Gegen das Verkehrschaos und die Sturheit der Eltern

Erstmals hat eine Hammer Schule eine Hol- und Bringzone

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Schulleiter Peter Fricke (links) stellte jetzt die Hol- und Bringzone an der Kappenbuschschule vor, die bereits nach wenigen Tagen gut von den Eltern genutzt wird. Auch Bianca Weide setzte ihren Sohn Ben (7) dort ab, damit er die letzten Meter zu Fuß zur Schule geht,

Als erste Schule in Hamm hat die Kappenbuschschule einen Hol- und Bringzonen eingerichtet. Damit soll das morgendliche Verkehrschaos vor den Eingängen bezwungen werden.

Heessen – Seit Montag sind die Eltern in Absprache mit der Stadt Hamm angehalten, ihre Kinder auf dem Parkstreifen vor dem Hallenbad oder an der Sulkshege, kurz hinter der Einmündung der Straße Rottkamp aus dem Auto aussteigen zu lassen. Vor dort aus gelangen sie gefahrlos auf dem Bürgersteig und ohne eine Straße überqueren zu müssen, zur Schule. Versehen sind die beiden Zonen mit Haltestellenschildern, um sie gut kenntlich zu machen. Und die ersten Tage zeigen: Es ist erfolgreich.

Eigentlich sollten auch schon gelbe Fußspuren auf den Weg gesprüht sein, denen die Kinder nur noch folgen müssen. Doch das nasse Wetter hat das bislang verhindert. „Das Aufsprühen der Fußspuren holen wir mit den Kindern nach, wenn es wieder trocken sagt“, sagt Schulleiter Peter Fricke.

Zur Belohnung erhalten die Kinder, die zu Fuß zur Schule gekommen sind, jeweils einen Stern, den sie auf einen Klassenbogen kleben können. Bei 250 Sternen erhält die Klasse eine Belohnung, zum Beispiel Hausaufgabenfrei oder eine lange Pause. Und wenn zwölf dieser Klassenbögen voll sind, soll es eine Belohnung – gewissermaßen eine Sternstunde – für die ganze Schule geben, über die das Schulparlament entscheidet. Auf der Wunschliste, die die Klassen eingereicht haben, stehen ganz unterschiedliche Dinge wie ein Fußballturnier, ein Haustieretag, eine Discopause oder ein Medien- und Techniktag.

Kinder sollen Einfluss auf Eltern nehmen

„Wir hoffen, dass die Kinder auf diese Weise von sich aus das letzte Stück Weg zu Fuß gehen wollen und Einfluss auf ihre Eltern nehmen“, so Fricke. Auf Dauer wünscht er sich zudem, dass die Schüler auch selbstständiger werden. Beobachtet hat er, dass sich die ersten Eltern auch schon verabredet haben, ihre Kinder gemeinsam auf das letzte Stück Schulweg zu schicken.

„Ich bin seit 15 Jahren an dieser Schule und so lange ist dieses tägliche Verkehrschaos schon Thema“, berichtet Fricke über seine Motivation. Es sei immer wieder zu gefährlichen Situationen durch rangierende Fahrzeuge gekommen. Nicht nur einmal habe er beobachtet, wie Eltern mit ihren rückwärtsfahrenden Autos Kinder fast übersehen hätten, die gerade hinter dem Fahrzeug hergegangen seien. Er sei auch zum Teil von Kita-Eltern angesprochen worden, die ihr Kind gerne zu Fuß zur Schule geschickt hätten. Das sei ungefährlich, bis sie die Schule erreichten, so Fricke.

Verbote haben bisher nicht geholfen

Jedes Jahr sei das Verkehrschaos bei den Sitzungen der Elternpflegschaft angesprochen worden. Und man habe auch Aktionen mit dem Ordnungsamt, der Polizei und sogar mit den Kindern gemacht, die „Denkzettel“ an die Eltern verteilten. „Wenn die Polizei da stand, war alles gut, wenn sie wieder weg war, hat es manche Eltern nicht mehr interessiert, obwohl es doch die eigenen Kinder sind“, berichtet er. Weil Verbote bisher nicht geholfen hätten, wolle man jetzt den Eltern sagen, was sie machen sollen.

Dabei hat Fricke durchaus Verständnis dafür, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. „Nur weil sie das tun, sind sie ja keine schlechten Eltern. Vielfach geht es ja gar nicht anders“, sagt er. Manche Schüler wohnten zum Beispiel weit entfernt in den Bauerschaften, andere müssten nicht nur ein Kind zur Schule, sondern auch noch ein weiteres in die Kita bringen oder sie führen danach zur Arbeit.

Bei Bianca Weide war ein Termin vor der Schule der Grund. Ihr Sohn Ben geht eigentlich immer und gerne zu Fuß. Und diesmal hat er von sich aus darauf bestanden, in der Hol- und Bringzone vor dem Hallenbad abgesetzt zu werden.

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