Langzeitbelichtung

Faszinierend: Aus Licht macht der Hammer Fotograf Olaf Kerber Kunst

Olaf Kerber (rechts) wird beim Fotografieren oft von seinem Freund Christian Thiel unterstützt.
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Olaf Kerber (rechts) wird beim Fotografieren oft von seinem Freund Christian Thiel unterstützt.

Hamm - Eine Taschenlampe und seine Kamera. Mehr braucht der Hammer Fotograf Olaf Kerber nicht, um faszinierende Lichtmalereien zu erzeugen.

Es ist stockfinster an diesem frostigen Januar-Abend im Kurpark. Während vereinzelte Jogger einen Zahn zulegen, um schnell ins Warme zu kommen, blitzen direkt neben dem großen Teich bunte Lichtpunkte auf. Aus diesen Lichtpunkten macht der Hammer Fotograf Olaf Kerber Kunst. Er zieht nach Einbruch der Dunkelheit regelmäßig los, um verschiedene Motive im Hammer Stadtgebiet zu illuminieren.

Wohl jeder hat an Silvester schon einmal versucht, mit Wunderkerzen die Ziffern des neuen Jahres in die Luft zu schreiben und mit der Kamera des Smartphones festzuhalten. Die Ergebnisse? Oft verwackelt oder unterbelichtet. Die Fotos von Olaf Kerber sind dagegen scharf, detailverliebt und farbenfroh.

Feuerwerkskörper und Lametta-Pompoms

Um spektakuläre Effekte zu erzeugen, greift der 49-Jährige gerne in seine prall gefüllte Trickkiste. Darin befindet sich ein buntes Sammelsurium aus kleinen Feuerwerkskörpern, Wunderkerzen, Lametta-Pompoms und sogenannten „Blades“ aus Plexiglas, die mit einer Taschenlampe angeleuchtet werden können.

Als Adapter hat Kerber ein Verbindungsstück aus dem Sanitärbedarf zweckentfremdet. So passt praktisch jede Taschenlampe in die Halterung. „Mit verschiedenen Lumengrößen – also der Lichtstärke der Lampen – kann man ganz unterschiedliche Stimmungen erzeugen“, sagt der 49-Jährige. Farbe und Intensität des Lichts bestimmen, ob das Foto kalt oder warm wirkt.

Seit eineinhalb Jahren „malt“ Kerber mit Licht. Seine Inspiration holt er sich bei anderen Fotokünstlern und in der Natur. „Viele Motive, die im Hellen vielleicht langweilig oder unspektakulär wirken, entwickeln im Dunkeln eine ganz andere Dynamik. Da hilft manchmal nur Ausprobieren“, sagt Kerber. Für seine Fotos verwendet er eine Nikon D 7200-Kamera und stellt die Belichtungszeit üblicherweise auf 10 oder 20 Sekunden ein.

Schwarz gekleidet, um Licht nicht zu reflektieren

In dieser Zeit ist gutes Timing gefragt. Nach dem Betätigen des Auslösers rennt Kerber los. Ganz in Schwarz gekleidet, um das Licht nicht zu reflektieren, zeichnet er die Schemen seines Motives in die Luft wie auf eine imaginäre Leinwand. „Man muss grob wissen, was man machen will und das Bild schon im Kopf haben. Alles andere ist dann Improvisation“, sagt Kerber.

Tolle Improvisationen: Olaf Kerber "malt" mit Licht

Tolle Improvisationen: Olaf Kerber "malt" mit Licht

Um einen scheinbar in der Luft schwebenden Kreis zu zeichnen fokussiert sich Kerber auf einen Mittelpunkt und trippelt in kleinen Schritten um die Fläche herum. Dabei rudert er kräftig mit dem rechten Arm, in der Hand hält er eine Pyrofackel. Was für den zufälligen Zuschauer auf den ersten Blick befremdlich aussehen mag, hat einen fast kreisrunden blauen Lichtball als Resultat. „Auch wenn es nach Herumgehampel aussieht, sind die Leute beim Blick auf das Display immer wieder überrascht. Das freut mich“, sagt Kerber.

Fotos landen auf der Website oder dem Blog

Die fertigen Fotos präsentiert er bisher ausschließlich im Internet auf seiner Website, einem Blog und in den sozialen Netzwerken. Ausgestellt hat er seine unzähligen Motive bisher noch nicht. „Das würde ich schon gerne machen, aber dafür braucht man auch das nötige Geld und die Zeit, so etwas vorzubereiten“, so Kerber.

Von seinem Hobby kann der 49-Jährige nicht leben. Hauptberuflich arbeitet Kerber deshalb für das Bundesverwaltungsamt in Hamm. Ist er nicht im Büro, verbringt er praktisch jede freie Minute mit der Fotografie. Dabei war seine große Leidenschaft zunächst eine andere. 22 Jahre lang spielte der kräftige Fotograf Football. „Nach einer schweren Verletzung im Nackenbereich musste ich damit aufhören, weil die Ärzte mir prognostiziert haben, dass ich ansonsten im Rollstuhl lande. Mein Nacken ist so gesund wie der eines 70-Jährigen.“

Die Zeit mit der Kamera ist für den Autodidakten der „ultimative Ausgleich“. Deshalb mache ihm das eisige Wetter auch nicht viel aus. „Gegen die Kälte kann man sich ja dick einpacken. Und bei dem ganzen Rumgerenne vor der Kamera wird einem eh warm“, lacht Kerber.

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