Heessener Waldverein beklagt zunehmende Vermüllung

Flaschen, Tüten, Essensreste: Vermehrt Gelage in der Natur

Heessener Wald Müll Hamm
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Relikte einer abendlichen Zusammenkunft in der Schutzhütte: Mitunter wird auch mal ein halber Kuchen für die Nachwelt liegen gelassen.

Liegt es daran, dass die Müllkippe zwischenzeitlich geschlossen war? Die Aktiven vom Heessener Waldverein ärgern sich dieser Tage über eine zunehmende Vermüllung der Natur rund um das Waldgebiet. Offenbar lassen immer mehr Menschen dort illegal ihren Müll zurück.

Heessen – Der restliche halbe Kuchen teilt sich den Tisch in der Schutzhütte nahe der Quelle im Heessener Wald mit einer Lidl-Tüte, ein paar Plastikbechern und -flaschen. Friedrich Moor, bis vor Kurzem Vorsitzender des Heessener Waldvereins, hat die Fotos morgens um sieben geschossen – und die Reste eines mehr oder weniger gemütlichen Gelages sind nicht der einzige Hinweis darauf, dass es im Heessener Wald und womöglich an anderen Stellen im Bezirk vermüllter zugeht als zuletzt. Hat das mit Schutzmaßnahmen gegen das neuartige Coronavirus zu tun?

Friedrich Moor macht sich häufig auf den Weg durch den Heessener Wald und er läuft auch auf anderen Wegen durch den Bezirk. Am meisten ärgert er sich über Vorkommnisse rund um die Schutzhütte nahe der Quelle. Immer wieder findet er dort Einweg-Grills, Kippen, Müll, Verpackungsreste. „Es wird hier geraucht, obwohl die Hütte keine hundert Meter vom Naturschutzgebiet entfernt liegt“, sagt Moor, „das ist verboten.“ Nach seinen Beobachtungen und Rückschlüssen fahren viele Menschen über die Bornstraße mit dem Auto zur Hütte – obwohl schon das gar nicht erlaubt ist.

Auch die Parkplätze dienen einigen Waldbesuchern als Mülleimer.

„Der Weg gehört zu den am besten asphaltierten Straßen in Heessen“, sagt Moor, „und es beschweren sich wirklich viele über den zunehmenden Verkehr.“ Und der scheint häufig auch zu schnell unterwegs zu sein. Sein Vorschlag: Ein Sperrpfosten muss her, vielleicht sogar zwei. Nur so verhindere man Durchgangsverkehr – und das gezielte Ansteuern der Schutzhütte mit Autos. Moor weiß, dass Landwirte den Weg häufig nutzen und einen Sperrpfosten vielleicht gar nicht so gut finden, weil er sie in ihrer Arbeit behindert. Aber Moor, der auch bündnisgrüner Bezirksvertreter ist, sagt: „Das halte ich eigentlich für zumutbar: Raus aus dem Trecker, Pfosten raus, weiterfahren und den Pfosten wieder reinsetzen.“

Das wäre ein Vorschlag. Moor hat aber eine zunehmende Vermüllung auch an anderen Orten im Bezirk ausgemacht. Neulich habe er an einer Bank mit Mülleimer Müll rund um den leeren Eimer gefunden. Besonders vermüllungsgefährdete Orte seien an der Waldbühne („da lagen am Wochenende jede Menge Pizza-Verpackungen rum“) oder im Ökozentrum. „Manchmal denke ich, ich nehme eine Tasche mit und sammele die Bierflaschen auf, 2,50 Euro Pfand finde ich immer.“

Ähnliche Beobachtungen auch an anderen Orten

Friedrich Wilhelm Wickord, Moors Nachfolger als Vorsitzender des Waldvereins, hat in der Umgebung zwischen den beiden Schlössern, ähnliches beobachtet. Fast täglich stößt er bei seinen Spaziergängen auf Müll. Mal sind es Gartenabfälle, häufig Bauschutt, ein Mal eine kaputte Neonröhre. Er ruft dann bei der Stadt oder beim Abfallreinigungsbetrieb an und meldet seine Funde.

Mitglieder des Waldvereins finden aktuell täglich frisch entsorgten Müll im Umfeld des Heessener Walds.

Neulich meldete er telefonisch Dachpappe im Wald, nur um kurze Zeit später noch einmal anzurufen mit der Frage: „Brauchen Sie noch einen Kühlschrank?“ Der lag auch im Wald. Einen Tag später schob Tierfotograf Jürgen Thier sein Fahrrad zu Wickords Haus – Scherben. Es ist viel im Moment, sagt Wickord, aber im Frühjahr sei es immer mehr Müll im Wald. Manche seiner Mitmenschen seien zu faul zur Müllkippe zu fahren – oder scheuten die Kosten. Und er glaube, dass das Wachsen der Vermüllung mit dem Cotrona-Virus zu tun habe, die Müllkippe sei ja zwischenzeitlich geschlossen gewesen.

Und so haben Mitarbeiter von Stadt und ASH (Abfallwirtschaft und Stadtreinigung) Friedrich Wilhelm Wickord häufiger mal am Telefon. Und der Vorsitzende des Waldvereins nutzt eine App der Stadt, mit der die Bürger Müll melden können. „Mein Smartphone habe ich immer dabei, das gebe ich den Müllfund schnell durch. Seine Erfahrung: Es funktioniert ganz gut. Nach einem oder zwei Tagen spätestens ist der illegale Müll weg.

Mängel per App an die Stadt melden

Die kostenlose Stadt-Hamm-App vereinigt viele Funktionen vom Apotheken-Notdienst bis hin zu Öffnungszeiten. Einen Mängelmelder umfasst sie auch. Über das Stichwort „Hamm:“ lässt sie sich sowohl bei Google Play als auch im App Store finden.

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