Hammer Firma profitiert von Lockdown-Effekt

Hesse Lignal stöhnt über Brexit, hat aber volle Auftragsbücher

Hans-J. Hesse (links) und Jens Hesse bedachten die Kollegen mit Gutscheinen.
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Dank an die Mitarbeiter: Hans-J. Hesse (links) und Jens Hesse bedachten die Kollegen mit Gutscheinen.

Der Brexit trifft auch das Hammer Unternehmen Hesse Lignal hart. „Bürokratischer Irrsinn“ baue sich da auf, lautet die Kritik. Doch zugleich gehört die Firma zu den Gewinnern der Corona-Krise: Der Lockdown beschert ihr volle Auftragsbücher.

Hamm - 1200 Seiten stark ist das Handelsabkommen zwischen Europa und Großbritannien. Großbritannien hat zum Jahreswechsel den EU-Binnenmarkt und die Zoll-Union verlassen. Die Zusammenarbeit ist auf ein Minimum beschränkt. Der Handel zwischen Großbritannien und den EU-Staaten wird erheblich schwieriger als bisher. Für Unternehmen auf beiden Seiten werden deutlich mehr Formalitäten zu erledigen sein. Das spürt auch das heimische Unternehmen Hesse Lignal. „Der Handelsverkehr mit Großbritannien hat sich erheblich erschwert“, so Geschäftsführer Jens Hesse.

Der englische Markt sei zwar nie ein ganz großer gewesen, gleichwohl habe das Unternehmen ein paar gute Kontakte in das Königreich geknüpft und wolle daran festhalten. Wie sich das Geschäft weiter entwickele, könne augenblicklich allerdings noch nicht abgeschätzt werden.

„Im letzten Quartal 2020 haben sich unsere Kunden ordentlich bevorratet, weil niemand weiß, wie sich die Handelsbeziehungen weiter entwickeln“, so der Geschäftsführer. Probleme machten vor allem die Zollbestimmungen, mit denen sich die Spediteure herumschlagen müssten. Ware könne aktuell nicht ausgeliefert werden Hesse: „Da baut sich gerade ein bürokratischer Irrsinn auf.“

Hesse in Hamm und Corona: Verrücktes Jahr mit gutem Ausgang

Die Handelsbeziehungen zu England trüben daher ein wenig die Freude über ein ansonsten verrücktes Jahr: Ausgangssperre, Abstandsregeln oder Angst vor Ansteckung: Seit Beginn der Coronakrise haben sich viele Menschen in ihr Zuhause zurückgezogen, die eigenen vier Wände haben an Bedeutung gewonnen. Cocooning nennen Forscher den Trend, sich in Krisenzeiten das eigene Zuhause schön und behaglich zu machen. Ein Trend von dem auch das Hesse Lignal profitiert. Die Auftragsbücher sind voll und der Umsatzeinbruch aus dem ersten Lockdown ist inzwischen aufgeholt. Hesse Lignal schaut optimistisch in die Zukunft.

„An den Trend haben wir anfangs gar nicht geglaubt“, sagt Hesse. „Doch wir wurden eines Besseren belehrt.“ Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres musste das heimische Unternehmen starke Umsatzeinbußen verkraften. Hesse: „Der Umsatz ging im und direkt nach dem ersten Lockdown um rund 30 Prozent zurück.“

In dieser Zeit hatte Hesse Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Das dauerte aber nicht lange. Wie die gesamte Möbel- und Wohnbranche profitierte Hesse von dem Bedürfnis, es sich in den eigenen vier Wänden schön zu machen. Das Blatt drehte sich plötzlich. Die Aufträge kamen wieder zurück, und in der zweiten Jahreshälfte ging es stetig bergauf. Jens Hesse: „Zum Ende des Jahres haben wir sogar zwischen Weihnachten und Neujahr gearbeitet. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir das schon einmal gemacht haben.“ Die Mitarbeiter hätten gut mitgezogen, sie seien froh, in einer Branche zu arbeiten, der es gut gehe“, bilanziert Hesse.

Hesse in Hamm und Corona: Homeoffice und Einzelbüros

Rund 420 Mitarbeiter beschäftigt das Hammer Unternehmen, 370 von ihnen am Stammsitz an der Warendorfer Straße. Bereits im Frühjahr, als das Coronavirus die Gesellschaft in den Stillstand zwang, hat Hesse Lignal viele Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. „Technisch war das kein Problem“, sagt Jens Hesse. Da ohnehin viele Außendienstmitarbeiter auf das firmeneigene Netzwerk zugreifen, konnte auch den Verwaltungsmitarbeitern diese Möglichkeit eingeräumt werden. So wurden die Kontakte in den Büros auf ein Minimum reduziert.

Aus Doppelbüros wurden so Einzelbüros. Hesse: „Wer im Homeoffice arbeiten wollte, dem wurde die Möglichkeit eingeräumt.“ In den Produktionsbereichen wurden unter anderem die Pausenzeiten auseinandergelegt und in den Laboren auf ein Zwei-Schicht-System gesetzt. Die Anstrengungen haben sich offensichtlich gelohnt. „Wir hatten nur ganz wenige Mitarbeiter, die sich mit Covid19 infiziert hatten, im Betrieb hat sich niemand angesteckt“, sagt Hesse.

Stolz sind die beiden Geschäftsführer des Unternehmens, das im vergangenen Jahr seinen 110. Geburtstag feierte, auf die Mitarbeiter, die in der Krise flexibel gearbeitet haben. Zum Ende des Jahres wurden sie daher mit einem besonderen Geschenk bedacht, mit dem das Unternehmen zugleich die Gastronomie in Hamm unterstützt. Unter dem Motto: #supportyourlocals schenkte Hesse Lignal seinen Mitarbeitern einen Restaurant-Gutschein, wobei jeder aus vier regionalen Restaurants selbst auswählen und den Gutschein in diesem Jahr einlösen kann.

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