Firma Geringhoff findet alten Dreschkasten wieder

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Der Dreschkasten geht auf Reisen. ▪

NORDDINKER ▪ Vor 130 Jahren wurde das Unternehmen Carl Geringhoff Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG in Ahlen gegründet. Die Erntevorsätze von Geringhoff sind heute in aller Welt im Einsatz. Vor allem in Amerika sind Geringhoff-Produkte gefragt. Am Mittwoch nahm eine amerikanische Delegation das Geburtstagsjahr des Unternehmens zum Anlass und lange Wege auf sich, um das Werk zu besichtigen. Klar, dass der Zulieferer den 34 Importeuren, Händlern und deren Lebenspartnern ein richtiges Event bieten wollte.

Neben Light-Show, Werksführung, Reden und einer Video-Vorführung präsentierte sich der Maschinenhersteller auch als Unternehmen mit Tradition. Dabei kam ihm der Zufall zu Hilfe: Ein Mitarbeiter hatte bei einer Veranstaltung der Treckerfreunde in Norddinker mitgefeiert und dabei herausgefunden, dass ein Geringhoff-Dreschkasten aus dem Jahre 1930 in Norddinker einlagert. Eine von vielen Wurzeln, die das Unternehmen geschlagen hat, hatte sich also bei den Oldtimer-Freunden verfangen. Dabei sind die Dreschkästen, die Vorläufer der heutigen Mähdrescher, so groß, dass viele Sammler von einer Archivierung absehen, weil sie nicht über genügend Stellfläche verfügen, weiß Treckerfreund Dirk Krämer.

Auch das Unternehmen selbst verfügt nicht mehr über derart alte Gerätschaften. Die Treckerfreunde hatten den Dreschkasten im Jahre 1984 – kurz nach ihrer Gründung – in Pelkum gekauft und nach Norddinker gebracht. Dort kommt das Gerät in Ausnahmefällen sogar noch zum Einsatz: „Dafür brauchen wir allerdings möglichst frische Garben“, erklärt Krämer. Seien die Kornbündel zu alt und zu trocken, könne nur noch schlecht demonstriert werden, wie die Maschine die Körner aus den Ähren löst und von Spelzen und Staub befreit (siehe Info-Kasten). In Ahlen wurde die Maschine daher gestern nicht angeworfen – in dieser Jahreszeit fehlt es schlicht an geeignetem Anschauungsmaterial.

Die Amerikaner zeigten sich dennoch beeindruckt von dem Stück Zeitgeschichte, das nach ihrer Abreise nun wieder zurück nach Norddinker transportiert wird. Wie Peter Witthus, bei Geringhoff zuständig für Unternehmenskommunikation und Marketing allerdings andeutete, wird zuvor noch die eine oder andere Schönheitskorrektur vorgenommen.

„Komplett restaurieren können wir eine solche Maschine heute natürlich nicht mehr“, sagt er und lacht. Zwischen der damaligen Technik und der heutigen klaffen Universen. Was heute ein Mann und ein Mähdrescher erledigen, das war 1930 noch das Tagwerk von zehn Arbeitskräften und eines Dreschkastens.

„Wir werden hier einige Kleinteile schweißen“, kündigt Witthus an, der selbst geraume Zeit nach einem historischen Schätzchen wie dem aus Norddinker gesucht hatte. Die Treckerfreunde freuen sich bereits sehr auf die ebenfalls in Aussicht gestellte Werksbesichtigung. ▪ sf

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