Exkursion zu Strontianit-Stätten in Bockum-Hövel

BOCKUM-HÖVEL ▪ Auf die Spuren einer fast vergessenen Bergbauindustrie, die es fast ausschließlich im südlichen Münsterland gegeben hat, begibt sich am Samstag, 18. August, eine Exkursion, die der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier, Arbeitskreis Hamm/Ahlen, allen Interessierten anbietet. Es geht um das Mineral Strontianit, das vor 140 Jahren einen wahren Goldrausch auslöste.

Kooperationspartner des Fördervereins sind das Hammer Stadtarchiv sowie der Ortsheimatpfleger von Hövel, Josef Lensing. Start der Exkursion ist auf dem Hof Eschhaus, Barsen 3, in Bockum-Hövel. Danach stehen mehrere Stationen auf dem Programm. „Für den Transport müssen die Teilnehmer allerdings selbst sorgen“, erklärt Dr. Markus Meinhold vom Stadtarchiv. Eventuell können auch Fahrgemeinschaften gebildet werden.

Das erste Ziel der Exkursion liegt ganz in der Nähe des Hofes Eschhaus, weiß Meinhold. Es handele sich um die Überreste einer alten Halde des Strontianit-Bergbaus. Die seien auch in der weiteren Umgebung noch zu finden. „Selbst beim Pflügen der Äcker finden die Bauern oft noch Strontianit“, erklärt Meinhold. Dr. Martin Börnchen, ehemaliger Lehrer des Galilei-Gymnasiums, wird zudem die Teilnehmer der Exkursion mit Informationen zum Thema Strontianit versorgen.

Nach der Erkundung der Bockum-Höveler StrontianitStätten, geht es anschließend weiter nach Herbern zum Heimathaus an der Altenhammstraße 20, wo es eine Ausstellung mit vielen Exponaten rund ums Strontianit gibt.

Das seltene Material wurde erstmals 1787 in Strontian in Schottland gefunden und erhielt auch seinen Namen nach dem Fundort. 1834 fand ein Bauer in Gievenbeck Strontianit und im Winter 1839/40 wurde das Mineral auch auf dem Herrenstein gefunden – vom Hammer Gymnasiasten Hermann Tross. Der eigentliche „Goldrausch“ kam aber erst auf, nachdem 1871 in Dessau ein neu entwickeltes Verfahren zur Zuckerherstellung entstand. Dabei diente das Strontianit als Katalysator bei der Entzuckerung von Melasse. Diese bleibt bei der Zuckerproduktion aus Zuckerrüben zurück, enthält aber noch immer 50 Prozent des süßen Stoffs. 1871 wurde ein Verfahren entwickelt, auch diesen Zucker gewinnen zu können. „Diese Entwicklung war typisch für die frühe Industrialisierung“, erklärt Meinhold die ungeheure Dynamik, die der Strontianit-Bergbau durch diese Erfindung entwickelte.

Da es das weltweit größte Strontianit-Vorkommen im südlichen Münsterland gab, schossen dort rund 700 Gruben mit mehr als 2000 Bergleuten aus dem Boden – auch in Bockum-Hövel. Die meisten Gruben soll es allerdings im benachbarten Drensteinfurt gegeben haben. Dort ist auch heute noch – unter anderem – die so genannte Strunzvilla (Strunz ist der plattdeutsche Ausdruck für Strontianit) zu sehen.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Ersatzstoff Coelestin (Strontiumsulfat) entdeckt, das in großen Tagebaugruben viel billiger abgebaut werden konnte. Obendrein wurde der Zucker auf dem Weltmarkt so billig, dass sich eine Ausbeute der Melasse nicht mehr lohnte.

Die letzte Strontianitgrube wurde 1945 geschlossen. Sie wurde in Ascheberg betrieben. Strontianit fand für viele technische und pharmazeutische Zwecke Anwendung, sogar noch heute wird es für Computerbildschirme, in Magneten, in Metalllegierungen und nach wie vor in der Pyrotechnik (bengalisches Feuer) verwendet.

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