Futuristische Übernachtungsmöglichkeiten und Ferkelzuwachs

„Ufo-Urlaub“ und Ferkel-Nachwuchs auf dem Bauernhof am Kraftwerk

Dörthe Strübli vom Stadtmarketing nimmt den Hof Sonntag ins Hammer Touristik-Angebot auf.
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Dörthe Strübli vom Stadtmarketing nimmt den Hof Sonntag ins Hammer Touristik-Angebot auf.

Interessante Urlaubsorte in Deutschland zu finden, die nicht hoffnungslos überrannt sind, ist die aktuelle Herausforderung für diejenigen, die ihrem Alltag den Rücken kehren wollen. Nun gibt es einen Hamm, den sogar schon Jenke für ein Experiment besucht hat.

Hamm – Diana und Thorsten Sonntag bieten dem klassischen Kurzurlauber ab sofort ein weiteres, ganz besonderes Erlebnis: „Sleeperoo“ nennt sich der Vermarkter, der in seinen „Cubes“ Übernachtungen an außergewöhnlichen Orten anbietet. Der Nutztier-Arche-Hof Sonntag in Schmehausen ist ein solcher Ort.

Der weiße Würfel, in dem sich „etwas anders“ übernachten lässt, steht in Sichtweite des Kraftwerks, aber dennoch inmitten der Natur auf einer Streuobstwiese. Wie kann das funktionieren? „Das fragten schon einige Gäste“ lacht Thorsten Sonntag. „Wenn dann allerdings hinterm Kraftwerk die Sonne untergeht, erkennt auch der letzte Zweifler den besonderen Charme unseres Hofes. Wir gehören eben doch noch zum Ruhrgebiet, auch wenn das dank der ländlichen Umgebung hier gern vergessen wird.“

Schlafen wie unterm freiem Himmel

Wer sich also auf das kleine Abenteuer einlässt, schläft dank des transparenten Dachs unter freiem Himmel. Während Joschi und Paul, die beiden Esel des Hofes, sich vor den transparenten Seiten des Würfels grasend der Wiese widmen, kann der Übernachtungsgast einen Blick in seine „Chillbox“ werfen. Die Box enthält kleine Snacks und ein paar Getränke in Bio-Qualität. Selbst die Kondome, die für die romantische Nacht mitgeliefert werden, sind vegan und fair gehandelt.

Wer mag, kann mit Thorsten Sonntag aber auch lieber eine Taschenlampen-Führung über den Hof vereinbaren und lernt auf diese Weise auch das Bunte Bentheimer Schwein Elsa und ihren Bruder Schmali kennen. RTL-Zuschauer haben hier die beiden womöglich bereits in der Serie „Das Jenke-Experiment“ lieben gelernt. Elsa blieb dank der Sendung vom Schlachter verschont und erfreut sich weiter ihres Daseins bei den Sonntags. Auch mit Stine, mit 350 Kilo eine wahre Wuchtbrumme von Schwein, verbindet Sonntag eine besondere Freundschaft, so scheint es. Die freudige Begrüßung der beiden spricht jedenfalls dafür.

Prominente Schweine werden Eltern

Journalist Jenke von Wilmsdorff wollte die Extreme des Fleischkonsums kennenlernen. Dazu gehörte auch, zu erkunden, wie ein Schwein aufwächst, wie man es füttert und am Ende tötet – oder auch nicht. Nun hat Sau Elsa in der Nacht von Samstag auf Sonntag stolze acht Ferkel zur Welt gebracht.

Freude über den Mischwurf: Auf dem Hof Sonntag ist wieder mehr Leben eingezogen.

Das unterschiedliche Aussehen der Kleinen erklärt Thorsten Sonntag damit, dass es sich um einen Mischwurf aus Bunten Bentheimern und Rotbunten Husumer Sattelschweinen handelt. Das Erstgeborene, das sogenannte „Sauferkel“, wird auf dem Hof Sonntag bleiben. Wie es heißen wird? „Darüber stimmen die Zuschauer der RTL-Sendung ‚Das Jenke Experiment‘ gerade ab“, erzählt Sonntag.

Junge Kälber und Hühner auf Hof Sonntag

Aufgeregtes Gegacker ist aus dem Hühnergehege zu vernehmen. Die unterschiedlichsten Rassen leben hier zusammen: Lachshühner, Sundheimer, Orpington, Grünleger und Marans gehören dazu. Drei Sattelschwein Ferkel genießen von allem vollkommen unbeeindruckt ihr Mittagsschläfchen im Schatten. Auf der Weide hält „Alma“ die Besucher genau im Auge, damit den vier jungen Kälbern nichts geschieht.

Die Dexter-Rinder gehören zu den kleinsten Rinderrassen in Europa. Langsam soll die Herde vergrößert werden. Auf die Hörner der Rinder angesprochen erklärt Sonntag: „Das Märchen, dass die Rinder sich mit den Hörnern gegenseitig verletzen, wird von den Massentierhaltung betreibenden Mastbetrieben gern erzählt. Dabei gilt das nur, wenn zu viele Tiere auf zu wenig Raum gehalten werden.“

Diana Sonntag behütet eines der acht Ferkel.

Artgerechte Haltung vs. Massentierhaltung

Mit artgerechter Haltung habe das nichts mehr zu tun. Auch Schweineschwänzchen fielen der Massenhaltung zum Opfer. „Gesunde Tiere, die artgerecht gehalten werden, haben hingegen keinen Grund, sich gegenseitig den Schwanz abzuknabbern.“

Die katastrophalen Zustände und die unwürdigen Bedingungen in den industriell betriebenen Mastbetrieben hatten Diana und Thorsten Sonntag 2013 zum Umdenken bewogen. Sie informierten sich ausgiebig und halten seit 2015 eigene Tiere auf ihrem Hof. Ein „Nutztier-Arche-Hof“ widmet sich der Erhaltung der alten und vom Vergessen bedrohten Nutztierarten. Das alles zeigen und erklären die Betreiber des Hofs gern. Und der bietet nicht nur Sleeperoo-Gästen Unterkunft. Das alte Backhaus ist jetzt so gut wie fertig, dann kann auch darin übernachtet werden.

Bald auf Streuobstwiese Schlaffässer?

„Bei ‚Landvergnügen‘ sind wir ebenfalls gelistet und von Wohnmobilfahrern entsprechend nachgefragt“ berichtet Sonntag. „Wir überlegen noch, ob wir auf der Streuobstwiese auch Schlaffässer aufstellen.“ Dörthe Strübli vom Stadtmarketing nimmt den Hof Sonntag jedenfalls ins Hammer Touristik-Angebot auf. Urlaub in Schmehausen? Warum eigentlich nicht? „Man muss schließlich nicht um die halbe Welt reisen, um unvergessliche Momente zu erleben“, ist sich Sonntag sicher.

Ein Schlafwürfel, ein Kraftwerk, Esel Joschi und der Herr des Hofs Thorsten Sonntag – das ist ein Teil des Gesamtpakets, auf das sich Urlauber freuen können.

Daten und Fakten: Schlafen im Würfel

Die Sleeperoo GmbH aus Hamburg bietet Übernachtungen in einem Sleep Cube („Schlafwürfel“) an 61 außergewöhnlichen Orten in ganz Deutschland an – am Strand, mitten im Wald, mit Kanufahrt oder in den Alpen, an Deck eines Museumsschiffs, in einer mittelalterlichen Burgruine, im Museum, auf einer Indoor-Kart-Bahn, im Dinosaurierpark oder beim Kühe-Kuscheln in Bullerbü. Die Übernachtung kostet 120 Euro.

Obwohl mit 12 Kubikmetern Raumangebot recht übersichtlich gestaltet, soll es den Gästen auf der 1,6 mal 2 Meter großen Sojakernöl-Matratze angeblich an nichts mangeln. Eine Toilette ist im Allgemeinen in näherer Umgebung zu erreichen, Zugang zu einer Steckdose wird ebenfalls gewährt. Im Cube selbst sind stromsparende LED-Spots verbaut, und eine kleine Laterne, die per Kurbel aufgeladen werden kann, sichert den Weg für nächtliche Toilettengänge.

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