Rückkehrberatung hilft Flüchtlingen beim Rückweg

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Projektleiterin Eva Schwamborn (von links), Marina Schwarz und Anna Brons beraten rückkehrwillige Flüchtlinge.

Hamm - Der Aufenthalt in Deutschland endet für viele Flüchtlinge vorzeitig – manche ziehen freiwillig einen Schlussstrich, andere müssen auf Anordnung der Bundesländer ausreisen. Auch in Hamm hilft die Rückkehrberatung – mit Tickets, Arztterminen und am Ziel der Reise.

Zehn Jahre besteht die Anlaufstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Lippestadt, eine Nachfrage wie seit September des vergangenen Jahres hat Projektleiterin Eva Schwamborn aber noch nicht erlebt. „Bei vielen gibt es Schwierigkeiten in der Familie, etwa den Tod eines Angehörigen“, erklärt sie. „Viele Menschen sind aber auch mit falschen Versprechungen hierher gelockt worden.“ Seit Jahresbeginn verließen mit Hilfe der Rückkehrberatung 79 Flüchtlinge die Stadt Hamm, insgesamt 120 Personen suchten die Beratungsstelle auf.

Mit Bustickets, Arztterminen, Reisedokumenten hilft die Rückkehrberatung

Schwamborn und ihre drei Mitarbeiterinnen können helfen, auch wenn das Ziel als „sicheres Herkunftsland“ gilt. Über die Internationale Organisation für Migration (IOM) bucht das DRK Flüge, kümmert sich um Bustickets, Arzttermine und die notwendigen Reisedokumente. Etwa die Hälfte der Anfragen kommt von Menschen aus dem Westbalkan, der andere Teil stammt aus dem Irak, Iran, Libanon und anderen Ländern. Auch aus Syrien suchen viele Flüchtlinge die Beratungsstelle des DRK auf. Ihnen zu helfen ist eine besondere Herausforderung, da die IOM eine Rückkehr nach Syrien nicht unterstützt. Viele syrische Flüchtlinge wollen deshalb in ein Nachbarland reisen, eine so genannte Weiterwanderung in Nachbarländer ist jedoch aufgrund fehlender Dokumente oft nicht möglich. „In den abschlägigen Bescheiden des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge steht seit November, dass für die freiwillige Ausreise eine Woche Zeit bleibt“, erläutert Schwamborn. Das sei kaum umzusetzen, selbst wenn der Wille dazu besteht. „Es ist immer eine akute Situation, wenn die Beratung aufgesucht wird.“

79 Flüchtlinge verließen Hamm seit Jahresbeginn

Und was dann? Sind die Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt, endet die Unterstützung je nach Land nicht abrupt. „Wir kooperieren mit Organisationen vor Ort. Dort melden wir die Rückkehrer an“, sagt Schwamborn. Die Hilfe umfasst im Idealfall Wohnungs- und Arbeitssuche, Schulungen und die Existenzgründung. „Viele haben Haus und Hof verkauft, bevor sie geflohen sind. Es sind sehr viele, denen von Schleppern Märchen erzählt wurden“, schildert die Projektleiterin. Um die Beantragung der Gelder kümmert sich die Rückkehrberatung in Hamm, gezahlt werden sie unter anderem von der IOM. Je nach Staatsangehörigkeit gibt es als Starthilfe für einen Erwachsenen zwischen 300 und 500 Euro.

Kooperation mit Organisationen vor Ort

Weiterführende Unterstützung, etwa durch Gelder der Europäischen Union, erhalten die Rückkehrer nicht persönlich, diese wird über Kooperationspartner des DRK ausgezahlt – damit eine gezielte Nutzung gewährleistet ist. Schwamborn erinnert sich an eine junge Frau, die nach Georgien zurückkehrte. „Wir bekommen regelmäßig Rückmeldungen von unseren Partnern – zum Beispiel Fotos“, sagt Schwamborn. Die Germanistin eröffnete in ihrer Heimat demnach eine Sprachschule, ist mittlerweile Mutter geworden und leitet die ersten Kurse. „Es gibt aber auch Situationen, die für uns unvorstellbar sind. Leute wollen in Länder zurück, in denen Krieg herrscht. Aber in ihren Regionen ist es für die Menschen verhältnismäßig friedlich.“

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