Für 2021 herrscht Skepsis

Feiern in weiter Ferne – die Schützen und ihr Wunsch nach Rückkehr zur Normalität

Jubiläumsschützenfest der Schützengesellschaft Hamm Berge 1894 mit Olaf Henning im Festzelt
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Ein Partybild vom Jubiläumsschützenfest in Berge: Es zeigt, wie vor Corona gefeiert wurde – eng beieinander und ausgelassen.

Die diesjährige Schützen-Saison fiel der Pandemie zum Opfer. Besonders optimistisch scheinen die Schützen auch nicht auf das Jahr 2021 zu blicken, für das schon jetzt wichtige Weichen gestellt werden müssen. Wann endlich herrscht wieder Normalität?

Hamm – Thomas Jägermann, erster Vorsitzender des Stadtverbands der Schützenvereine von Hamm glaubt nicht, dass es in der kommenden Saison wieder besser laufen wird. „Anfang Mai soll mit dem Frühlingsball die Saison eingeläutet werden, aber das steht auf der Kippe.“ Eigentlich kämen hier 800 Schützen zusammen – in Zeiten von Corona undenkbar.

Auch wenn der Verband den Vereinen nicht vorgibt, wie sie mit ihren Veranstaltungen verfahren sollen, gehen alle ähnlich mit der Situation um. Veranstaltungen wie Herbstversammlungen werden beispielsweise digital abgehalten oder fallen aus. „Natürlich hoffen wir, dass wir bald wieder alle zusammenkommen können, aber solange das nicht möglich ist, müssen wir das Beste daraus machen“, sagt Thorsten Pexa, Pressesprecher des Schützenvereins Hövel. In diesem Jahr gibt es – wie bei den meisten anderen Schützenvereinen – keine Veranstaltung mehr mit direktem Kontakt bei den Höveler Schützen.

Die Aussichten der Hammer Schützenvereine: Wenig Chancen für Großveranstaltungen

Planungen für Schützenfeste im kommenden Jahr gibt es viele, ob diese dann aber auch stattfinden, kann derzeit niemand beantworten. „Die vielen Schutzmaßnahmen sorgen dafür, dass viele Buchungen storniert werden“, sagt Jägermann.

Bei einer Personenbegrenzung von 50 bis 100 Personen sei es den Schützenvereinen relativ gut gegangen, doch nun sei die finanzielle Situation keine schöne mehr, so der Vorsitzende. Es gebe glücklichweise keine großartigen Auffälligkeiten in der Mitgliederstärke der Vereine, sodass Jägermann relativ positiv in die Zukunft schaut: „Da müssen wir jetzt alle durch. Ich bin guter Dinge, dass die Vereine diese Zeit meistern. Denn Solidarität wird in den Vereinen großgeschrieben und es herrscht ein reger Austausch untereinander.“ Dennoch fehlten den Schützen vor allem die Geselligkeit und die Gespräche.

Bisher geplant ist für das kommende Jahr bei den Höveler Schützen nur das Schützenfest. Und das auch eher aus pragmatischen Gründen. Ab dem 18. Juni soll gefeiert werden. „Geplant ist schon alles, weil wir mit den Bands und Co. für diese Saison Verträge geschlossen hatten, die wir nun auf die kommende Saison verschoben haben“, so Pexa. Geplant wurde für die kommende Saison erst einmal ohne Schutzmaßnahmen, denn das Fest liege noch zu weit in der Zukunft, um überhaupt abzusehen, ob und in welchem Rahmen es stattfinden könne.

Die Aussichten der Hammer Schützenvereine: Keine Proben bei Spielmannszügen

Die Schützengesellschaft Wiescherhöfen-Weetfeld hätte in diesem Jahr ohnehin kein Schützenfest gefeiert und blieb deshalb nicht auf teuren Verträgen sitzen. Dennoch gab es auch am Feldlerchenweg Einnahmeverluste, weil viele kleinere Veranstaltungen wie das Osterfeuer und der Kinderaktionstag nicht stattfinden konnten. Für den Vorsitzenden Hubertus Petermann ist ein anderes Problem aber viel schwerwiegender: „Wir stehen vor der Frage, wie wir unsere älteren Mitglieder weiter mit einbinden und erreichen. Sie sind oft nicht in den sozialen Netzwerken aktiv. Und jeden zuhause zu besuchen ist schwierig und wegen der Infektionslage im Moment auch nicht angebracht“, sagt Petermann.

In der Vorweihnachtszeit soll es trotzdem eine kleine Überraschungsaktion für alle Mitglieder im Seniorenalter geben. Für das Schützenfest 2021, das traditionell am ersten Juni-Wochenende gefeiert wird, planen die Schützen erst einmal, als gäbe es die Corona-Beschränkungen nicht. „Wir gehen aber nur Verträge ein, aus denen wir finanziell unbeschadet und kurzfristig herauskommen, sollte das Fest doch nicht in der gewohnten Form oder gar nicht stattfinden“, so Petermann.

Dass vor allem der soziale Aspekt bei den Schützen in der Corona-Krise leidet, bestätigt auch Nadine Schäfer, Vorsitzende des Spielmannszug Alte Kameraden Lerche. „Die Kameradschaft bleibt auf der Strecke“, sagt Schäfer. Seit Mitte März konnten die Musiker nicht mehr miteinander proben. „Wir haben nur eine einzige Probe im Sommer gehabt. Die Kameraden sitzen auf heißen Kohlen und wollen wieder starten“, so Schäfer. Deshalb sei die Stimmung beim Spielmannszug gedrückt.

Eigentlich proben die Musiker wöchentlich, um Vereine bei Veranstaltungen musikalisch zu begleiten. Für das kommende Jahr ist ein Konzert des Spielmannszugs geplant, doch ob dieses stattfinden kann, ist offen. Schäfer sieht dafür aktuell schwarz: „Ich glaube nicht, dass es stattfinden wird, aber ich hoffe, dass wir wenigstens im kommenden Jahr wieder mit unseren Proben beginnen können.“

Die Aussichten der Hammer Schützenvereine: Partybands in Wartestellung

Für musikalische Unterstützung auf zahlreichen Schützenfesten sorgt unter anderem auch die Hammer Partyband Querbeat. Die Coverband ist seit 2011 regional wie überregional auf unzähligen Bühnen unterwegs – eigentlich. Für die Band ist ebenfalls die ganze Saison ausgefallen und bis zum Ende des Jahres werde das laut Trompeter Benedikt Kämper auch so bleiben. Die Hoffnungen liegen auf 2021, dem zehnten Jahr des Bestehens der beliebten Band.

„Wir planen unsere Auftritte für das kommende Jahr erst mal ganz normal. Viele Veranstaltungen wurden auf das kommende Jahr verschoben, auch viele Schützenfeste“, sagt Kämper. Hierbei hätten viele Vereine Solidarität bewiesen, denn die meisten hätten die Band weiterhin eingeplant – das freut die Musiker. Da keiner der Bandmitglieder mit der Musik beruflich sein Geld verdient, gebe es keine finanzielle Belastung wegen Corona. Kämper: „Wir hoffen das Beste, aber wir sind uns noch nicht sicher, ob alles so stattfinden kann wie 2019.“

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