Manipuliertes Foto geht viral

Foto von WA.de für politische Fake-News missbraucht

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Links das Original, rechts die Fälschung: Das Bild auf der linken Seite hatten Mitarbeiter der Stadtwerke gemacht, nachdem sie das zerstörte Wartehäuschen an der Sachsenhalle bemerkt hatten. Der WA berichtete damals in der Zeitung und online. In das Foto manipulierten Unbekannte das CDU-Wahlplakat hinein und posteten es Anfang Mai auf Twitter.

Ein manipuliertes Foto von WA.de geht über Fake-News viral und beschäftigt auch das ZDF. Es soll die CDU lächerlich machen. Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Hamm – Eine unerwartet weite Verbreitung erfuhr ein Foto aus Heessen – allerdings nicht im Original, sondern in einer manipulierten Version. Das ursprüngliche Foto zeigt das Buswartehäuschen an der Sachsenhalle, kurz nachdem Unbekannte es zerstört hatten. In der manipulierten Version hängt ein Plakat der CDU am übrig gebliebenen Gerippe des Häuschens – auf dem Plakat steht der Slogan: „Für Sicherheit und Ordnung“, mit dem die CDU tatsächlich vor der Bundestagswahl 2017 für sich geworben hatte.

Die Manipulation ist ein Beispiel im ZDF-Dokumentarfilm „Die gezielte Manipulation“ von Oliver Koytek und Maren Boje, der am 28. August in der Reihe ZDF Zoom lief. Die Filmemacher wiederum beziehen sich auf den Faktencheck des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv. Deren Mitarbeiterin Tania Röttger kommt im Film zu Wort.

Eine Szene des ZDF-Berichts mit Blickpunkt auf den WA.de-Artikel. Klicken Sie hier, um den Beitrag in der Mediathek zu sehen. Der Hammer Aspekt beginnt etwa in Minute 23.

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Auch "Journalistenwatch" griff zu

Auf der Homepage von Correctiv findet sich der Faktencheck zum Foto, recherchiert von Röttger. „Das angebliche Foto einer zerstörten Bushaltestelle mit einem CDU-Wahlplakat verbreitet sich auf Facebook. Es handelt sich um eine Bildmontage – das Originalfoto ist mehr als vier Monate alt“, schreibt sie über ihre Recherche. Erstmals sei das Foto auf einer Facebookseite am 6. Mai gepostet worden, heißt es, damals mit dem Kommentar: „Wenn ein Plakat eine unfreiwillige Komik versprüht.” Und: Correctiv gibt an, die Fotomontage sei in dem sozialen Medium 270 Mal geteilt worden.

Das Foto blieb netznaturgemäß nicht auf Facebook. Eine Bilder-Rückwärtssuche auf Google ergibt: Auch rechtspopulistische Websites wie Journalistenwatch haben es aufgegriffen. Zahlreiche Nutzer von Twitter teilten die Montage.

"Die CDU ... lächerlich machen“

Manipuliert wurde das Bild, um der CDU zu schaden. Denn das Plakat „Für Sicherheit und Ordnung“ an der zerstörten Bushaltestelle hat etwas Witziges, aber eben mit einem ernsten, rechtspopulistischen Hintergrund. Correctiv schreibt dazu: Die Fotomontage „soll die CDU ... offensichtlich lächerlich machen“.

Allerdings nicht nachhaltig. Die Stadtwerke Hamm gingen bereits im Frühjahr der Sache nach, das Unternehmen hält grundsätzlich die Rechte an den Fotos, die Mitarbeiter im Dienst machen. „Wir haben den ersten Facebook-Post geprüft“, sagt eine Stadtwerke-Sprecherin, „und wir haben festgestellt, dass in den Kommentaren unter dem Bild bereits auf die Manipulation hingewiesen wurde.“ Mehr noch: Auch der Originalartikel auf der Homepage des WA wurde verlinkt. Dort ist das Originalfoto zu sehen.

 

„Jetzt ist das Bild wohl berühmt..."

Gemacht hat das Foto Thomas Averdung, Gruppenleiter Fahrdienst bei den Stadtwerken. „Jetzt ist das Bild wohl berühmt geworden“, scherzt er und zeigt, dass er die Sache locker sieht. Oder zumindest halblocker, denn er sagt auch: „Ich finde es ungeheuerlich, dass man so ein Bild einfach manipuliert, um es politisch einzusetzen.“

Die Karriere der Fotomontage auf Twitter:

Bereits am 4. Mai taucht die manipulierte Version des Fotos des zerstörten Buswartehäuschens an der Sachsenhalle auf. Ein Nutzer, der sich „Albert Sommer“ nennt, postet es mit dem Kommentar „Wenn ein Plakat eine unfreiwillige Komik versprüht“ auf Twitter. In seinem Account beschäftigt sich „Sommer“ mit Themen wie Einwanderung, Klimaschutz oder gewalttätigen Attacken gegen AFD-Politiker. Eindruck: eindeutig rechts.

Auch ein Nutzer, der sich „Dr. G. Nietsche“ nennt, agiert offenbar auf der rechtspopulistischen Bühne. Er teilt den Sommer-Post mit der Fotomontage und geht daneben auf die Themen Islam, Verschleierung oder Benachteiligung der Menschen in den neuen Bundesländern ein.

Einige Twitter-Accounts, die den CDU-Plakat-Post geteilt haben, sind breit und eher unpolitisch aufgestellt. Ihnen gefiel offenbar die Komik der Fotomontage und teilten sie deswegen.

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