Justizopfer: Fall Ewers vor der Wiederaufnahme

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Saß offenbar jahrelang zu Unrecht im Knast: Thomas Ewers.

HAMM -  Das lange Warten auf eine Rehabilitation des mutmaßlich zu Unrecht wegen Vergewaltigung verurteilten Hammers Thomas Ewers könnte bald ein Ende finden. Das Landgericht Essen hat am 12. Februar entschieden, dass der über Ewers-Anwalt Dr. Michael von Glahn im Dezember eingereichte Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens zulässig ist.

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Ein entsprechendes Schreiben verließ am Mittwoch das Gerichtsgebäude. Die Entscheidung ist der erste Meilenstein auf dem bislang äußerst steinigen Weg, den der 45-jährige Ewers und sein Anwalt in der Auseinandersetzung mit den Justizbehörden nunmehr passiert haben. Sechs Jahre und acht Monate hatte der Bockum-Höveler bis zum März 2010 im Knast gesessen, vornehmlich deshalb, weil er seine Ex-Lebensgefährtin vergewaltigt haben sollte. Mindestens vier Jahre seines Lebens verbrachte der Hammer offenbar zu Unrecht hinter schwedischen Gardinen, denn schon bald nach seiner Entlassung räumte die Ex-Lebensgefährtin ein, dass sie die Übergriffe nur erfunden hatte.

Seit mehr als zwei Jahren ist die ebenfalls aus Hamm stammende Frau vor dem Dortmunder Landgericht wegen mittelbarer Freiheitsberaubung angeklagt – zum Prozess ist es bislang nicht gekommen.

Das Wiederaufnahmeverfahren, mit dem der alte Prozess gegen Ewers noch einmal aufgerollt werden könnte, hat nun die erste formale Hürde genommen. Ein Richter wird nun überprüfen, ob das Gesuch auch inhaltlich begründet ist. Über den Zeitrahmen, der dafür ins Land streichen wird, will das Gericht derzeit keine Angaben machen. Vieles deutet aber darauf hin, dass diese Prüfung nun ebenfalls schnell über die Bühne gehen könnte. Am Ende der Kette könnte dann eine neue Hauptverhandlung gegen den bis heute als Vergewaltiger geltenden Mann stattfinden. Möglicherweise findet aber auch diese nicht mehr statt – sollte die Sachlage absolut eindeutig sein, und sich der ursprüngliche Richterspruch als Fehlurteil erweisen.

„Wir sind ein ganzes Stück weiter, und das freut mich sehr“, sagte Ewers-Anwalt Michael von Glahn. - fl

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