Wurzeln und Kronen zu schaffen“, sagt der Förster. Er zeigt auf einige kleine Buchen, die ihre zarten Äste der Sonne entgegen recken. Bäume im Wald werden nach festgelegten Plänen gefällt. Alle zehn Jahre gibt es eine Forsteinrichtung. Bei dieser Waldinventur erfassen Fachleute aus Planungsbüros den Waldzustand. Auf Karten erkennt Patrick Busse den Standort, die Art und das Alter jedes Baumes anhand farbiger Markierungen.

In Hamm fand die letzte Erhebung 2012 statt. Aus den Daten wird errechnet, wie viel Holz auf der Fläche steht und wie viel Zuwachs es geben wird. „Wir nutzen nicht mehr, als nachwächst. Außerdem werden Erholungs- und Naturschutzflächen und schützenswerte Arten ausgewiesen“, erklärt Patrick Busse. Bis das Holz aus den Hammer Wäldern geräumt ist, werden noch ein paar Monate ins Land gehen. Der Abtransport im Pilsholz könne sich bis August hinziehen, prognostiziert der Fachmann.

„Der Wald hat einen großen Erholungswert“

Denn: Durch Sturm Friederike sind die Sägewerke stark ausgelastet. Auf dem Rückweg zum Parkplatz blickt Patrick Busse nicht nur auf Bäume. Aufmerksam beobachtet er, wo er Leuten begegnet und wie sie das Pilsholz nutzen. „Der Wald hat einen großen Erholungswert“, sagt er. Zu den Aufgaben des Försters zählt es auch, die Bedürfnisse von Joggern, Radfahrern, Nordic Walkern und Spaziergängern zu berücksichtigen.

Immer wieder wird er gefragt, wieso es denn nötig sei, überhaupt Bäume zu fällen. Er nimmt sich gerne die Zeit, um zu erklären, dass das Wirtschaften im Wald eigentlich gar keine schlimme Sache ist. „Wir alle brauchen Holz“, erläutert er. „Holz ist ein natürlicher Rohstoff, der immer wieder nachwächst. Schon vor 300 Jahren hat die Forstwirtschaft die Nachhaltigkeit erfunden.“

Infos: Patrick Busse, Mobil: 01 71/5 87 24 82, www.wald-und-holz.nrw.de

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