Kostenloser FFP2-Schutz

Maskenausgabe nur gegen Kundenkarte? Senioren an Apotheken abgewiesen - heftige Kritik

Menschen warten vor der Apotheke in einer Schlange. Die Löwen-Apotheke in Oberhausen Sterkrade gibt kostenlose FFP2-Masken an Menschen über 60 Jahren oder Menschen mit Vorerkrankungen aus.
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Menschen warten vor einer Apotheke in einer Schlange - um die kostenlosen FFP2-Masken entgegenzunehmen. (Symbolfoto)

Der Ansturm auf die Gratis-Ausgabe von FFP2-Masken in Apotheken bis zum 6. Januar hat begonnen. Teils bildeten sich lange Schlangen vor den Ladenlokalen. Nicht in allen Fällen verlief die Maskenausgabe für Kunden so reibungslos, wie es zuvor angekündigt war. Mancher ging ohne Masken wieder nach Hause – und zwar nicht, weil diese nicht verfügbar gewesen wären.

Hamm - Maskenausgabe nur gegen Kundenkarte einer bestimmten Apotheke? Davon war bisher nirgendwo die Rede, und anscheinend gehen einzelne Apotheker in Hamm hier Sonderwege. (News zum Coronavirus in Hamm.)

„Nach Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung werden die Masken an Bürger abgegeben, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, wenn diese ihren Personalausweis vorlegen“, bestätigt Dr. Nina Grunsky, Pressereferentin des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, was bisher als Ausgabevoraussetzung kommuniziert worden war.

Verband stellt klar: keine Kundenkarte nötig

„An Patienten unter 60 Jahren, die bestimmte Vorerkrankungen oder Risikofaktoren haben, werden die Masken ausgegeben, wenn sie eine Eigenerklärung abgeben“, sagt sie. Entsprechende Formblätter seien den Apotheken zur Verfügung gestellt worden. Und um es deutlich zu machen: „Man muss keine Kundenkarte haben oder anlegen lassen, um Masken ausgehändigt zu bekommen.“

Genau damit sahen sich WA-Leser in diesen Tagen konfrontiert. Das sorgte für Unverständnis und Verärgerung. Nachdem Jürgen von Renteln (67) in einer Hammer Innenstadt-Apotheke seinen Ausweis vorgelegt habe, sei die Mitarbeiterin damit verschwunden und habe ihm anschließend Formulare mit seinen persönlichen Daten zur Unterschrift vorgelegt. Damit hätte er eine Kundenkarte beantragen sollen. Von Renteln lehnte die Erfassung der Daten und auch eine Kundenkarte ab. Daraufhin habe ihm die Mitarbeiterin zu verstehen gegeben: Ohne Kundenkarte keine Masken. Das sei vom Chef so angeordnet. Von Renteln verließ die Apotheke ohne Masken.

Masken in Ämtern und Praxen besser aufgehoben?

Auch Susanne Sommer-Töpfer hatte Probleme an Masken zu kommen. „In einigen Apotheken werden die Masken nur an Stammkunden oder an Kunden mit Kundenkarte abgegeben“, sagt sie. Das dürfe nicht sein. „Generell muss es auch für Nicht-Stammkunden möglich sein, die Masken in einer nächstgelegenen Apotheke in Empfang nehmen zu können. Oder die Ausgabe der kostenfreien Masken muss auch an anderen Stellen erfolgen, zum Beispiel in den Bürgerämtern, beim Gesundheitsamt oder in den Hausarztpraxen.“

Ein Ehepaar (70 und 72), das namentlich nicht genannt werden möchte, verließ konsterniert eine Werrieser Apotheke. Es würden nur Masken nur an Kunden mit Kundenkarte ausgegeben, sagt die Frau. Man könne ja in die nächste Apotheke gehen, und sich noch einmal Masken abholen, sei ihnen gesagt worden. „Das ist eine Unverschämtheit“, so die 70-Jährige. Sie empfinde solch eine Vorgehensweise als Diskriminierung. „Vom Gesetzgeber ist das sicherlich nicht so gemeint gewesen.“

Kundenkarte gegen Masken-Schnorrer

Brigitte Wigand-Heppelmann als Inhaberin mehrerer Apotheken in Hamm verteidigt die Ausgabe von Masken gegen Kundenkarte. So sei gewährleistet, dass in ihren Häusern Personen nicht mehrfach Masken abgriffen und Bedürftige zu kurz kämen. „Es geht nicht, dass bei diesem Thema herumgeschnorrt wird“, sagt sie. Jeder Kunde erhalte eine Datenschutzerklärung. Mit der Erfassung zu Werbezwecken habe die Datenerhebung nichts zu tun. Man gehe vertrauenswürdig mit den Daten um und diese könnte später wieder gelöscht werden.

Mit Buchung auf die Kundenkarte lasse sich die Ausgabe der Masken zudem genau nachhalten. Rund 8.000 habe sie den Kunden seit Dienstag in drei Apotheken ausgehändigt. Ihr Kontingent sei noch nicht erschöpft.

Grundsätzlich beklagt sie den erheblichen Mehraufwand und die „chaotische Vorplanung“ seitens der Politik. Mittwochvormittag seien allein 140 Anrufe ausschließlich wegen der Maskenausgabe aufgelaufen. „Es gehört schon eine Portion Nerven dazu, damit fertig zu werden. Die Mitarbeiter sind sehr gestresst.“

Schwarzer: „Das geht nicht“

Martin Schwarzer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Stadt Hamm des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, hält eine Abgabe von Masken nur gegen Kundenkarten für nicht gestattet: „Das geht nicht. Der Anspruch gilt für alle Menschen, die die Voraussetzungen erfüllen: über 60 Jahre oder mit Risikofaktoren.“ Natürlich könne theoretisch Missbrauch betrieben werden. Das dürfe aber kein Argument für Sonderwege und zusätzlich eingebaute Hindernisse sein.

Insgesamt geht Schwarzer davon aus, dass in den 40 Apotheken in Hamm ausreichend Masken verfügbar sind, auch wenn einige bereits keine mehr oder andere noch keine hätten.

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