Schnittker Heizung, Sanitär & Haustechnik GmbH

Corona macht‘s möglich: Kontaktlos Handwerken im Sanitärbetrieb

Zwei vor Ort, alle anderen am Bildschirm: Peter und Noah Gerken sprechen mit ihren Mitarbeitern.
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Zwei vor Ort, alle anderen am Bildschirm: Peter und Noah Gerken sprechen mit ihren Mitarbeitern.

Spare in der Not? Von wegen! Für Peter Gerken, Geschäftsführer der „Schnittker Heizung, Sanitär & Haustechnik GmbH“ wird gerade andersherum ein Schuh draus: Gerade wegen der Corona-Notzeiten investiert der Familienbetrieb besonders intensiv in neue Technik – in digitale Technik.

Hamm – Morgens in die Firma, Tagesaufträge abholen, zum Kunden fahren und abends zurück in die Firma? Das war einmal bei Schnittker. Um die Kontakte unter den rund 20 Mitarbeitern in Coronazeiten zu minimieren, findet die morgendliche Einsatzbesprechung jetzt an PC und Tablet statt. Dazu wurde die Software „Microsoft Teams“ angeschafft, die Besprechungen, Chat, Notizen und Anhänge vereint. Ähnlich wie bei der bekannteren Software „Zoom“ sieht jeder Mitarbeiter die anderen auf dem Bildschirm. Teilnehmen kann laut Peter Gerken nur, wer dazu eingeladen ist, das mache die Konferenzen sicher vor einem unberechtigten Zugriff von außen.

Die meisten Mitarbeiter – vor allem die Monteure – sitzen bei der Besprechung zuhause, erhalten ihre Aufträge, führen sie aus und fahren abends wieder nach Hause. Meistens müssen sie nicht einmal in die Firma, um Material zu holen. Das liefert der Großhändler mittlerweile oft direkt auf größere Baustellen, nachdem es – natürlich – online bestellt worden ist.

In neue Software investiert

Auch für Letzteres hat Peter Gerken in eine neue Software investiert, die es ermöglicht, einen Auftrag von Anfang bis Ende digital zu entwickeln. Das fängt beim Erstellen – und, falls es der Kunde wünscht – Versenden des ersten Angebots an, für das das Programm nicht nur die Kosten für das Material berechnet, sondern auch für An- und Abfahrt sowie die Arbeitszeit. Mehr noch: Es gleicht laut Gerken die Preise des Großhändlers ab und schlägt Alarm, falls die zu hoch sind.

Unterschrift auf dem Tablet

Weiter geht es mit dem Ausfüllen der Arbeitszettel, die der Kunde nach getaner Arbeit unterschreiben muss. Für manch einen mag es merkwürdig erscheinen, dass er dafür mittlerweile auf dem Tablet unterschreibt. Die Software schreibt natürlich auch die Rechnung und versendet sie – falls es der Kunde wünscht – per E-Mail. Der nächste Schritt ist bereits begonnenen: hin zum Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), die alles vollautomatisch beziehungsweise volldigital macht.

Die Mitarbeiter im Büro werden trotzdem nicht arbeitslos, versichert Peter Gerken: Ihnen bleibe mehr Zeit für Kundenkontakte und auch das Aufkommen an Formularen, die für Ämter und Behörden ausgefüllt werden müsse, nehme stetig zu. Ohnehin geht es für Peter Gerken und seinen Sohn Noah nicht ohne die Mitarbeiter: „Sie sind unser wertvollstes Gut“, sagen sie. Darum gehöre es zur Unternehmensphilosophie, sie „mitzunehmen“ bei jeder Innovation.

Spätestens alle zwei Jahre nehmen sie an Lehrgängen teil, deren Erfolg dokumentiert wird. „Profi im Handwerk“ lautet der Titel, zu dem Peter und Noah Gerken den entsprechenden Pokal und die Urkunde präsentieren.

Hohe Investitionskosten

Zwischen 20.000 und 30.000 Euro jährlich investiert die Schnittker-GmbH in die EDV. Weil die Cloud-basiert funktioniert und der (wartungsintensive) Server in der Firma nicht nötig ist, haben alle Mitarbeiter von jedem Ort Zugriff auf die Daten der Projekte, an denen sie gerade arbeiten. Alles natürlich geschützt durch eine ordentliche Firewall. Dafür mussten die Tablets mit Sim-Karten, die das Einloggen ins Internet über das Mobilfunknetz ermöglichen, und einer überdurchschnittlichen Daten-Kapazität ausgestattet werden. Und schnelles Internet war für den Firmensitz am Caldenhofer Weg erforderlich, weil dort letztlich alle Fäden des Datennetzes zusammenlaufen. Ermöglicht habe das ein überregionaler Kabelnetzbetreiber.

Peter Gerken ist ehrlich, was die Investitionen betrifft: Sie bedeuten nicht nur mehr Sicherheit in Coronazeiten, sondern auch eine Zeitersparnis und Effizienzsteigerung. „Das Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Teams um 20 bis 30 Prozent zu steigern“, sagt er. Er nennt ein Beispiel: Hat ein Mitarbeiter vor Ort ein technisches Problem, das er nicht allein lösen kann, loggt er sich in das System ein, kann den anderen die Situation nicht nur schildern, sondern live zeigen. Hilfe von erfahreneren Kollegen lässt nicht lange auf sich warten.

Die machen die Modernisierung mit, versichert Peter Gerken. Und wenn ein älterer Mitarbeiter mal nicht so gut bei der Digitalisierung mitkommt, hilft immer gerne einer der zurzeit sieben Auszubildenden.

Nur eines kommt für Peter und Noah Gerken überhaupt nicht in Frage – wenn jemand sagt: „Das haben wir aber immer so gemacht ...“ Dann weist Peter Gerken daraufhin, dass die Rohre früher geschweißt, heute aber per Hydraulikzange verpresst werden.

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