Söldnereinsatz in Somalia: Ex-Feldwebel im Kampf gegen das Recht

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Erst nach einer Machbarkeitsstudie mit positivem Ergebnis sollten die Auftragnehmer aus Deutschland eine militärische Aktion umsetzen. 

Hamm/Münster - Vor acht Jahren wollten zwei ehemalige Feldwebel der Bundeswehr das ganz große Rad drehen. Mit militärischen Mitteln wollten sie einem angeblich frei gewählten, aber im Exil lebenden Präsidenten der Republik Somalia an die Macht verhelfen. Jetzt stehen die Ex-Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma vor Gericht, einer davon stammt aus Hamm.  

Um den angeblichen somalischen Präsidenten ans Ziel zu bringen, stellten die ehemaligen Bundeswehr-Soldaten auch die Söldnerdienste weiterer deutscher Reservisten in Aussicht. Damit verstießen sie gegen deutsches und gegen EU-Recht, das den Verkauf militärischer Dienstleistungen ins Ausland genauso verbietet wie illegalen Waffenexport. Der eine stammt aus Hamm und lebt jetzt in Dolberg, der andere kommt aus Telgte und lebt in Münster. Sie waren Gründer bzw. Geschäftsführer der in Telgte ansässigen Firma „Asgaard Security Group“. 

In die Kasse gegriffen 

Im Jahr 2014 erhielten die heute 47 und 48 Jahre alten Männer zwei Strafbefehle über zehn bzw. zwölf Monate zur Bewährung. Dagegen legten sie Widerspruch ein. Und der wird nun seit Donnerstag am Amtsgericht in Münster verhandelt. Gegen den gebürtigen Telgter wurde die Anklage um zwei Punkte erweitert. Er soll als Vorsitzender des Reservistenverbandes Münster in die Kasse des Kreisverbandes gegriffen haben, was er vor Gericht einräumte. Außerdem wurden bei ihm größere Mengen Übungsmunition und Bodenleuchtkörper gefunden.

Vertrauter eines somalischen Clanchefs

Wie im Gericht bekannt wurde, trafen sich die Angeklagten im Oktober 2009 im Frankfurter Hotel International mit dem Vertrauten eines schwerreichen somalischen Clanchefs. Der mischte im Bürgerkrieg mit und erhob Anspruch auf das Präsidentenamt. In dem Vertrag zwischen der Firma Asgaard und dem Exilanten, den die Richterin am Donnerstag verlas, werden sogar mögliche Operationen der deutschen Söldner zu Lande, zu Luft und zu Wasser genannt. Für die militärischen Dienste sollten vier Millionen Euro fließen, bei Bedarf später mehr. Allerdings sollte Asgaard zunächst für 100.000 Euro eine Machbarkeitsstudie erstellen. Erst wenn diese positiv ausgefallen wäre, sollte es zu den militärischen Aktionen kommen.

Somalier zahlte nicht

Während der Dolberger zu Prozessbeginn gar nichts sagte, äußerte sich sein Ex-Geschäftspartner ausgiebig zu den Vorwürfen. Er betonte, dass man keinen Euro von dem somalischen Clanchef erhalten habe. Deshalb sei der Vertrag auch nie wirksam geworden. In Pressemitteilungen klang das damals ganz anders. Da spielte sich Asgaard als Retter von Ordnung und Sicherheit für Somalia auf. Man verglich sich sogar mit dem privaten amerikanischen Sicherheits-Giganten Blackwater, der an Folterungen im Irak beteiligt gewesen sein soll.

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Asgaard unterhielt Kontakte ins deutsche Wirtschaft- und Verteidigungsministerium. Angeblich sogar zur persönlichen Referentin des damaligen Kanzleramtsministers Roland Pofalla. Offenbar mit wenig Erfolg. In einem Schreiben erfuhr Asgaard, dass die Bundeswehr keinen Bedarf an einer Zusammenarbeit habe. Das Auswärtige Amt teilte mit, das Asgaards somalischer Vertragspartner international nicht als Präsident anerkannt sei. Der Prozess geht am 28. September weiter.

Asgaard - das Unternehmen

Im Jahre 2009 gründete der aus Hamm stammende ehemalige Feldwebel der Bundeswehr zusammen mit Partnern in Telgte die Sicherheitsfirma mit dem Namen „Asgaard Security Group“. Der zweite Angeklagte trat kurz danach in das Unternehmen als Geschäftsführer ein. Die Firma bot Söldnerdienste im Ausland an. Das schlug damals hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, die 2013 in zwei Strafbefehlen mündeten. 

Standortwechsel nach Dolberg

Derweil wechselte der Firmensitz von Telgte nach Dolberg und weiter nach Aachen, wo das Unternehmen unter neuer Leitung und dem Namen „Asgaard Security Guards Consulting GmbH“ tätig wurde. Als „Asgaard German Security Group“ firmiert es heute auf seiner Homepage im Internet. Auf der Startseite präsentiert es sich mit Wikingerschiff im Logo als ein international operierendes Sicherheitsunternehmen: „Wir führen Personenschutz- und Objektschutzaufträge mit Schwerpunkt auf Krisengebieten durch. Darüber hinaus bildet Asgaard Angehörige staatlicher Sicherheitskräfte weltweit aus.“ Anfang 2017 tauchte die Truppe dann wieder im Raum Hamm/Ahlen auf. Diesmal als „Asgaard German Security Guards“.

Casting nahe des Hindu-Tempels

Im Februar führte sie an der Uentroper Kranstraße in der Nähe des Hindu-Tempels Castings durch, die sie im Internet als Suche nach „echten Männern“ bewarb. Zuvor hatten sie schon quasi-militärische Trainingseinheiten auf dem Gelände der Feuerwehrausbildungsstätte in Ahlen-Brockhausen absolviert. 

Angeklagte nicht mehr Geschäftsführer

Die beiden Männer, die jetzt vor Gericht stehen, haben mit der heutigen Geschäftsführung nichts mehr zu tun. Bei allen Änderungen des Firmensitzes und des Namens blieb der Begriff „Asgaard“ als Markenkern immer erhalten. Streicht man aus dem Wort ein „a“ heraus, landet man im nordischen Götterhimmel der Asen: in Asgard. Warum aber Thors Hammer gerade für afrikanische Clanfürsten oder Wüsten-Warlords attraktiv sein soll, bleibt das Geheimnis der germanischen Söldner-Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Von Matthias Münch

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