Auf der eigenen Matte

Corona-Sommer sorgt für besondere Lage in Fitnessstudios

Die Fitnessgeräte wurden auseinandergerückt – wie hier bei „Vita Gesundheit“ Betriebsleiter Philip Prior (links) und Geschäftsführer Andreas Probst zeigen.
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Die Fitnessgeräte wurden auseinandergerückt – wie hier bei „Vita Gesundheit“ Betriebsleiter Philip Prior (links) und Geschäftsführer Andreas Probst zeigen.

Von der Corona-Krise sind auch Fitnessstudios betroffen. Viele bange Wochen durften die Studios nicht öffnen und als sie es durften, blieb der Andrang gering. So geht es den Fitnessstudios in Hamm aktuell. 

Hamm – Nach zwei Monaten Zwangspause durften Mitte Mai Fitnessstudios wieder ihre Türen öffnen. Am ersten Öffnungstag blieb der Ansturm auf die Hammer Studios aus, mittlerweile kehrt wieder ein Stückchen Normalität ein – so auch bei den Fitnessstudios „Vita Gesundheit“ am Alten Uentroper Weg und „Aktivita“ am Citykai.

Das hat sich verändert

Bei Wiedereröffnung durften weder Sitzgelegenheiten, noch Umkleiden, Duschen und der Saunabereich genutzt werden, auch Sportkurse waren tabu. Sogar ein Abstand von drei Metern musste gewahrt werden. Das alles ist mittlerweile wieder gelockert.

In den Hammer Studios muss nun nur noch ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Der Mund-Nase-Schutz gilt in allen Räumen außerhalb der Trainingsbereiche. Auf den Sportgeräten und in den Kursräumen selbst muss also kein Mundschutz getragen werden.

Um im Trainingsbereich den Abstand einhalten zu können, wurden bei Vita Gesundheit einige Fitnessgeräte wie die Crunchbank oder der Rückentrainer in Kursräume verlagert. So können mehr Menschen gleichzeitig trainieren. Im Trainingsbereich bei „Aktivita“ gibt es aktuell noch das Einbahnstraßensystem. „Das beachten tatsächlich alle“, sagt Inhaber Thomas Johannpeter.

Kuriose Situationen

Besonders auffällig ist laut Johannpeter, dass das Einbahnstraßensystem im Treppenhaus, das mittlerweile nicht mehr existiert, von einigen Mitgliedern so sehr verinnerlicht worden sei, dass sie immer noch Umwege gingen. Zudem vergäßen Mitglieder immer wieder, ihre Maske vor dem Sport abzusetzen.

Noch immer müssen Sportler ihre eigenen Trainingsmatten mitbringen, wenn sie einen Kursus besuchen. Laut Corona-Schutzverordnung des Landes ist es weiterhin nicht erlaubt, dass die Matten vom Studio zur Verfügung gestellt werden. „Dass sich die Mitglieder ihre eignen Matten mitbringen müssen, ist bisher kein Problem gewesen“, sagt Vita-Betriebsleiter Philip Prior.

Immer mehr wollen wieder trainieren

„Man merkt, dass immer mehr Menschen wieder zum Training ins Fitnessstudio kommen“, sagt Hermann Brüseke, Mitglied bei Vita. Gerade zu Beginn der Wiedereröffnung habe es viele Einschränkungen gegeben, wie die vorherige Anmeldung und eine maximale Trainingszeit von 60 Minuten. Ehefrau Kornelia trainiert ebenfalls im Studio am Alten Uentroper Weg und freut sich vor allem über eine bestimmte Lockerung: „Dass die Duschen so lange geschlossen bleiben mussten, gefiel mir nicht. Wir mussten in dieser Zeit verschwitzt nach Hause laufen und dort duschen.“

Zwar dürfen nur zwei der vier vorhandenen Duschen genutzt werden, das störe sie aber nicht. Angst vor einer Ansteckung habe Familie Brüseke nicht, schließlich werde im Studio stets auf die Hygiene und andere Schutzmaßnahmen geachtet.

Das kommt gut an

Besonders beliebt sind Fitnesskurse wie Yoga oder Tanzen. Bei „Aktivita“ sind die Fitnesskurse oft komplett ausgebucht. Hier dürfen nur noch 17 statt 30 Teilnehmer einen Kurs gleichzeitig besuchen. Das Problem liege weniger an den Anfragen der Sportler als vielmehr an der Reinigung nach jedem Kurs, erklärt Johannpeter.

„Vier bis sechs Mal am Tag müssen die Böden in den Kursräumen bei uns gereinigt und desinfiziert werden. Der Boden ist dadurch schon richtig stumpf geworden.“ Wenn das Wetter mitspiele, weiche man deshalb oft in den Außenbereich am Citykai aus. Die Sportler müssen sich für die Fitnesskurse in beiden Fitnessstudios rechtzeitig online anmelden. In einigen Fällen komme es auch schon einmal vor, dass man keinen Platz mehr erhalte, so Johannpeter.

Durch die fortschreitenden Lockerungen können immer mehr Sportkurse wieder angeboten werden. Beim Cycling kann ab Freitag, 24.Juli, zum Beispiel bei Vita wieder mächtig in die Fahrradpedale getreten werden. Neun Teilnehmer und ein Trainer dürfen sich dann zusammen im Kursraum auspowern. Vor Corona war hier Platz für 20 Sportler.

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Finanzielle Situation

Acht Wochen lang konnten Sportstudios in Hamm kaum Neukunden verzeichnen. Besonders bitter: Erst zwei Wochen vor dem Lockdown feierte der Standort Vita am Alten Uentroper Weg seine Eröffnung. „Glücklicherweise konnten wir 500 Mitglieder vom vorherigen Betreiber Wiese übernehmen“, sagt Vita-Geschäftsführer Andreas Probst.

Aktuell habe Vita in Hamm rund 800 Mitglieder, das sei aber vor allem dem Reha-Sport und der Physiotherapie zu verdanken, die nicht vollständig geschlossen werden mussten. „Aktuell sind wir 100.000 Euro unter unserem gesetzten Ziel für dieses Jahr“, beschreibt Probst die finanzielle Situation. Dennoch sei er zufrieden, denn das Studio sei glimpflich davongekommen.

Neukunden bleiben aus

Auch bei „Aktivita“ macht sich die Schließung bemerkbar: „Im Vergleich zum Vorjahr liegen wir aktuell bei knapp 50 Prozent der Neukunden“, erklärt Johannpeter. Damit fehlten dem Fitnessstudio rund 100 Mitglieder.

„Zwar haben wir ähnliche Zahlen bei den Kündigungen wie im Jahr davor, aber wir befinden uns wegen der Schließung und den wenigen Neuanmeldungen in einer wirtschaftlich schwierigen Phase“, so Johannpeter. „Die Leute warten erst mal ab und schauen, wie sich die Corona-Epidemie entwickelt.“ Daran sehe man deutlich die Verunsicherung vieler Menschen. Das Interesse steige glücklicherweise von Woche zu Woche.

Johannpeter hofft, dass die Ängste in der Bevölkerung weiter sinken und das Leben wieder halbwegs normal werde. Vita-Geschäftsführer Probst hofft vor allem darauf, dass sich die Informationspolitik bald verbessert und er nicht alle Änderungen durch andere Medien erfahre: „Über die Erlaubnis zur Öffnung der Umkleiden haben wir über Nacht erfahren. Auch, dass der Abstand von drei auf zwei Meter gelockert wurde, mussten wir selbst herausfinden.“ Diese Situation sei für alle eine ganz neue, weshalb Probst sich hier vor allem einen besseren Informationsaustausch wünscht.

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