Wärmegedämmte Fassade zum ersten Mal in Hamm abgebrannt

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Die Flammen schlugen aus der wärmegedämmten Fassade des Hauses am Wasserfall, als die Feuerwehr eintraf.

Hamm - Zum ersten Mal ist in Hamm eine wärmegedämmte Hausfassade abgebrannt. Bei einem Feuer in Wiescherhöfen entstand am Sonntagnachmittag Sachschaden in Höhe von rund 300.000 Euro, ein Mensch wurde leicht verletzt.

Über die Feuergefährlichkeit des Dämmmaterials Polysterol („Styropor“) wird seit Jahren diskutiert. Die Feuerwehren sind besorgt; Energiefachleute warnen vor Panikmache. Die Feuerwehr war am Sonntag um 16.02 Uhr zur Straße „Wasserfall“ in Wiescherhöfen gerufen worden (wir berichteten). Als das erste Löschfahrzeug nach sieben Minuten am Brandort eintraf, stand die Fassade des Reihenhauses bereits vollständig in Flammen.

Feuergefährlichkeit des Dämmmaterials ("Styropor") seit Jahren diskutiert

Die Feuerwehr wurde am Sonntag um 16.02 Uhr zur Straße "Wasserfall" gerufen worden. Als das erste Löschfahrzeug nach sieben Minuten am Brandort eintraf, stand die Fassade des Reihenhauses bereits vollständig in Flammen.

Nach Polizei- und Feuerwehrangaben war das Feuer in einem Anbau ausgebrochen, dort hatte sich beim Kochen Fett entzündet. Die Flammen griffen dann auf zwei Garagen und die rückwärtige Fassade des Hauses über. Der Hauseigentümer verletzte sich bei Löschversuchen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Aufgrund des zur Isolierung eingesetzten Wärmedämmverbundsystems aus Polystyrol habe sich der Brand über die gesamte Fassade bis ins Dach ausgebreitet, heißt es im Einsatzbericht der Feuerwehr. 61 Feuerwehrleute brauchten gut zwei Stunden, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Erschreckend, so hieß es am Montag in der Hammer Branddirektion, sei die kurze Zeitspanne, in der die Flammen vom Anbau über die Fassade bis ins Dach geschlagen seien. In dieser Form habe es das in Hamm noch nicht gegeben.

Auffällig war auch der dichte schwarze Rauch. Der enthalte nicht nur Atemgifte, sondern auch einen hohen Rußanteil, sagte Oberbrandrat Ludger Schmidt, der stellvertretende Feuerwehr-Chef. Das Phänomen ist seit einigen Jahren bekannt. Die Frankfurter Feuerwehr führt eine bundesweite Liste, die gut 100 einschlägige Brände aufführt. In Berlin, Köln und zuletzt Duisburg kamen zusammen zehn Menschen ums Leben. In vielen Fällen führten Kleinbrände, die auf die Fassadendämmung übergriffen, zum Großfeuer.

Hauptabnehmer ist die Bauindustrie

Dabei ist Polystyrol, umgangssprachlich als Styropor bezeichnet, einer der bekanntesten Kunststoffe überhaupt. Seit 1931 ist der Schaumstoff gebräuchlich, größter Abnehmer ist in Deutschland die Bauindustrie. Polystyrol hat da unbestreitbare Vorteile: Es ist wärmebeständig, wetterfest, vor Ort einfach zu verarbeiten und im Vergleich zu anderen Dämmstoffen unschlagbar preiswert. Der Nachteil: es ist brennbar. Polysterol an sich sei schwer entflammbar und an einer Fassade üblicherweise unter einer Putzschicht verborgen, sagt der Architekt Jan Karwatzki, Wärmeschutz-Sachverständiger am Hammer Öko-Zentrum NRW. Der Brandschutz funktioniere bei Wärmedämmeverbundsystemen aber nur, wenn der Dämmstoff korrekt verarbeitet sei. Das System müsse zugelassen, Putz, Dämmung und Dübel aufeinander abgestimmt sein. Die einschlägigen Vorschriften seien mittlerweile nachgebessert worden, so der Architekt weiter. Dabei geht es um so genannte Brandriegel aus nicht brennbarem Material, wie der teureren Mineralwolle. Sie sollen das Überspringen von Flammen vermeiden. Solche Sperren waren, so Karwatzki, bislang nur über Fenstern vorgeschrieben. Jetzt müssen sie auch am Sockel und am oberen Fassadenabschluss angebracht werden.

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