Flugplatz Hamm

Anwohner-Belästigung aus der Luft? Klagen über Lärm am Flugplatz

Mitten in der Stadt: Der Flugbetrieb am Hammer Flugplatz stört manch einen Anwohner.
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Mitten in der Stadt: Der Flugbetrieb am Hammer Flugplatz stört manch einen Anwohner.

Der Luftsportclub Hamm hat zuletzt mit mehreren Maßnahmen – zum Beispiel einer Ausweitung der Verbote von Platzrunden und der Sanierung der Start- und Landebahn – auf Bürgerbeschwerden über Lärmbelästigungen durch den Flugbetrieb reagiert. Dennoch beklagen sich Anwohner weiterhin.

Hamm – Zum Beispiel über Piloten, die angeblich den Platz nicht in den empfohlenen Korridoren oder zu tief anfliegen. „Die können machen, was sie wollen. Das geht alles direkt über die Häuser weg“, klagt ein Bewohner des Bänklerweges auf der Westseite des Flugplatzes.

Lenker von Maschinen, die Hamm aus Richtung Norden anfliegen, steuern seiner Meinung nach den Platz in einem viel zu engen Radius über die Wohnbebauung und die beiden Kleingartenanlagen an. „Die Häuser dienen den Piloten als Landmarken und zur Orientierung“, sagt der Mann.

Bezirksregierung auf der Lauer

„Stimmt so nicht“, sagt Patrick Lademann, Geschäftsführer des Luftsportclubs Hamm, und: „Wir tun, was wir können. 98 Prozent der Piloten fliegen so, wie sie sollen, um den Rest kümmern wir uns oder die Bezirksregierung in Münster.“

Und die kontrolliert regelmäßig den Flugbetrieb in Hamm. Lademann: „Die legen sich regelrecht auf die Lauer und messen mit einem Laser gutachtergenau die Flughöhe.“ Das Ergebnis: „In den letzten 12, 13 Jahren hat es nicht eine Beschwerde gegeben.“ Auch die für Hamm zuständige Luftaufsicht der Bezirksregierung Münster bestätigt vorbildliche Verhältnisse: „Ein sanktionierungsfähiger, vorsätzlich gefährlicher Betrieb von Luftfahrzeugen (zum Beispiel betrieblich nicht zu rechtfertigende extrem niedrige Flughöhen) wurde bei den Kontrollen vor Ort nicht festgestellt“, teilte die Behörde auf WA-Anfrage mit.

Erhöhter Flugverkehr am 1. Advent?

Dank Corona sei es in diesem Jahr insgesamt etwas ruhiger, sagt der Anwohner des Bänklerweges, aber es gebe Tage, da sei das schon echter Lärmstress – exemplarisch dafür nennt er den 29. November (1. Advent), an dem stark erhöhter Flugverkehr geherrscht habe. Gespräche mit der Flugplatzleitung führe er nicht mehr: „Die sind uneinsichtig, da habe ich keinen Bock mehr drauf.“

Die bisherigen Flugdaten für 2020, die der Club dem Luftfahrtbundesamt und dem Hauptzollamt verpflichtend melden muss, weisen mit insgesamt 2600 einen Tages-Durchschnitt von acht Starts und Landungen von einmotorigen Flugzeugen aus; nicht eingerechnet sind die Ultraleichtflieger und Hubschrauber. „Ganz ehrlich, im Vergleich zu anderen Plätzen ist das nichts. Es gibt natürlich Unterschiede. Beim Flugplatzfest einmal im Jahr dürften es hundert Anflüge sein. An besonders schönen Tagen im Sommer sind es samstags, sonntags schon einmal 50 bis 60, aber das sind die absoluten Ausnahmen. Am vergangenen Dienstag zum Beispiel war ein guter Tag, da hatten wir vielleicht 30, am Mittwoch war der Platz wieder geschlossen“, sagt Lademann.

Jeder dritte Tag ungenutzt

Letzteres komme an etwa zehn Prozent der Tage vor, weil das „Wetter nicht flugbar“ sei, zu einem Drittel des Jahres werde der Platz wegen niedriger Wolkendecken und relativ geringer Sicht kaum genutzt. Lindemann verteidigt vor allem die Hubschrauber-Anflüge vehement: „Wir hatten kürzlich ja den Dachstuhlbrand im Hammer Westen, da hatten wir nachts um ein Uhr hier einen Patientenaustausch. Dadurch haben wir auch eine wichtige Funktion in der Stadt.“

Auch ein Anwohner weiter westlich an der Goldmersch beklagt sich über die „Knatterfaxe“, die über Wohnbebauung und Kleingärten („Die sollten ein Ort der Ruhe sein“) einfliegen – seiner Meinung nach tiefer als erlaubt. Vor allem „ältere Maschinen und die mit weniger Motorleistung“, die beim Start nicht schnell genug an Höhe gewännen, würden da für eine erhebliche Lärmbelästigung sorgen. „Das Wichtigste: Alle Flugzeuge, die uns anfliegen, müssen ein Lärmschutzzeugnis haben“, sagt Lademann. Er unterscheidet in Sachen Emissionen in drei Kategorien: „Ein Ultraleicht macht mit seinem 80-PS-Rotaxmotor keinen Lärm. Es rauscht. Eine Cessna um eine Tonne brummt schon mal und ein Sechszylinder knattert.“ Letztere würden aber äußerst selten in Hamm landen.

„Piloten sind selbst verantwortlich“

„Ich sage schon über Jahre, dass ein ganzer Stadtteil dran glauben muss und dass ein Flugplatz nicht mitten in der Stadt liegen darf. Das gibt es woanders auch nicht“, sagt der Anwohner aus der Goldmersch. Von einer Sonderlage mitten in der Stadt spricht auch der Anwohner des Bänklerweges, der seit 40 Jahren dort wohnt und sagt: „Den Platz hätte man im Zuge der Umgestaltung des Geländes wegmachen können.“ Allerdings, sagt Lademann, müsse gerade Letzterer doch wissen, dass der Flugplatz zuerst da war und Hamm in den letzten Jahrzehnten um ihn herum gewachsen ist.

Der Flugsportclub tue alles, um Belästigungen durch Fluglärm zu vermeiden, sagt sein Geschäftsführer: Noch um den Jahreswechsel 2019/2020 hatte der Flugplatzbetreiber mit einer sechsstelligen Summe die 900 Meter lange Start- und Landebahn an ihren Enden saniert, damit Flugzeuge in beiden Richtungen früher abheben können, damit früher an Höhe gewinnen und so weniger Lärm für die Anwohner erzeugt wird. Östlich wie westlich gibt es in der Betriebsordnung ausgewiesene Korridore für den An- und Abflug über möglichst wenig bebautes Gebiet. Diese sind aber nicht verpflichtend. „Wichtig zu sagen ist, wir haben keinen Einfluss darauf“, sagt Lademann, „die Piloten sind für alles, was sie tun, selbst verantwortlich.“

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