Corona macht Fahrschulen weiter zu schaffen - aber das ist nicht alles

Enge Kiste: Auf dem Parkplatz neben dem Café del Sol sind für die Fahrschüler im Bus schwierige Situationen zu meistern.
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Enge Kiste: Auf dem Parkplatz neben dem Café del Sol sind für die Fahrschüler im Bus schwierige Situationen zu meistern.

Nein, von Konjunkturflaute kann in Hammer Fahrschulen keine Rede sein. Im Gegenteil: Viele Fahrschulen sind nach wie vor damit beschäftigt, den durch den Lockdown verursachten Rückstau abzubauen. Für die Fahrschüler bedeutet das, im Zweifel auf die nächste praktische Stunde ein wenig warten zu müssen.

Hamm – Im Großen und Ganzen sei aber vieles wieder im Fluss, sagt Jürgen Hoffmann, Sprecher der Hammer Fahrschulen. Herausfordernd ist der Alltag für Hamms Fahrlehrer dennoch.

Während die Abwicklung der praktischen Prüfungen verhältnismäßig reibungslos läuft, komme es bei der Vergabe der Termine für die theoretische Prüfung gelegentlich zu Überraschungen. „Das Planungssystem war meiner Meinung nach aber auch schon vorher schlecht: Die Termine werden online gebucht und das Problem ist selbstgestrickt: Einige Fahrschulen kaufen mehr Plätze ein, als sie brauchen und geben sie dann spätestens eine Woche vorher zurück.“

So kommt es, dass einige Prüflinge erst sehr kurzfristig erfahren, wann sie dran sind. Erst jüngst hat Hoffmann einen Schüler für den kommenden Tag nominieren können: „Wenn man gut vorbereitet ist und im Stoff steht, ist das allerdings kein Problem.“ Er ist froh, dass die Zahl der Prüflinge von sechs auf zwölf erhöht worden ist.

Keine Alternative zum Mundschutz

Der Mundschutz ist als notwendiges Übel immer dabei. Und das nervt, wenngleich die Einsicht gegeben ist, dass es ohne nicht geht. „Wenn Sie mit Mundschutz 90 Minuten unterrichten, ist das Ding nass.“ Deshalb ist stets Wechselwäsche am Start. Angenehmer wird es dadurch nicht. Die Schüler nehmen es gelassen. In der Theorie agieren die Fahrschulen individuell. Die meisten verfügen nur über winzige Ladenlokale. Da ist der Mundschutz Pflicht. Wer mehr Platz zur Verfügung hat, geht ohne Mundschutz auf Abstand. Da die Regeln ständigen Novellierungen unterworfen sind, müssen die Fahrlehrer am Ball bleiben.

Im Auto gibt es keine Alternative zum Mundschutz: „Eigentlich ist es gar nicht zulässig, so verhüllt Auto zu fahren. Tatsächlich sind wir laut Auflagen verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Mundschutz so getragen wird, dass man die Personen noch erkennen kann. Wie das gehen soll, ist mir allerdings ein Rätsel“, sagt Hoffmann, lacht und fügt hinzu: „Aber in der Regel wird ein Fahrschulwagen ja auch nicht geblitzt.“

Alle Prüfungen müssen beim TÜV starten

Speziell für Fahrschulen, die Prüfungen auf verschiedenen Vehikeln anbieten, erfordere die praktische Prüfung logistisches Geschick. „Alle praktischen Prüfungen müssen derzeit an der Prüfanlage des TÜV an der Richard-Wagner-Straße starten. Das wird spannend, wenn man auf Auto, Motorrad, Anhänger, Bus und Lkw prüft. Denn jedes Fahrzeug muss ja vor Prüfungsbeginn zur Prüfstelle geschafft werden.

Für eine Ein-Mann-Fahrschule bedeutet das: Ab 6 Uhr die Fahrzeuge zur Prüfstelle zu schaffen, damit man um 8 Uhr mit mehreren Prüfungen beginnen kann.“ Dafür sind auf dem Parkplatz neben dem Café del Sol auch gekonnte Manövrier-Manöver erforderlich. Vor Corona starteten die Prüfungen flexibel am Stellplatz der Fahrzeuge. Nun muss gewährleistet werden, dass der TÜV-Prüfer nach jeder abgenommenen praktischen Prüfung die Sanitäranlage der TÜV-Stelle konsultieren kann, um die Hände ordnungsgemäß waschen und desinfizieren zu können.

Kurze Besprechung und los geht es: Alle praktischen Prüfungen starten derzeit am TÜV-Gelände.

Langes Warten für Anträge

Da Corona die Belegschaft der Ämter ausgedünnt hat, müsse aktuell für die Abgabe der Führerscheinanträge ein Termin vereinbart werden, so Hoffmann. Wartezeit: mindestens zwei Wochen. Soll der Führerschein um einen Zusatz wie etwa den bestandenen Motorradschein erweitert werden, dauere es auch schon mal bis zu vier Wochen.

Und ein altbekanntes Problem aller Fahrschulen habe in Corona-Zeiten neue Aktualität erlangt, erläutert Hoffmann: Schon immer sei es schwierig gewesen, ein Gelände zu finden, auf dem die Grundaufgaben der Motorrad-Ausbildung gefahren werden können. Bis zum Lockdown konnten die Hammer Fahrschulen dafür den Ökonomierat-Peitzmeier-Platz nutzen. Aber dort sammelt der ASH nun Grünabfälle.

Wenig Alternativen für erste Fahrstunden

Zunächst als Ausweichlösung in Lockdown-Zeiten eingerichtet, wird die zentrale Sammelstelle mittlerweile sehr gut angenommen und viele Bürger loben den im Vergleich mit dem Standort Bockum-Hövel reibungsloseren Ablauf.

Für die Fahrschulen ein schwacher Trost: Nach Rücksprachen mit der Stadt sei eine Spur freigeräumt worden, aber die biete nicht unbedingt optimale Bedingungen für die ersten Anfahrten auf den motorisierten Zweirädern, weiß Hoffmann, der weiterhin nach Alternativen sucht. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Motorrad-Schüler umziehen müssten. Der Unterricht auf einem Parkplatz in Höhe des Maxiparks habe einst aufgrund von Anwohnerprotesten eingestellt werden müssen, so Hoffmann.

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