Interview vor der Kommunalwahl am 13. September

Jungwähler in Hamm: „Ein anderer OB wäre mal interessant“

Paul Richwien und Victoria Dolderer aus Hamm dürfen erstmals wählen.
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Die Qual der Wahl: Paul Richwien und Victoria Dolderer dürfen in diesem Jahr zum ersten Mal wählen.

Für mehr als 13.000 junge Hammer ist die Kommunalwahl am 13. September die erste Möglichkeit, aktiv in der Politik mitzuentscheiden. WA.de hat mit den 16-jährigen Paul Richwien und Victoria Dolderer über ihre erste Wahl gesprochen.

Wie ist eure Erfahrung mit dem Thema Politik?

Victoria: Ich hatte natürlich Politik in der Schule und habe Sozialwissenschaften, da thematisieren wir das gerade. Ich finde Politik interessant und habe mich auch schon ein bisschen damit auseinandergesetzt. Über die Kommunalpolitik haben wir allerdings nie so wirklich gesprochen, wenn dann eher über den Bundestag.

Paul: Bei mir ist es ähnlich: Zur Zeit habe ich keine Politik oder Sozialwissenschaften in der Schule. In der 9. Klasse haben wir über die Wahlen gesprochen. Allerdings nicht über die Kommunalwahlen, sondern über den Bundestag und den Kanzler.

Redet ihr mit euren Klassenkameraden oder Lehrern über die Kommunalwahlen?

Paul: In den Pausen kann das schon mal passieren, vor allem jetzt in den vergangenen Tagen. Wir unterhalten uns darüber: Was wollt ihr denn wählen, oder wie sieht das denn bei euch aus? Alle in meiner Stufe wählen dieses Jahr das erste Mal. Dann tauschen wir uns über die Programme aus oder was uns wichtig ist.

Victoria: Ich rede mit meinen Freundinnen viel darüber oder mit anderen Klassenkameraden. Wir tauschen uns darüber aus, was wir über die verschiedenen Parteien und Kandidaten denken. Es gibt Parteien, die wir grundsätzlich ausschließen. Die Tendenz ist da ziemlich ähnlich.

Erstwähler zum Hören

Die Lippewelle hat mit Paul Richwien und Victoria Dolderer ein Interview fürs Radio geführt. Mit einem Klick auf diesen Link gelangen Sie auf den Postcast.

Bei euch im Freundeskreis wollen aber alle wählen gehen, oder gibt es da auch schon mal Diskussionen darüber, ob man überhaupt wählen geht?

Victoria: Ich wüsste von keinem, der nicht wählen gehen möchte. Es gibt aber mit Sicherheit auch Leute in meiner Stufe, die nicht wissen, dass sie schon wählen dürfen.

Paul: Ich glaube, in meinem Freundeskreis gibt es schon Leute, die sich noch nicht so richtig damit auseinandergesetzt haben und sagen, sie wählen irgendwas – Hauptsache nicht die und die. Darüber reden wir dann auch schon mal, dass das ja eigentlich nicht geht. Dass man sich schon damit auseinandersetzen und wissen sollte, was man selbst möchte.

Ihr hattet auch schon das ein oder andere Wahlprogramm im Briefkasten, hilft euch das bei der Entscheidung?

Paul: Was in den Programmen steht, klingt ja erst mal alles super, aber man weiß gar nicht, was dann am Ende dabei herum kommt. Ich finde, das ist das Schwierige, deshalb weiß ich noch nicht, wen ich wählen möchte. Da muss man sich ja schon mehr informieren als nur über die Wahlwerbung.

Victoria: Mir kommt es vor, als würden alle die gleichen Sachen versprechen oder ansprechen, aber was dann davon umgesetzt wird, kann man ja nicht wissen.

Wie ist das bei euch Zuhause? Sprecht ihr da über die Wahlen?

Victoria: Ja, wir sitzen jeden Abend zusammen, da kommen wir auch schon mal auf das Thema Politik, was meine Eltern wählen oder woran sie interessiert sind und was ich darüber denke.

Habt ihr das Gefühl, dass eure Eltern euch da in eine Richtung lenken wollen, also ihr die gleichen wählt, wie sie?

Paul: Also bei mir ist das nicht so. Ich habe meiner Mutter extra gesagt, dass ich jedes Wahlprogramm, das bei uns im Briefkasten landet, direkt bekommen möchte. Egal von welcher Partei. Und das habe ich auch. Und meine Mutter hat gesagt, dass es darum geht, die Partei zu wählen, die meine Meinung vertritt. Und wenn das jetzt zum Beispiel die CDU ist, dann wähle ich die, auch wenn sie es vielleicht nicht tut. Hauptsache ich bin mit meiner Wahl zufrieden.

Victoria: Bei mir ist es auch so. Meine Familie ist da sehr offen, und ich würde jetzt nicht verurteilt werden, wenn ich etwas anderes wählen würde. Außer bei der AfD vielleicht.

Käme die AfD für euch in Frage?

Paul und Victoria: Nein.

Habt ihr euch das Programm denn angesehen?

Victoria: Ehrlich gesagt nicht. Bei der AfD ist es ja so: Manches hört sich auf den ersten Blick gar nicht so schlecht an, aber der Grundgedanke ist halt einfach eine Katastrophe.

Paul: Ich habe es mir nicht angesehen, aber ich ziehe sie auch nicht in Betracht.

Was sagt ihr zu den Wahlplakaten?

Paul: Ich finde die Wahlkampagne von Thomas Hunsteger-Petermann sehr merkwürdig. Ich finde die einzelnen Plakate komisch, die Bilder und die Beschriftungen dazu, aber ich habe mir das Programm dazu durchgelesen, dann ergibt es Sinn. Aber ich hätte es nicht so gemacht.

Wisst ihr, was Bullerbü ist?

Paul: Nein.

Victoria: Doch, mir sagt es was, aber gut fand ich die Plakate auch nicht. Ich finde, dass die von der SPD gut aussehen, bei der CDU ist mir aufgefallen, dass die viele Plakate haben, aber auch dieses „HP bleibt OB“ finde ich komisch. Ich hatte das Gefühl, dass das eine Abkürzung sein soll und damit uns Jugendliche ansprechen soll. Weil man ja sagt, dass wir beim Chatten immer Abkürzungen benutzen, aber das kommt eben nicht so rüber.

Paul: Das wirft auch kein sympathisches Licht auf ihn. Auf den kleinen Plakaten sieht man ihn ja nicht mal. Marc Herter ist immer zu sehen und dazu ein Spruch über die Zukunft von Hamm. Das finde ich schon besser. Wobei ich meine Entscheidung nicht vom Wahlplakat abhängig machen werde.

Ihr habt euch schon mit den Oberbürgermeisterkandidaten beschäftigt. Habt ihr da schon einen Favoriten?

Paul: Ich bin 2004 geboren, lange nachdem Hunsteger-Petermann das erste Mal gewählt wurde. Solang ich lebe, war er am Stück der Oberbürgermeister. Ich fände es mal ganz interessant, wenn ein neuer Oberbürgermeister gewählt werden würde, oder eine Oberbürgermeisterin.

Victoria: Ich finde, dass Hunsteger-Petermann viel geleistet hat und vieles gut gemacht hat. Mal jemand Neues, das wäre aber auch nicht schlecht. Ich schwanke zwischen Marc Herter und Arnela Sacic.

Man hört, dass die Grünen bei den jüngeren Wählern beliebt sind, weil man sie mit dem Klimaschutz verbindet. Wie sieht das bei euch aus?

Paul: Vor allem mit der jungen OB-Kandidatin finde ich die Grünen attraktiv für mich. Und ich habe auch in meiner Stufe schon öfter gehört, dass jemand gesagt hat, sie würden die Grünen wählen. Auch von Eltern habe ich das gehört.

Wie informiert ihr euch über die Kandidaten? Über die Wahlwerbung im Briefkasten und online, auch über soziale Netzwerke?

Victoria: Mir wurde in keinem sozialen Netzwerk irgendetwas von den Kandidaten angezeigt. Ich habe gegoogelt und mir online die Programme angesehen.

Paul: Ich glaube, wenn die Kandidaten etwas auf Social-Media hochladen, dann wahrscheinlich auf Facebook. Das erreicht ja fast niemanden mehr aus unserer Generation. Da existiert Facebook ja gar nicht mehr, da gibt es nur noch Instagram, WhatsApp und Snapchat.

Oder TikTok. Wie wäre ein tiktokender Oberbürgermeister-Kandidat. Würdet ihr euch das angucken?

Victoria: Auf jeden Fall. Ich mache zwar keine eigenen Videos, aber ich verbringe schon viel Zeit auf Tiktok. Wenn ich da mal so einen tanzenden Marc Herter sehen würde, das wäre schon ziemlich witzig. Das würde ihn auch sympathisch machen.

Paul: Ich fände es auch ganz witzig. Aber ich wüsste nicht, ob das zu einem Hunsteger-Petermann passen würde. Es würde nicht so seriös rüberkommen, wie er sonst rüberkommt.

Was die Kandidaten sich für Hamm wünschen, wissen wir. Was wünscht ihr euch denn?

Victoria: Ich würde mir wünschen, dass in die Schulen investiert wird.

Paul: Mir gefällt der Punkt von SPD und CDU, in dem stand, dass sie auf dem Gelände der WDI einen neuen Campus bauen wollen. Sowas finde ich gut und extrem wichtig für Hamm.

Victoria: Es wird ja immer gesagt, dass Hamm eine Studentenstadt werden soll. Wir haben mit der HSHL auch eine schöne Hochschule, da kann man viel draus machen, aber ich verstehe nicht, wo wir ansonsten eine Studentenstadt sind. Was haben wir hier für Studenten? Klar, man kann ins Kino gehen, aber Wohnmöglichkeiten gibt es kaum. Da finde ich Städte wie Dortmund oder Bochum schon deutlich attraktiver.

Habt ihr das Gefühl, dass die Politik zu alt ist? Zum Beispiel der Hammer Rat?

Victoria: Auf jeden Fall, ich finde, da fehlt so eine Hand voll Schüler, von verschiedenen Schulen, das würde vielleicht helfen.

Paul: Deshalb finde ich die Kommunalwahl ab 16 schön. Weil wir gehen ja noch zur Schule und sind mittendrin und können mit unserer Stimme über unsere Zukunft entscheiden. Wir sind einfach näher dran, als jemand, der schon 55 ist.

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