Fall Thomas Ewers jetzt vor zwei Gerichten

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Thomas Ewers kam wegen falscher Anschuldigungen ins Gefängnis.

HAMM - Nach jahrelangem Stillstand überschlagen sich mit einem Mal die Ereignisse im Fall Thomas Ewers. Innerhalb von zwei Tagen werden sich im April sowohl das Essener als auch das Dortmunder Landgericht mit dem 45-jährigen Hammer beschäftigen, der nach heutigem Wissensstand mindestens vier Jahre zu Unrecht im Gefängnis saß.

Von Frank Lahme

Ewers wurde im Jahr 2001 verurteilt, weil er seine Ex-Lebensgefährtin vergewaltigt haben sollte. Der BGH urteilte abschließend 2003 über den Fall – sechs Jahre und acht Monate wurden für den Bockum-Höveler fällig, dem zudem ein Betrug und eine Körperverletzung angelastet wurden.

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Kurz nach der Haftverbüßung im Jahr 2010 räumte die Ex-Lebensgefährtin ein, dass sie die Vergewaltigungsvorwürfe erfunden habe, um Ewers möglichst lange aus der Welt zu schaffen. Eine Anklage wegen mittelbarer Freiheitsberaubung gegen die ebenfalls aus Bockum-Hövel stammende Frau und gegen ihren zwischenzeitlichen Lebensgefährten als Anstifter war die Folge.

Mehr als zwei Jahre lag diese Anklage dem Dortmunder Landgericht vor. Als der WA regelmäßig über den Fall berichtete und auch mehrere Fernsehsender darauf aufmerksam wurden, kam Bewegung in die Angelegenheit. Der Prozess gegen die Frau und ihren Ex-Liebhaber wird am 16. April in Dortmund beginnen und soll nach drei Verhandlungstagen in einen Urteilsspruch münden.

Parallel dazu läuft vor dem Essener Landgericht seit Dezember 2013 das Wiederaufnahmeverfahren in Ewers’ Vergewaltigungsfall. Wie bekannt wurde, wird das Gericht am 14. April in die Beweisaufnahme treten und unter anderem die Ex-Lebensgefährtin anhören.

Theoretisch ist es möglich, dass schon an diesem Tag das Alturteil aus der Welt geschafft wird – dann nämlich, wenn die Situation aufgrund der neuen Beweislage absolut eindeutig ist. Ebenso kann das Gericht eine neue Hauptverhandlung anordnen oder die Wiederaufnahme niederschmettern.

Wiederaufnahmeverfahren sind äußerst selten. An allen zehn Landgerichten im OLG-Bezirk Hamm gab es im Jahr 2013 zehn abgeschlossene Verfahren, 2012 waren es acht.

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