Modell in Schieflage

Corona kühlt die Jugendarbeit bei der Hammer Feuerwehr ab

Die Hammer Jugendfeuerwehr muss wegen Corona schweren Herzens auf Kameradschaftsaktionen verzichten.
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Mehr als nur Löschübungen: Die Hammer Jugendfeuerwehr muss derzeit schweren Herzens auf Kameradschaftsaktionen verzichten.

Die Jugendfeuerwehr ist fester Bestandteil des vielgerühmten „Hammer Modells“ – der engen Zusammenarbeit zwischen Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr. Doch in Corona-Zeiten ist dieses Modell in Schieflage geraten. Die Jugendfeuerwehr ist zurzeit zur Untätigkeit verdammt.

Hamm - „Wir haben uns stadtweit dazu entschieden dem Einsatzdienst Priorität zu geben. Alles andere wird entweder ruhen oder nur im kleinen Ausmaß stattfinden“, gibt Stadtjugendfeuerwehrwart Thorsten Brendel die Marschroute von Amtsleitung und Corona-Stabsstelle wieder. Das gelte nicht nur für die Jugendfeuerwehr, sondern auch für die Einsatzabteilungen in den Stadtbezirken. Dienstabende, Übungen, Treffen der Ehrenabteilungen oder gemeinsame Freizeitgestaltung – all das ist bei der Feuerwehr Hamm zurzeit eingestellt und eben auch bei den Jugendlichen.

Und wie wirkt sich das bei den Jugendlichen aus?

Corona trifft Jugendfeuerwehr: Kontakt über soziale Medien

„Wie das langfristig aussieht, ist zurzeit schwer zu sagen. Vielleicht müssen wir die Jugendfeuerwehr auch neu erfinden“, sagt Brendel. Die 10 bis 18-Jährigen – immerhin stadtweit 280 an der Zahl – seien nach wie vor sehr motiviert, warteten geradezu darauf, wieder loslegen zu können. Kontakt untereinander halte der Feuerwehrnachwuchs ohnehin. Dafür gebe es ja heutzutage die sogenannten sozialen Medien. „Ich glaube, vor 20 Jahren, als es diese Möglichkeiten noch nicht gab, wäre die Jugendfeuerwehr vermutlich kaputtgegangen“, sagt Brendel.

Dennoch: das, was die Jugendfeuerwehr ausmacht, die Kameradschaft, das gemeinsame Erleben, das Vorbereiten auf den echten Feuerwehrdienst – das geht zurzeit nicht nur verloren, das fehle den Jugendlichen tatsächlich auch. „Viele sind wirklich traurig, dass zurzeit nichts geht“, sagt Brendel. Aber alle seien vernünftig genug, einzusehen, dass das Infektionsrisiko einfach zu groß sei.

Corona trifft Jugendfeuerwehr: sieben Jahre Ausbildungszeit

„Die Ausbildung des Nachwuchses besteht aus 50 Prozent Jugendarbeit und 50 Prozent technischer Ausbildung“, erklärt Brendel. Das seien insgesamt also sieben Jahre Ausbildungszeit. „Das gibt es in anderen Bereichen nicht“, sagt er. Und wegen der guten Jugendarbeit sei die Übergangsquote in die Freiwillige oder die Berufsfeuerwehr in Hamm auch sehr hoch. Mit 17 Jahren können in Hamm Jugendliche in die Hospitation bei den Einsatzabteilungen gehen.

Doch auch, wenn in diesem Jahr vieles ins Wasser gefallen ist: „Wir werden weiterhin alles dazu tun, die Jugendfeuerwehr reizvoll zu halten“, sagt Brendel.

Corona trifft Jugendfeuerwehr: 280 Jungen und Mädchen

Die Feuerwehr der Stadt Hamm besteht aus einer Berufsfeuerwehr (seit 1975) mit rund 130 feuerwehrtechnischen Beamten und einer Freiwilligen Feuerwehr mit etwa 1000 aktiven Mitgliedern im Einsatzdienst. Die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr sind in 26 Löschzügen oder Löschgruppen und vier Sondereinheiten organisiert.

Neben den Einsatzkräften gehören zur Freiwilligen Feuerwehr Hamm etwa 280 Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr, 100 Musiker der drei Spielmannzüge und 480 Mitglieder der Ehrenabteilung.

Außerhalb ihrer hoheitlichen Aufgaben haben sich die etwa 2000 Mitglieder der verschiedenen Feuerwehren zum Stadtfeuerwehrverband Hamm als gemeinsame gesellschaftliche Interessenvertretung zusammengeschlossen.

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