Neuer Standort gesucht

Erweiterung unwahrscheinlich: Wohl keine neuen Pflanzungen im Hochzeitswald

Es war einmal: Neuanpflanzungen, wie hier zum 20-jährigen Bestehen des Hochzeitswaldes, wird es im Hölzken künftig nicht mehr geben.
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Es war einmal: Neuanpflanzungen, wie hier zum 20-jährigen Bestehen des Hochzeitswaldes, wird es im Hölzken künftig nicht mehr geben.

Endet nach 25 Jahren die Erfolgsgeschichte des Hochzeitswaldes im Hölzken? Dass es an Ort und Stelle zu einer Erweiterung kommt, gestaltet sich laut Stadtsprecher Tom Herberg schwierig.

Lohauserholz/Geithe – Für den dazu notwendigen Flächenerwerb kann offenbar keine Einigung erzielt werden. Doch eine Erweiterung ist zwingend erforderlich. „Alle Flächen sind voll“, teilte Herberg mit. Corona-bedingt habe es im November zwar keine gemeinsame Pflanzaktion gegeben. Davon unbeeinflusst sei jedoch die Pflanzung selbst gewesen. Insgesamt 73 Bäume seien gesetzt worden.

Stadtweit ist die Verwaltung derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Standort für einen „neuen“ Hochzeitswald. Der sollte einige Voraussetzungen mitbringen, wie Herberg sagte. „Wichtig wäre beispielsweise der Anschluss an einen bereits vorhandenen Wald oder der Lückenschluss zwischen zwei Wäldern“, so der Stadtsprecher. Außerdem sollte er gut erreichbar sein. Den bisherigen Standort an der Straße Zum Wiescherbach wollte er zwar noch nicht komplett abschreiben, doch schätzte er die Chancen einer Erweiterung an dieser Stelle als „gering“ ein. „Ich bin wenig zuversichtlich.“

Immer mehr Pflanzflächen im Bürgerwald

In welchem Hammer Stadtbezirk sich der neue Hochzeitswald ansiedelt, konnte Herberg nicht sagen. Ziel sei es aber, ihn bei der nächsten Pflanzaktion Ende dieses Jahres einzuweihen. Der Standort sollte daher bis Mitte des Jahres gefunden sein.

Für die Übergangszeit bietet die Stadt potenziellen Baumpaten an, ihre Bäume im Bürgerwald in der Geithe zu pflanzen. Auch der wächst rasant. Die ersten vier Pflanzflächen sind voll, mehr als 600 Bäume wachsen dort. Mittlerweile gibt es eine fünfte Pflanzfläche. Dass die Baumparten ihre Bäume einfach im Bürgerwald in der Geithe pflanzen sollen, kam für Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch „etwas überraschend“. Er erfuhr von dem Angebot erst am Freitagmorgen aus dem WA, wie er sagt. „Unglücklich“ gelaufen.

Gleichwohl schaut er nach vorn. Ziel müsse eine gesamtstädtische Lösung sein, sagt er. Dazu plant er für Ende des Monats ein Gespräch mit der Stadt. Eher nicht, denn es gilt, eine sich bereits abzeichnende Entwicklung weiter zu beobachten. Pförtzsch schließt nicht aus, dass sie sich nach der Berichterstattung über den Hochzeitwald noch verstärken könnte und in diesem Herbst den Rahmen der Pflanzaktion im Bürgerwald Uentrop sprengt.

Er war nur „etwas“ überrascht von dem genannten Angebot. Denn er wusste schon vorher von den ungewöhnlich hohen Anmeldezahlen für die 19. Pflanzaktion im November. Die haben zwei Gründe, einer davon ist ungewöhnlich.

Vor allem ein Wald im, von und für den Bezirk: Bezirksbürgermeister Pförtzsch begleitet von Beginn an, seit fast 20 Jahren die Entwicklung des Bürgerwaldes Uentrop.

Vom Hochzeitwald „überraschend“ auf die Geithe

Die höheren Anmeldezahlen kurz nach der jüngsten Pflanzaktion liegen einerseits daran, dass im vergangenen Herbst nur 38 Bäume gepflanzt worden sind. So ist die vierte Erweiterungsfläche voll. Damit die Aktion nicht auseinandergerissen wird, sollte die fünfte Erweiterung erst in diesem Jahr erstmals bepflanzt werden. Wer also im Herbst nicht zum Zuge kam, meldete sich jetzt schon mal an. So weit, so gut und nachvollziehbar.

Damit die Flächen nicht zu schnell volllaufen, die Teilnehmerzahl noch machbar und der familiäre Eventcharakter nicht verloren geht, ist Zahl der Baumpaten auf jährlich rund 45 Bäume begrenzt. Die Zahl ist jetzt schon erreicht. Viel zu früh. „Halt, stopp mal, die sind gar nicht aus unserem Einzugsgebiet“, habe er angesichts der aktuellen Meldungen von Baumpaten festgestellt, sagt Pförtzsch. Wie viele genau, kann Pförtzsch nicht sagen.

Aber in der Geschichte des Bürgerwalds sei stets der mit Abstand größte Teil der Baumpaten aus dem Stadtbezirk Uentrop gekommen oder hätte einen Bezug gehabt. Das sei jetzt anders. „Aus dem Grund ist es unbedingt erforderlich, mit der Stadt Gespräche zu führen“, sagt er. Sonst droht der Bürgerwald Uentrop schneller als geplant an seine Grenzen zu stoßen – sowohl als Veranstaltung als auch vom verfügbaren Platz her.

Suche nach neuen Flächen und Erweiterung des Hochzeitswaldes

Die Stadt sucht übrigens schon seit Monaten nach einer neuen Pflanzfläche, wie sie Anfang 2020 auch die Bezirksvertretung Herringen hatte wissen lassen. Dort gab es nämlich die Anregung eines Bürgers, in Herringen einen Hochzeitswald anzulegen. Schon damals hatte die Stadt mitgeteilt, dass die Kapazitäten im Hochzeitswald im Ortsteil Hamm-Lohauserholz noch bis maximal 2021 ausreichten und man dabei sei, einen neuen geeigneten Standort für die Folgejahre zu suchen, um die Kontinuität der Pflanzungen gewährleisten und auch weiterhin allen Hochzeitspaaren und anderen das Angebot einer Baumpflanzung ermöglichen zu können. Gefunden wurde diese Fläche bislang aber noch nicht.

Dass es im Hölzken vermutlich keine neuen Pflanzungen im Hochzeitswald geben wird, dürfte vor allem die neue Ampel-Koalition in der Bezirksvertretung Pelkum enttäuschen. Bei der Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarung Ende Oktober hatten die Grünen extra erklärt, dass ein wichtiges Ziel für 2021 die Erweiterung des Hölzkener Hochzeitswaldes sei und daher entsprechende Mittel in den Haushalt für das Jahr 2021 eingestellt werden sollten.

Das Projekt „Hochzeitswald“ im Detail

Der Hochzeitswald ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Hamm und des Westfälischen Anzeigers. Hamm war die erste deutsche Stadt mit einer solchen Aktion und wurde Vorbild für viele andere Hochzeitswälder in ganz Deutschland und darüber hinaus. So wurde Anfang März 2016 in Hamms US-amerikanischer Partnerstadt Chattanooga ebenfalls ein Hochzeitswald eröffnet.

Nach der ersten Pflanzung 1995 wurde der Hammer Hochzeitswald an der Straße Zum Wiescherbach in Lohauserholz mehrmals erweitert. Insgesamt wurden dort in den vergangenen 25 Jahren rund 1600 Bäume zu verschiedenen Anlässen gepflanztenHochzeiten, Geburten, Jubiläen und andere besondere Ereignisse. Es handelt sich um ein gesamtstädtisches Projekt, welches nicht nur stadtteilbezogen angeboten und genutzt wird, sondern für alle Hammer Bürger auf einer gemeinsamen Fläche stattfindet. Daher ist auch als Suchraum für eine weitere Fläche derzeit das gesamte Stadtgebiet im Blick.

Corona-bedingt mussten die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen im vorigen Jahr ausfallen. Trotzdem konnten erneut 73 Bäume gepflanzt werden – die höchste Anzahl an Anmeldungen in der Geschichte der Hochzeitswaldpflanzungen. Dies macht deutlich, dass er in seinem 25. Lebensjahr beliebter denn je ist und die Erfolgsstory daher fortgesetzt werden soll.

40. Pflanzung im Hammer Hochzeitswald

40. Pflanzung im Hammer Hochzeitswald

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