Kritik an Abrissplänen

SEG kauft Flüchtlingsheim für 1 Euro von der Stadt

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Ursprünglich sollten die drei Flüchtlingsunterkünfte an der Alleestraße (hier im Bild), am Unteren Heideweg in Westtünnen und am Dasbecker Weg zu Sozialwohnungen umgebaut werden. Das Gebäude an der Alleestraße soll nun aber abgerissen werden.

Hamm - Die Stadt plant den Abriss des Übergangswohnheims an der Alleestraße. Das Hochhaus, das sich in städtischem Eigentum befindet, soll dafür an die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) verkauft werden.

Der Ortsheimatpfleger für den Bezirk Mitte fordert unterdessen, das 1958 errichtete Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Zwei weitere Flüchtlingsunterkünfte in Heessen und Westtünnen sollen an die Hammer gemeinnützige Baugesellschaft (HGB) verkauft und in Mietwohnungen für Flüchtlinge umgewandelt werden.

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann hatte bereits im Januar angekündigt, nicht mehr benötigte Übergangswohnheime in Mietwohnungen für anerkannte Flüchtlinge umzuwandeln. Die Stadt wollte sich dabei ihrer Tochter HGB bedienen: Die städtische Baugesellschaft sollte die Wohnheime übernehmen, sanieren und an den ausersehenen Kundenkreis vermieten.

Nachdem die HGB die Objekte in Augenschein genommen hatte, wurde der Plan für eines der Gebäude offenbar geändert. Das Hochhaus an der Kleinen Alleestraße ist nach Informationen unserer Zeitung als nicht sanierungsfähig eingestuft, das Haus weise erhebliche Mängel auf. Es ist von Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro die Rede.

Gebäude soll abgerissen werden

Die Stadt will das Gebäude deshalb freiziehen und abreißen lassen. Dafür soll es für einen Euro an die SEG verkauft werden, die für den Abriss sorgen soll. Die städtische Tochter erhofft sich hier möglicherweise – wie an der Münsterstraße – eine Refinanzierung der Abrisskosten durch Mittel aus der Landeskasse. Wenn das Gebäude abgerissen ist, soll die SEG das Grundstück vermarkten.

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Die Unterkünfte am Dasbecker Weg 11-17 und am Unteren Heideweg 94/96 soll dagegen die HGB übernehmen und regulär an Flüchtlinge vermieten. Die beiden Gebäude bringen es zwar auf einen Verkehrswert von zusammen 1,2 Millionen Euro, die Stadt will der HGB jedoch einen Abschlag von 245.000 Euro gewähren, weil bei der Vermietung an Flüchtlinge mit unterdurchschnittlichen Mieteinnahmen zu rechnen ist. Lohnen soll sich der Deal für die Stadt dennoch: Durch den Wegfall von Sachkosten und Abschreibungen für die drei Objekte hofft die Kommune, jährlich mehr als 300.000 Euro einzusparen.

Kritiker: Denkmalwert prüfen

Protest gegen den geplanten Abriss an der Kleinen Alleestraße legt derweil der Ortsheimatpfleger von Hamm-Mitte ein. Wolfgang Komo fordert Stadtbaurätin Rita Schulze Böing in einem Schreiben, das dem WA vorliegt, auf, den Denkmalwert des Gebäudes prüfen zu lassen. Das fünfstöckige sternförmige Haus war 1958 als Ledigenwohnheim der Deutschen Bundesbahn errichtet worden und galt seinerzeit als vorbildlich. Architekt Friedrich Keiser hatte die Gebäudeflügel so platziert, dass alle Wohnungen Sonnenlicht hatten. Es gab sogar Müllschlucker. Komo zufolge handelt es sich um einen für Hamm stilbildenden Bau der Nachkriegszeit.

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