Stärken und Schwächen einer „fahrradfreundlichen Stadt“

Viel Platz und doch zu eng: Radpendler vermisst Radspur auf Lippestraße

Radspur auf Lippestraße gefordert: Fahrradpendler Christian Müller fährt von Uentrop Dorf zur Arbeit in die Innenstadt von Hamm
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Es kann schnell eng werden auf und an der Lippestraße: Fahrradpendler Christian Müller nutzt gern den Gehweg. Aber da kann es auch mal gefährlich eng werden, ähnlich wie auf der Fahrbahn der Lippestraße. Er versteht nicht, warum man nicht mit der Sanierung der Straße eine Radspur angelegt hat. Platz müsste doch vorhanden sein, wie die Mehrzweckspur zeigt.

Als leidenschaftlicher Radpendler und Radsportler hat Christian Müller viele gute Erfahrungen in Hamm gesammelt, aber auch leidvolle Erlebnisse erfahren. An der Lippestraße hat er etwas auszusetzen. Wo könnte es weiteren Verbesserungsbedarf geben?

Hamm-Osten – „Ich muss mal was loswerden“, sagt Christian Müller über die Lippestraße. Sechseinhalb Monate dauerte die jüngste Sanierung. Seit Mitte August ist zwischen Schleuse Werries und Ortsausgang wieder freie Fahrt. Und Müller ist enttäuscht. Der Fahrradpendler hat sich mehr von den Planern der Sanierung erhofft. Die Radler können zwar den Fußweg an der teils stark frequentierten Verkehrsader nach wie vor mitbenutzen. Aber es wäre doch Platz für eine ordentliche Radspur, sagt Müller angesichts der Mehrzweckstreifen. Chance vertan, meint er.

Als Fahrradpendler ist er bei Wind und Wetter unterwegs. Er fordert dazu auf, bei Planungen konsequenter Anreize für die geforderten Änderungen beim Mobilitätsverhalten zu liefern. Anreize gibt es aus seiner Sicht schon eine Menge in der Stadt, aber auch Verbesserungsbedarf.

Umdenken, wenn es um die Mobilität geht

Als Gründungsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden in NRW“ schrieb sich Hamm 1993 auf die Fahne, Radwege sicherer und attraktiver zu machen. Seitdem ist einiges in der Richtung passiert und noch geplant, wie der Radschnellweg und seine Verlängerung in den Hammer Osten. Mehr denn je fordert der Klimawandel ein Umdenken bei der Mobilität. In dem Sinne geht Christian Müller mit gutem Beispiel voran.

Er ist leidenschaftlicher Sportler. Das Fahrrad hat der Zahnarzt schon lange für sich entdeckt und nutzt es, wann es geht. So auch als Pendler von seinem Zuhause im Uentroper Dorf zur Praxis in der Stadtmitte. Dabei kann er eigentlich einen „tollen Radweg“ nutzen, wäre da nicht ein „neuralgischer“ Abschnitt auf der Lippestraße. Wenn er vom Weg am Kanal und dem Fuchswinkel kommt, kann er den Fußweg der Lippestraße mitbenutzen. Entsprechend ist die Situation ausgeschildert.

Eine „etwas selbstmörderische“ Fahrt

Wenn es auch nur rund 400 Meter bis zum Fuß- und Radweg Adenauerallee sind, das kurze Stück hat seine Tücken. Wenn auch überspitzt, bezeichnet er eine Fahrt auf dem Bürgersteig als „etwas selbstmörderisch“.

Für Autofahrer, die aus den Grundstückzufahrten auf die Lippestraße wollen, ist der Fußweg kaum einsehbar, weshalb sie die Radfahrer allenfalls spät erkennen. „Dass sich plötzlich eine Autotür vor meiner Nase auftut, ist eigentlich üblich“, sagt er im Allgemeinen. Auf dem Gehweg an der Lippestraße kann es unangenehm eng werden, wenn einmal in der Woche die Mülltonnen herausgestellt werden und tagtäglich, wenn Fußgänger und die schnelleren und bisweilen zu schnellen Radfahrer sich den Weg teilen. Der ist mit 1,80 Meter Breite recht schmal. Ein ausgewiesener gemeinsamer Fuß- und Radweg muss laut Vorschrift innerorts mindestens 2,50 Meter bieten. So viel gibt es auf dem Gehweg der Lippestraße nicht. Die Folge: „Wer vorankommen will, fährt über die Fahrbahn“, sagt Müller und verweist auf den zeitweise starken Verkehr. Als Zubringer zur Autobahn 2 sind auch viele Lastwagen auf der Lippestraße unterwegs. Deshalb kann es für Radfahrer auch auf der Fahrbahn eng werden.

Radfahrer darf auf den Gehweg - keine Benutzungspflicht

Das müssen sie am Ortsrand wohl in Kauf nehmen, denn die Mitbenutzung des Gehwegs ist nur eine Möglichkeit, nicht ein Muss. Das Schild am Bürgersteig weist auf einen Fußweg hin (Verkehrsschild Nummer 239). Das Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ macht den Gehweg aber nicht zu einem ausgewiesenen Fahrradweg. Der Radfahrer darf ihn benutzen. Dabei muss er seine Geschwindigkeit der Situation anpassen.

„Ich habe gehofft, wenn die Straße neu gemacht wird, dass auf der Hauptfahrbahn eine Radspur eingerichtet wird“, sagt Müller. Augenscheinlich ist der Platz vorhanden. Die beidseitigen Mehrzweckspuren dienen allerdings als Parkplätze. Durchweg zugestellt sind sie aber nicht. Hier könnten Planer und Politiker ansetzen.

Was ist Ihnen schon passiert? Wo besteht Verbesserungsbedarf?

Als leidenschaftlicher Radpendler und Radsportler hat Christian Müller viele gute Erfahrungen in Hamm gesammelt, aber eben auch leidvolle Erlebnisse gehabt. Bei ihm ist bislang alles soweit gut gegangen, aber er fährt mit der latenten Gefahr, dass „irgendetwas passiert, was einen vom Rad runterholt“. Da sei zum Beispiel der „alltägliche Stress“ auf dem Alten Uentroper Weg, dass Autofahrer einfach die Fahrzeugtür öffnen, ohne auf etwaige Radfahrer auf dem Radweg zu achten, und Fußgänger auf die Straße schauen, aber nicht auf den Radweg. Was sind Ihre Erfahrungen? Wo lässt es sich gut mit dem Fahrrad fahren, wo schlecht? Wo besteht welcher Verbesserungsbedarf? Schreiben Sie eine E-Mail an uentrop@wa.de.

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