Pfarrhaus in Rhynern weicht Wohn- und Gewerbekomplex

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Prof. Dr.-Ing. Franz Pesch als Vorsitzender der Jury, Bezirksvorsteher Hermann Aßhoff, Michael Bertels vom Presbyterium der Emmaus-Gemeinde, Pfarrer Michael Schmidt, Ex-Bezirksvorsteherin Doris Conrady, der Architekt des Kirchenkreises Hamm, Lutz Thomas Kusch, und Stadtbaurätin Rita Schulze Böing (von links) präsentieren das Modell des Wettbewerbs-Siegers. Im Gottesdienst am Sonntagmorgen werden alle Vorschläge und Modelle in der Rhyneraner Kirche ausgestellt sein.

RHYNERN - Das evangelische Pfarrhaus in Rhynerns Ortsmitte soll abgerissen werden. Ein vier Baukörper umfassender Komplex mit 18 Wohneinheiten sowie einem gewerblich nutzbaren Bereich für Büros, Praxis oder Café soll dort entstehen. Das ist das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs, den der evangelische Kirchenkreis Hamm ausgelobt hatte.

Die Jury vergab gestern Mittag den ersten Preis an das Architektur-Büro Vedder und Berndes in Menden. Investor dieses Projektes wird die Heckmann Bauland und Wohnraum GmbH & Co. KG aus Bockum-Hövel sein.

„Wir fanden, dass dieser Vorschlag die durchaus schwierigen Vorgaben für dieses Projekt mit der besonderen Topografie, der Einbeziehung des Denkmals, der Straßenführung auch der vorhandenen Häuser am besten umgesetzt hat“, erklärte Professor Dr. Franz Pesch. Der Uni-Professor aus Stuttgart saß der siebenköpfigen Jury vor.

Baubeginn nicht vor 2016

Die demnächst andere Nutzung des bisherigen Pfarrgrundstücks der evangelischen Kirchengemeinde macht verschiedene bürokratische Schritte notwendig. Das heißt, es muss zunächst Baurecht geschaffen werden durch einen so genannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Wie bei diesen Verfahren üblich, wird es unter anderem auch noch eine Bürgerbeteiligung geben. Auch die bestehende Gestaltungssatzung des Ortskerns Rhynern, in der das gelbe Pfarrhaus Bestandteil ist, muss geändert werden, damit das Haus überhaupt abgerissen werden darf. Hier werden entsprechende Vorlagen für die Bezirksvertretung und den Rat erarbeitet werden müssen. Ob diese bereits in der nächsten Sitzungsrunde im September vorliegen, ist offen. Insgesamt dürfte das Bauvorhaben laut Einschätzung aller Beteiligten wohl erst 2016 begonnen werden können.

Diese hatte gestern zum ersten Mal die sechs Vorschläge zu Gesicht bekommen. Namen der Architekten und Investoren blieben zunächst ungenannt. Nach einer ersten Sichtung und Bewertung schieden drei Entwürfe aus. Platz zwei belegte das Architektur-Büro Nachtigall aus Hamm, den dritten Preis erhielt das Büro Noweck und Pahmeyer, ebenfalls aus Hamm. Deren Vorschläge werden in dieser Reihenfolge herangezogen, sollte die Umsetzung des Gewinner-Projektes doch noch scheitern, zum Beispiel an den anstehenden Verhandlungen mit dem Eigentümer, der Kirchengemeinde, die das Grundstück im Erbbaurecht zur Verfügung stellen wird.

„Wir sind mit dem Verlauf dieses Wettbewerbs sehr zufrieden“, meinte Kirchenkreis-Architekt Lutz Thomas Kusch. „Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hat sehr gut funktioniert“, so Kusch. „Auch die Lokalpolitik hat sich sehr positiv eingebracht“, fügte Pfarrer Michael Schmidt an.

Die Rhyneraner Dorfmitte wird in jedem Fall mit zusätzlichem Leben gefüllt und ein optisch auffälliges Areal dazu erhalten. Nahm das Pfarrhaus bislang eine eher ruhige Position hoch oben auf dem Grundstück mit einem Höhenunterschied von vier Metern ein, so werden alleine die 18 neuen Wohneinheiten in den vier Gebäudekörpern mehr Bewegung in den Ortskern bringen. Auch optisch wird das Grundstück viel mehr auffallen als bislang.

Die vier Baukörper sind wechselseitig versetzt, jeweils zwei sind mit einer gemeinsamen Erschließung barrierefrei verknüpft. Wohnungen gibt es im Erd-, Ober- und Dachgeschoss. Der Mix liegt zwischen 65 und 120 Quadratmetern, ergänzt um eine Senioren-Wohngemeinschaft und den Bereich für gewerbliche Nutzung, der zur Reginenstraße hin entstehen soll.

Durch die Stellung der Baukörper entsteht ein Mittelweg, der die Hauseingänge miteinander verknüpft, aber auch zum Spazieren einladen soll. Im neuen, eigenständigen Quartier sollen zum einen bestehender Baumbestand erhalten bleiben, zum anderen neue Blumen- und Spielwiesen auf der allerdings durch die vier Neubauten kleiner werdenden Grünfläche entstehen. Zugänge zum inneren Bereich des Komplexes gibt es zum einen über einen mit Treppen versehenen Fußweg von der Reginenstraße, zum anderen barrierefrei von der Straße An der Windmühle.

Geparkt werden soll im Kellergeschoss. In Höhe der bisherigen Einfahrt auf den Pfarrhof fahren die Autos auf das Gelände, wo sie eine Einfahrt in eine Tiefgarage nutzen können. Dort sind 20 Stellplätze vorhanden. Drei weitere Parkplätze entstehen auf dem Hof direkt an der Reginenstraße. Das Denkmal wird durch den Freischnitt der Bäume in diesem Bereich herausgestellt und in den treppenförmigen Aufgang quasi integriert. - jb

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