"Hamm von morgen"

Fahrrad vor Auto? SPD und ADFC wollen Mobilität auf Hammer Straßen überdenken

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Durch moderne Technik soll für Fahrradfahrer etwa eine grüne Welle eingerichtet werden.

Hamm – Egal ob zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit: die Hammer fahren am liebsten mit dem Auto. 54 Prozent nutzten im Jahr 2018 den Pkw als Hauptverkehrsmittel. Aufs Rad setzten sich nur 19 Prozent, 5 Prozent fuhren Bus, der Rest ging zu Fuß. Wie aber werden wir uns angesichts verstopfter Straßen, Parkplatzmangel und dem Klimawandel in Zukunft fortbewegen?

Das wollen die SPD und der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) im Rahmen der Initiative „Hamm von morgen“ mit Bürgern diskutieren. Los geht es am Freitag um 19 Uhr im Heinrich-v.-Kleist-Forum.

Wie ist es um die Mobilität in Hamm bestellt?

Dass so viele Bürger mit dem Auto fahren, liegt neben dem Komfort auch daran, dass die Wege in Hamm weit sind. Wer von der Ortsmitte in Rhynern zum Hallohpark in Bockum-Hövel kommen will, braucht mit dem Auto mindestens 25 Minuten. Mit dem Bus und dem Fahrrad noch einmal deutlich länger. Selbst wenn es einen Radweg gebe, sei der oft marode. „Das würden wir uns bei Straßen nicht erlauben, diese in so einem schlechten Zustand zu belassen“, sagt SPD-Chef Marc Herter. Klaus-Peter Kappelt, Vorsitzender des ADFC, moniert auch die fehlende Sicherheit für Radfahrer: „Die Leute würden auf das Rad umsteigen, fühlen sich aber nicht ausreichend vor Autos und Lkw geschützt.“ Die Taktung der Busse – insbesondere in den Abendstunden oder am Wochenende – lasse darüber hinaus nicht zu, dass alle Wege mit dem ÖPNV absolviert werden können, erklärt SPD-Fraktionschef Justus Moor.

Wie bewegen wir uns in Zukunft durch die Stadt?

Möglichst viel mit dem Fahrrad. Zumindest wenn es nach SPD und ADFC geht. Das schone das Klima, sei besser für die Gesundheit und entlaste den Verkehr. Um viele Bürger zum Umstieg zu bewegen, sollen die Radwege schneller ertüchtigt werden. Bei Straßensanierungen müsse von den ersten Planungen an konsequent an einen sicheren Radverkehr gedacht werden. „Da ist die Verwaltung gefordert, das zu beachten. Das Vorgehen muss lösungsorientierter sein. Dann wird auch nicht so viel Zeit dafür aufgewendet, zu begründen, warum etwas nicht geht“, so Moor.

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Ist überhaupt genug Platz für breitere Radwege?

„Ja“, sagen alle drei. Im Zweifel müssten die Fahrbahn verkleinert oder Parkplätze abgeschafft werden. Unterführungen bauen und massenhaft Straßen aufreißen wollen SPD und ADFC nicht. Das wäre für die klamme Kommune auch nicht finanzierbar. Große Einschnitte haben Autofahrer demnach nicht zu befürchten. „Die Verkehrswende wird nicht funktionieren, wenn wir Autofahren verteufeln. Das gehört weiter dazu“, betont Kappelt. „Von mehr Radlern profitieren aber auch die Pkw-Fahrer. Dann sind die Straßen leerer.“ E-Autos seien keine Lösung. „Die nehmen genauso viel Platz ein wie Verbrenner“, so Kappelt.

Wollen mit möglichst vielen Bürgern über die Ausrichtung der Mobilität in Hamm diskutieren (von links): Justus Moor, Marc Herter (beide SPD) und Klaus-Peter Kappelt (ADFC).

Wie sollen Radfahrer im Verkehr gestärkt werden?

Über moderne Technik und Innovationen. Beispielsweise könne mit Sensoren eine grüne Welle für Radfahrer eingerichtet werden. Die Stadt müsse sich, so Herter, auch für Modellprojekte im Verkehrssektor bewerben, um von Förderungen zu profitieren und so die Entwicklung in Hamm zu beschleunigen.

Und was ist mit dem ÖPNV?

Busfahren müsse so attraktiv werden, dass ein Umstieg keinen Einschnitt in die Organisation des Alltags bedeute. Das fange bei stabilen Preisen an und höre bei Zuverlässigkeit, Taktung, Komfort und der besseren Anbindung auf, so Moor.

Was passiert am Freitag?

Zu Beginn hält Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) einen Impulsvortrag zum Klimapaket der Bundesregierung und den Auswirkungen für den Verkehr. Dann wird diskutiert: „Es gibt kein vorbereitetes Papier. Beim Thema Mobilität sind wir alle Experten. Jeder soll von seinen Erfahrungen berichten und Ideen einbringen“, sagt Herter.

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